—  187  —

der  Birke  bilden  sich  schon  im  Herbste,  und  während  des  Winters  sieht  man  sie  bereits
paarweise  an  den  Zweigen  hängen.  Die  Schuppen  sind  jedoch  dann  zum  Schutze
noch  dicht  geschlossen.  Sie  öffnen  sich  erst  im  Frühlinge.  Die  Stempelkätzchen  sind  viel
kleiner  als  die  Staubkätzchen.  Während  des  Winters  ruhen  sie  in  dichtumhüllten
Knospen.  Im  Sommer  bilden  sie  kleine  Zapfen,  zwischen  deren  schützenden  Schuppen
sich  die  mit  zwei  häutigen  Flügeln  (S.  208)  versehenen  Früchte  entwickelt  haben.

32.  Saftströmung.

1.  Aufsteigender  Saftstrom.  Wenn  man  im  Frühjahre  in  den  Stamm  der
Birke  ein  Loch  bohrt,  so  fließt  ein  süßschmeckender  Saft  („Birkenwasser“)  heraus.
Dieser  dient  dem  Baume  zur  Nahrung.  Wird  ihm  der  Saft  in  übermäßiger
Weise  entzogen,  so  muß  er  vertrocknen.  Das  von  den  Wurzeln  aufgesogene  Wasser
steigt  in  dem  Holze  von  Zelle  zu  Zelle  aufwärts  bis  in  die  höchsten  Spitzen  des
Baumes.  In  den  Blättern  angelangt,  verdunstet  es  jedoch  größtenteils  wieder
und  zwar  aus  den  sogenannten  Spaltöffnungen.  Das  sind  kleine  Löcher,  die  sich
in  der  Oberhaut  der  Blätter  (sowie  aller  grünen  Pflanzenteile)  finden.  Aus
ihnen  steigt  beständig  Wasserdampf  empor.  Die  Hauptmasse  des  aufsteigenden
Wassers  dient  nämlich  nur  dazu,  die  Nährsalze  aus  dem  Boden  in  die  Pflanze
zu  befördern,  ist  also  weiter  nichts  als  ein  Zuleitungsmittel.  (S.  184.)  Hat
dieses  Wasser  seinen  Zweck  erreicht,  so  scheidet  es  wieder  aus  der  Pflanze  aus  und
läßt  nur  die  Salze  zurück.  Wir  können  diese  Verdunstung  deutlich  wahrnehmen,
wenn  wir  frische  Blätter  bei  warmer  Temperatur  unter  eine  Glasglocke  stellen.
Die  Glocke  wird  alsbald  mit  kleinen  Wassertropfen  beschlagen,  die  von  dem  ent—
weichenden  Wasserdampfe  der  Pflanze  herrühren,  der  sich  an  das  Glas  setzt  und
hier  verdichtet.  Eine  Kohlpflanze  verdunstet  z.  B.  in  12  Stunden  bei  +  18°  C.
über  250,  eine  Sonnenblume  sogar  über  500  g  Wasser.

2.  In  der  Pflanzenküche.  In  den  Blättern  geht  eine  merkwürdige  Umwandlung
  des  „rohen  Nährstoffes“  vor.  Die  Blätter  sind  nämlich  die  Küche  der
Pflanze.  „Ein  Teil  ihrer  Zellen  sind  die  Kochtöpfe,  das  Feuer  ist  das  Sonnenlicht,
  und  der  Küchenmeister  sind  die  Blattgrünkörper.“  (S.  180.)  In  diesen
Kochtöpfen  verbinden  sich  die  Salze,  die  durch  die  Wurzel  aus  der  Erde  aufgesogen
  sind,  mit  dem  Kohlenstoffe,  den  die  Blätter  aus  der  Kohlensäure  der
Luft  aufgenommen  haben,  und  dem  Wasserstoffe  des  Wassers.  (S.  333.)  So
entstehen  verschiedene  neue  Stoffe,  z.  B.  Stärkemehl.  Diese  Stoffe  erst  bilden  die
eigentliche  Nährspeise  der  Pflanzen.

3.  Absteigender  Saftstrom.  Von  den  Blättern  wandern  die  Nährstoffe  durch
die  Blattstiele  zurück  (S.  172  u.  175)  und  werden  an  verschiedenen  Stellen
verbraucht,  z.  B.  bei  der  Neubildung  von  Wurzeln  und  Früchten  und  bei  der
Knospenbildung  im  Herbste.  Die  Blätter  sind  daher  zur  Ernährung  der  Pflanze
durchaus  notwendig.  Ein  Obstbaum,  den  die  Raupen  kahl  gefressen  haben,  bringt
kein  Obst  zur  Reife.  Stachelbeerbüsche,  die  durch  Raupen  ihrer  Blätter  beraubt
sind,  haben  nur  kleine,  welke  Früchte  von  schlechtem  Geschmacke.

33.  Die  Eiche  und  ihre  Zewohner.  I.

1.  Bau.  Die  Eiche  liebt  feuchten  Boden.  Sie  treibt  daher  ihre  gewaltige  Pfahlwurzel
  2—3  m  tief  in  die  Erde.  Dort  erst  steht  das  Grundwasser.  Ihre  Nebenwurzeln
  treibt  sie  seitwärts  bis  dahin,  wo  das  Regenwasser  am  Umfang  der  Krone
von  den  Blättern  tropft.  Hier  entsteht  eine  kreisförmige  Traufe.  (Regenschirm!)  Der
knorrige  Stamm  ist  von  einer  dicken,  rissigen  Rinde  umgeben.  Wie  sind  die  Risse
entstanden?  (S.  186.)  Er  erreicht  eine  Höhe  von  25—30  m  und  hat  zuweilen
solchen  Umfang,  daß  ihn  5—6  Mann  kaum  umspannen  können.  Mit  seiner  Riesen-