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kraft  trotzt  er  den  wütendsten  Stürmen.  Er  ist  daher  ein  Sinnbild  der  Kraft.  Das
Stammholz  ist  wegen  seiner  Festigkeit  besonders  zu  Wasserbauten  (Hafenanlagen),
zum  Schiffsbau,  zu  Mühlenwellen  u.  s.  w.  geeignet.  Die  Blätter  entwickeln  sich  später
als  die  der  andern  Waldbäume  und  sind  am  Rande  mit  großen,  runden  Ein=  und
Ausschnitten  versehen:  das  Blatt  ist  „gebuchtet“.  Vorteil:  Sie  lassen  das  Sonnenlicht
  leicht  durch.  Die  Blüten  erscheinen  im  Monat  Mai.  Jeder  Baum  trägt
zweierlei  Blüten:  Staub=  und  Stempelblüten.  Die  Staubblüten  stehen  in  lockern,
grünlichgelben  Kätzchen.  Bei  den  Stempelblüten  ist  der  Fruchtknoten  von  einer
Anzahl  kleiner  Schüppchen  umgeben,  so  daß  die  Blüten  die  Gestalt  kleiner  Köpfchen
haben.  Aus  ihnen  entwickeln  sich  die  Eicheln.  (S.  215.)

2.  Ihre  Bewohner.  Die  Eiche  ist  ein  gastfreundlicher  Baum  und  gewährt
Hunderten  von  Tieren  Kost  und  Obdach.  Hoch  oben  im  Wipfel  hat  das  niedliche
Eichhörnchen  sein  Nest.  Aus  einer  Höhlung  des  Baumes  schlüpft  abends  der  Waldkauz.
  Unten  an  der  Wurzel  lauert  die  Blindschleiche  auf  eine  der  zahlreichen
Schnecken,  die  sich  oben  im  Eichenlaube  sättigen.  Auch  der  Specht  und  Kuckuck
statten  dem  Eichbaume  fleißig  Besuche  ab,  um  unter  den  zahlreichen  Insekten,  die
hier  herbergen,  reiche  Beute  zu  machen.  Besonders  aber  merken  wir  uns  von
den  Eichbaumbewohnern  noch  folgende:

a.  Die  Gallwespe.  An  den  Blättern  des  Eichbaums  sieht  man  nicht  selten
kugelförmige  Auswüchse,  die  man  Galläpfel  nennt.  In  der  Mitte  eines  solchen
Apfels  befindet  sich  eine  runde  Kammer,  worin  eine  weiße  Made  liegt.  Während
  des  Winters  verpuppt  sie  sich.  Im  nächsten  Januar  kriecht  aus  der  Puppe
eine  Schlupfwespe,  die  ihren  Kerker  durchbohrt  und  so  ins  Freie  gelangt.  Gleich
darauf  sucht  sie  eine  der  Knospen  des  Eichbaums  auf  und  legt  ein  Ei  hinein.
Zugleich  dringt  eine  scharfe  Flüssigkeit  in  die  Wunde,  und  so  entwickelt  sich  die
Knospe  zu  einer  länglichrunden  Galle.  Aus  dieser  schlüpft  Ende  Mai  oder  Anfang
  Juni  wieder  eine  Gallwespe  hervor,  die  jedoch  etwas  anders  aussieht  als
ihre  Mutter.  Dieses  junge  Geschöpf  schiebt  nun  ein  Ei  in  die  Blattrippen  eines
Eichblattes,  und  hier  entsteht  dann  wieder  ein  rotbäckiger  Gallapfel.

b.  Der  Hirschkäfer.  Die  Männchen  werden  ihrer  geweihartigen  Oberkiefer
wegen  von  den  Knaben  gern  gesucht.  Die  Engerlinge  leben  etwa  5  Jahre  im  Holze
der  Eichen.  Während  dieser  Zeit  nagen  sie  —  ebenso  wie  die  schädlichen  Larven
des  Eichenbocks  —  mit  ihrem  Gebisse  große  Gänge  in  das  Stammholz  der  gesundesten
  Eichen.  Deshalb  sieht  auch  der  Forstmann  den  Hirschkäfer  nicht  gern.
Im  Mai  des  5.  oder  6.  Jahres  entwickelt  sich  die  Larve  zur  Puppe  und  im  Juni
—  wenn  das  Laub  den  Baum  schmückt  —  zum  Käfer.  Dieser  lebt  nur  wenige
Wochen.  Am  Tage  sitzt  er  am  Stamme  und  leckt  den  Saft  auf,  der  aus  wunden
Stellen  des  Baumes  fließt.  Abends  aber  schwirrt  er  am  Eichbaume  umher.

34.  Der  Kuckuck,  ein  Waldhüter.

1.  Ankunft.  Aussehen.  Der  Kuckuck  ist  ein  vorzüglicher  Waldhüter.  Ende
April  oder  Anfang  Mai,  wenn  das  Heer  der  Insekten  wach  geworden  ist,  erscheint
  er  und  läßt  seinen  bekannten  Ruf:  Kuckuck!  Kuckuck!  erschallen.  Alt  und
jung  freut  sich  des  Frühlingsverkünders,  und  das  Kind  zählt  nicht  selten  seine
Rufe,  um  zu  erfahren,  „wie  lang  es  leben  soll“.  Nur  das  Männchen  läßt  den
bekannten  Kuckucksruf  hören.  Die  Stimme  des  Weibchens  ist  ein  helles  Kichern,
das  dem  Lachen  eines  Menschen  nicht  unähnlich  ist.  Der  Kuckuck  ist  ungemein  scheu.
Er  fliegt  sofort  davon,  wenn  sich  ihm  ein  Mensch  naht.  Nur  selten  glückt  es,  ganz
in  seine  Nähe  zu  kommen.  Er  hat  etwa  die  Größe  einer  Taube.  Sein  Gefieder
sieht  oben  graublau  aus,  ist  aber  an  der  Unterseite  weiß  und  schwarz  gebändert.
Die  eine  Zehe  des  Kuckucks  ist  eine  Wendezehe,  d.  h.  sie  kann  nach  vorn  und  hinten