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Pflegeeltern  ist  wahrhaft  rührend.  Sie  dauert  auch  dann  noch  fort,  wenn  der
junge  Kuckuck  ausgeflogen  ist.  Noch  zu  unbeholfen,  sich  seine  Nahrung  selbst  einfangen
  zu  können,  setzt  er  sich  dann  auf  einen  Baumzweig  und  wartet  hier  auf
seine  Pflegeeltern.  Diese  aber  hören  nicht  eher  auf,  ihn  zu  füttern,  als  bis  er
sich  vollkommen  allein  ernähren  kann.

35.  Schlußbetrachtung.  (Kriegsleben  im  Walde.)

1.  Bei  der  Kiefer  und  Eiche  haben  wir  gesehen,  daß  sie  unter  den  Insekten
zahlreiche  Feinde  haben,  und  wie  sie  zuweilen  von  diesen  vollständig  vernichtet
werden.  In  dem  Kuckuck  aber  hat  uns  der  Schöpfer  einen  Waldwärter  gegeben,
der  dafür  sorgt,  daß  die  schädlichen  Insekten  im  Walde  nicht  überhand  nehmen.
Andre  solcher  Waldpolizisten  sind  noch  Specht  und  Meise.

2.  Auch  in  der  Pflanzenwelt  findet  beständig  ein  solcher  Kampf  ums  Dasein
statt.  So  duldet  die  Buche  nicht,  daß  die  junge  Eiche  unter  ihren  Zweigen  gedeiht;
  denn  sie  nimmt  ihr  mit  ihrem  schattenreichen  Blätterdache  allen  Sonnenschein.
Wegen  des  mangelnden  Sonnenlichts  treffen  wir  im  dichten  Buchenwalde  überhaupt
wenig  Unterholz.  Ebenso  unduldsam  ist  der  Nadelwald,  besonders  der  junge.  Am
großmütigsten  ist  noch  die  königliche  Eiche.  Die  Blätter  sind  nämlich  tief  ausgebuchtet
  und  nicht  so  schirmartig  gestellt  wie  die  der  Buche.  Sie  lassen  daher  die
Sonnenstrahlen  hindurch  und  gestatten  nicht  nur  den  Sträuchern  und  Blumen,  sondern
selbst  kleinern  Waldbäumen,  wie  Ahorn,  Hainbuche,  sich  unter  ihrem  Dache  anzusiedeln.

V.  Im  Gemüsegarten.  (Juni.)

Einen  Teil  des  Gartens  hat  die  Hausfrau  zum  Gemüsebau  bestimmt.  Dort
hat  sie  bereits  im  vorigen  Herbste  einige  Beete  mit  Winterkohl  bepflanzt,  der  unter
der  Schneedecke  dem  rauhen  Wetter  trotzte.  Im  April  legt  sie  Erbsen.  Aber  erst
im  Mai,  wenn  die  Gefahr  der  Nachtfröste  vorüber  ist,  bringt  sie  Bohnen,  Gurken
und  Kürbiskerne  in  die  Erde  und  sät  Möhren,  Salat,  verschiedene  Kohlarten  u.  s.  w.
aus.  Die  zu  dicht  stehenden  Pflänzchen  werden  später  ausgezogen  und  verpflanzt,  damit
  jedes  Pflänzchen  auch  Raum,  Licht  und  Feuchtigkeit  genug  zum  Wachsen  erhält.

36.  Die  Erbse  und  der  Erbsenwickler.

1.  Blätter  und  Blüten.  Die  Blätter  sind  gefiedert.  (Vorteil?  S.  181.)
Am  Grunde  des  Blattstiels  stehen  zwei  sehr  große  Nebenblätter,  die  den  jungen
Stiel  vor  Wärmeverlust  und  zu  großer  Verdunstung  schützen.  (S.  204.)  Der
gemeinschaftliche  Blattstiel  läuft  in  eine  drei=  bis  fünfteilige  Wickelranke  aus.  Mit
ihr  hält  sich  die  Erbse  an  benachbarten  Gegenständen,  z.  B.  an  Erbsenruten  u.  s.  w.,
fest.  (S.  213.)  Dies  ist  für  die  Erbse  nötig,  da  ihr  Stengel  zu  schwach  ist,  um
aufrecht  stehen  zu  können.  Bliebe  er  aber  an  der  Erde  liegen,  so  bekäme  er  zu
wenig  Licht  und  Wärme  und  würde  verfaulen.  —  Die  Blüte  hat  eine  entfernte
Ahnlichkeit  mit  einem  Schmetterlinge.  Das  oberste  Blütenblatt  dient  als  Aushängeschild
  für  die  Insekten  und  heißt  „Fahne“.  Die  beiden  untern  Blütenblätter  sind
kahnartig  verwachsen  und  bilden  das  „Schiffchen“.  Sie  gewähren  den  Staubblättern
und  dem  Stempel  Schutz  gegen  Regen.  Die  beiden  seitlichen  Blätter  legen  sich
wie  „Flügel“  über  das  Schiffchen  und  bieten  den  Insekten  eine  bequeme  Anflugsstelle.
  Von  den  10  Staubblättern  sind  9  mit  ihren  Fäden  zu  einer  Röhre  um
den  Stempel  verwachsen,  die  Honig  einschließt.  Das  10.  Staubblatt  ist  frei  geblieben
  und  verschließt  mit  seinem  hintern  Ende  den  Zugang  zur  Honigdrüse.

2.  Hülse  und  Schote.  Die  Früchte  der  Erbse  werden  gewöhnlich  Schoten
genannt.  Der  Botaniker  jedoch  bezeichnet  sie  mit  dem  Ausdrucke  „Hülsen“.  Sie