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ist  mit  kurzen  Stacheln  besetzt,  wodurch  sie  Raupen,  Schnecken  u.  a.  schädliche  Tiere  von
Blüte  und  Frucht  zurückschreckt.  Der  Fruchtknoten  ist  von  zwei  sehr  zarten  Häutchen
(den  eigentlichen  Kronblättern)  eingeschlossen,  die  später  mit  dem  Korne  verwachsen
und  eine  einsamige  Schließfrucht  (Grasfrucht)  bilden.  Die  Bestäubung  geschieht
durch  den  Wind.  Daher  hängen  die  3  Staubblätter  jeder  Blüte  weit  hervor,
damit  der  Wind  sie  leicht  bewegen  und  den  Blütenstaub  weithin  streuen  kann.
Das  Schwanken  der  Halme  erleichtert  das  Ausstreuen.  An  trocknen  Tagen  sieht
man  auf  dem  Roggenfelde  zur  Blütezeit  oft  förmliche  gelbe  Staubwolken.  Auch
die  Narben  ragen  weit  heraus,  um  so  den  Blütenstaub  bequem  aufnehmen  zu
können.  Damit  sie  recht  viel  Blütenstaub  auffangen,  sind  sie  federförmig  gestaltet.
Auch  hat  jeder  Fruchtknoten  doppelte  Narben.

5.  Mutterkorn.  Aus  einigen  Roggenähren  sieht  zuweilen  ein  großes,  schwarzblaues
  Korn  hervor;  das  ist  das  sogenannte  Mutterkorn.  Es  entsteht  durch  einen
Pilz,  dessen  Spore  zur  Blütezeit  des  Roggens  in  die  Ahre  eindringt  und  in  kurzer
Zeit  mit  dem  Roggenkorne  zu  einem  schwarzblauen,  hornartigen  Körper  heranwächst.
  Das  Mutterkorn  enthält  Gift,  und  der  Müller  muß  sehr  sorgsam  darauf
achten,  daß  es  nicht  zwischen  das  Mehl  gerät,  da  sein  Genuß  sehr  schädlich  ist.

39.  Bestellung  des  Ackers.

Um  den  Acker  ertragsfähiger  zu  machen,  lockert  ihn  der  Landmann  durch
Graben  oder  Pflügen  auf.  Luft  und  Wasser  können  dann  leichter  in  den  Boden
eindringen  und  die  in  ihm  ruhenden  festen  Nahrungsstoffe,  wie  Salze,  Phosphor
  u.  s.  w.,  auflösen.  (S.  170.)  Wird  der  Boden  jahraus,  jahrein  neu  besät
oder  bepflanzt,  so  werden  ihm  die  Nährstoffe  nach  und  nach  entzogen;  daher  ist
es  notwendig,  sie  wieder  zu  ersetzen.  Das  geschieht  durch  Düngen.  Außer  dem
Stalldünger  verwendet  man  seit  1842  dazu  auch  den  Guano.  Das  ist  zersetzter
Mist  der  Pelikane  u.  a.  Seevögel,  der  sich  auf  einigen  Inseln  bei  Peru  in  30  m
dicken  Schichten  vorfindet.  Auch  Salze,  Gips  und  Mergel  sind  geeignet,  den  Boden
fruchtbar  zu  machen.  Verschiedene  Pflanzen  verlangen  auch  verschiedene  Nährstoffe.
  (S.  171.)  So  sind  z.  B.  Rüben  und  Kohl  vorzugsweise  Kalipflanzen;
Klee,  Erbsen  und  Bohnen  gedeihen  am  besten  auf  Kalkboden;  Getreidepflanzen  und
andre  Gräser  aber  entnehmen  dem  Boden  besonders  viel  Kiesel.  (S.  192.)  Der
Landmann  thut  daher  gut,  bei  Bestellung  seiner  Felder  alljährlich  mit  Kali-,  Kalkund
  Kieselpflanzen  abzuwechseln.  (Wechselwirtschaft.)

40.  Unkräuter.

Zum  Verdrusse  des  Landmanns  drängen  sich  in  die  Kornfelder  allerlei
Unkräuter,  z.  B.  Kornblumen,  Klatschrosen,  Raden,  Trespen,  Winden,  Wucherblumen
und  Wachtelweizen.  Viele  dieser  Eindringlinge  machen  sich  ungebührlich  breit  und
drücken  manches  Hälmchen  zu  Tode.  Besonders  unverschämte  Burschen  sind  der
Klappertopf  und  der  Augentrost.  Legen  sie  doch  ihre  Saugwurzeln  dicht  an  die
Wurzeln  der  Halme  und  rauben  ihnen  so  fast  allen  Saft.  (Vergl.  auch  S.  2031)  Da
steht  dann  der  Bauer  vor  dem  bunten  Blumenfelde  und  zieht  die  Stirne  kraus  in
Falten:  „Ich  hab'  den  Acker  gut  bestellt,  auf  reine  Aussaat  stets  gehalten.  Nun
seh'  mir  einer  das  Unkraut  an!“  Schon  ehe  er  die  Saatkörner  streute,  lagen  die
Samen  seiner  Störenfriede  weich  gebettet  in  der  Erde.  Sie  waren  gereift,  ehe  im
Vorjahre  das  Getreide  gemäht  werden  konnte.  Beim  ersten  Umpflügen  des  Ackers
stiegen  sie  dann  in  die  Tiefe  hinab,  wo  sie  den  Winter  glücklich  überstanden.  Im
Frühlinge  aber  wuchsen  sie  mit  der  keimenden  Saat  zugleich  empor.  In  manchen  Gegenden
  sät  man  jetzt  das  Getreide  in  Reihen,  um  das  Unkraut  besser  vertilgen  zu  können.

Realienbuch  B.  13