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47.  Der  Holunder.  I.

1.  Standort.  Sage.  In  der  Hecke,  im  verlassenen  Winkel  am  Hause,  auf
Schutthaufen,  am  Gartenzaune,  überall  ist  der  Holunder  zu  finden.  Der  Landmann
hat  ihn  gern;  denn  in  vielen  Krankheitsfällen  ist  er  ihm  ein  treuer  Helfer.  An  heilkräftigsten
  sind  seine  Blüten,  die  einen  schweißtreibenden  Thee  geben.  Darum  galt
er  auch  unsern  heidnischen  Vorfahren  als  heilig.  In  seinen  Zweigen  wohnte  Frau
Holder  (entstellt  aus  „Holda“),  die  Schutzgöttin  des  Hauses.  Kinder  tranken  zum
Schutze  gegen  Halsweh  aus  Holunderröhren.  Unter  dem  Holunderbaume  begrub
man  die  abgeschnittenen  Haare  und  Nägel  und  die  ausgezogenen  Zähne,  damit
niemand  durch  sie  den  Bewohnern  des  Hauses  ein  Gebrechen  anzaubern  könne.

2.  Mark.  Rindenporen.  Stamm  und  Zweige  enthalten  viel  Mark.  Je  jünger
die  Zweige,  desto  dünner  die  Holzwände  und  desto  dicker  verhältnismäßig  das  Mark.
Bei  ältern  Zweigen  nehmen  die  Holzwände  an  Dicke  zu,  das  Mark  aber  nicht.
Wozu  das  Mark  dient,  weiß  man  nicht  genau.  Die  Knaben  stoßen  es  aus  dem  Holze
heraus,  um  sich  Knallbüchsen  zu  machen.  —  In  der  Rinde  finden  sich  zahlreiche
Rindenporen.  (S.  186.)  An  zweijährigen  Zweigen  sieht  man  sie  deutlich  als  Warzen.

3.  Blüte.  Die  Blüten  sitzen  an  einem  Hauptblütenstiele,  der  sehr  regelmäßig
  verzweigt  ist.  Da,  wo  diese  Verzweigung  von  unten  her  zum  erstenmal
auftritt,  erhebt  sich  als  Fortsetzung  des  Hauptblütenstiels  ein  kurzer  Blütenast,
unter  dem  vier  etwas  größere  Blütenzweige  sitzen.  Diese  Art  der  Verzweigung
wiederholt  sich  genau  in  derselben  Weise  mehreremal.  Erst  die  letzten  Zweige
tragen  die  Blüten.  Sie  stehen  dadurch  in  einer  ziemlich  regelmäßigen,  kreisförmigen
Scheibe  bei  einander  und  bilden  eine  sogenannte  Trugdolde.  Honig  hat  die  Blüte
nicht.  Da  aber  die  große  Blütenscheibe  weithin  leuchtet  und  stark  duftet,  so  lockt  sie
doch  zahlreiche  Insekten  herbei.  Merkwürdig  ist,  daß  nicht  der  Kelch,  sondern  die
Kronblätter  die  Knospen  schützend  einhüllen.  (Holunderbeere  S.  209.)

46.  Schlußbetrachtung.

Hundsrose  und  Holunder  siedeln  sich  mit  Vorliebe  an  Hecken  und  Zäunen
an.  Die  eigentliche  Heimat  der  Hundsrose  ist  der  Wald,  wo  man  sie  auch  jetzt
noch  findet.  In  früherer  Zeit  aber  hat  man  sie  ihrer  Stacheln  wegen  häufig
zur  Bildung  von  Hecken  verwandt;  daher  auch  ihr  Name  „Heckenrose“.  Nun
erbt  sich  hier  ihr  Wohnsitz  von  Geschlecht  zu  Geschlecht  weiter.  —  Der  Holunder
aber  sucht  als  verstoßenes  Aschenbrödel  den  Zaun  auf,  gleichsam  als  letzten  Zufluchtsort,
  weil  man  im  Garten  kein  Plätzchen  für  ihn  übrig  hat.  Am  Zaune
aber  oder  in  der  Hecke  läßt  man  ihn  ungestört  wachsen,  da  er  ja  durch  sein
Gezweig  auch  den  Zaun  und  die  Hecke  verdichten  hilft.

VIII.  Am  Teiche.

Wir  schlendern  langsam  durchs  Gras  dem  Teiche  zu.  Da  hören  wir  plötzlich
  ein  lautes  „Plumps!  Plumps!“  und  vor  uns  springen  in  langen  Sätzen
die  grünen  Wasserfrösche  in  den  Teich.  Am  Rande  rauschen  Rohr  und  Schilf
geheimnisvoll  im  Winde.  Auf  gelbblühenden  Schwertlilien  und  stacheligen  Igelkolben
  wiegen  sich  bunte  Libellen,  und  über  dem  Wasser  tanzen  Schwärme  von
langbeinigen  Mücken.  Im  Wasser  verlebten  sie  ihre  Jugend  als  Puppen,  ins
Wasser  legen  sie  auch  jetzt  wieder  ihre  Eier.  In  der  Mitte  des  Teiches  wiegt
sich  in  stolzer  Ruh  die  Königin  der  Teiche,  die  weiße  oder  die  gelbe  Wasserrose.
Zwischen  den  Stengeln  und  Blättern  des  Laichkrautes  und  der  Zottenblume