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Kornfelde  versteckt,  reibt  er  mit  den  Vorderpfoten  die  Ähren,  steckt  die  Körner  in
seine  Backentaschen  und  eilt  damit  in  seine  Vorratskammer.

53.  Der  Lein  oder  Flachs.

1.  Aussaat.  Ende  April  sät  der  Landmann  den  Leinsamen  auf  seinen  Acker.
Er  streut  ihn  recht  dick  aus;  eine  alte  Bauernregel  sagt  ihm  nämlich:  „Lein  sär'
dick!“  und  dieser  Spruch  hat  recht.  Denn  erstens  müssen  die  jungen  Leinpflanzen
recht  viel  Feuchtigkeit  haben  und  können  daher  die  Sonnenstrahlen  nicht  gut  vertragen;
  stehen  sie  nun  sehr  dicht,  so  lassen  sie  die  Sonnenstrahlen  nicht  bis  auf
den  Boden  gelangen.  Zweitens  aber  bleiben  die  Stengel  dicht  stehender  Leinpflanzen
  dünner  als  die  Stengel  derjenigen,  welche  weniger  dicht  stehen.  (Warum?)
Je  dünner  aber  der  Stengel  ist,  je  biegsamer  und  feiner  ist  der  Bast.  —  Bald
nach  dem  Aufgehen  der  Saat  stellt  sich  aber  auch  das  Unkraut  ein.  Dieses  hindert
das  Wachstum  der  jungen  Leinpflänzchen,  weshalb  die  Flachsfelder  aufs  sorgsamste
gejätet  werden  müssen.

2.  Stengel.  Blüte  und  Frucht.  Das  Leinpflänzchen  hat  besonders  durch  den
Stengel  seine  Bedeutung  erlangt.  Schlank  und  glatt  schießt  er  empor,  ohne  Kanten,
ohne  verdickte  Knoten.  In  seinem  Innern  bildet  sich  ein  holziger  Körper;  dieser
ist  ringsum  von  feinen  Bastfasern  (2—4  cm  langen  Zellen)  umgeben,  die  eine
bedeutende  Zähigkeit  besitzen.  (Der  Bast  mancher  Pflanzen  übertrifft  das  Schmiedeeisen
  an  Tragvermögen.  Während  ein  Eisendraht  von  Bindfadendicke  eine  Last  von
21,9  kg  tragen  kann,  trägt  ein  ebenso  dicker  Streifen  des  Pfeifengrases  sogar  22  kg.)
In  der  himmelblauen  Blüte  und  der  Fruchtkapsel  tritt  uns  überall  die  Fünfzahl  entgegen.
  (Jnwiefern?)  Als  der  beste  Leinsamen  gilt  der  von  Riga.  Aus  dem  Samen
wird  das  Leinöl  gepreßt.  Es  dient  zur  Malerei  (Firnis),  als  Heilmittel  u.  s.  w.
Die  Rückstände  beim  Olschlagen  sind  als  Leinkuchen  ein  gutes  Viehfutter.

3.  Verarbeitung.  Ende  Juli  ist  der  Lein  soweit  gediehen,  daß  er  ausgerauft
werden  kann.  Um  die  Samenkapsel  von  dem  Stengel  zu  trennen,  zieht  man
den  Flachs  zunächst  durch  einen  eisernen  Kamm:  man  riffelt  den  Flachs.  Nun
geht  es  an  die  weitere  Verarbei  ung.  Damit  man  die  Bastfasern  bequem  und
rein  von  den  sie  umgebenden  Stengelteilen,  als  Gummi=  und  Harzstoffen,  Holz
und  Rinde,  lösen  kann,  müssen  diese  vorerst  zerstört  werden.  Das  geschieht
durch  das  sogenannte  Rotten  oder  Rösten.  Man  unterscheidet  die  Wasserröste  und
die  Tauröste.  Will  man  die  Wasserröste  anwenden,  so  legt  man  die  Leinpflanzen  in
losen  Bündeln  ins  Wasser  und  läßt  sie  dort  5—10  Tage  liegen.  Ist  das  Wetter
warm,  so  verbreiten  sie  dann  bald  einen  häßlichen  Geruch.  Dieser  kommt  von
der  Fäulnis,  in  die  einige  Pflanzenteile  übergehen.  Sobald  die  holzigen  Teile  zerstört
  und  mürbe  geworden  sind,  breitet  man  den  Flachs  im  Freien  aus,  um  ihn  so
in  der  Sonne  zu  trocknen.  In  Gegenden,  wo  es  an  Wasser  fehlt,  wendet  man  die
Tauröste  an.  Dabei  breitet  man  die  Stengel  in  dünnen  Schichten  auf  Rasen  oder
einem  Stoppelfelde  aus.  In  Zeit  von  4—8  Wochen  gehen  durch  Einwirkungen
von  Tau  und  Regen  die  Holz=  und  Rindenteilchen  ebenfalls  in  Fäulnis  über.
Hierauf  muß  der  Flachs  in  der  Sonne  ordentlich  austrocknen.  Zuweilen  wird  er
auch  in  besondern  Darröfen  gedarrt.  Dann  wird  er  auf  der  Flachsbreche  gebrochen,
wobei  die  spröden  Holz=  und  Rindenteilchen  als  Scheben  oder  Anchen  zur  Erde  fallen.

Das  Schwingen  und  Hecheln  endlich  befreit  die  Stengel  völlig  von  den  hölzernen
  Teilen  und  dem  Gummiharze,  legt  sie  glatt  und  sondert  die  feinern  Fasern
von  den  groben  und  verworrenen.  Die  verworrenen  Fäden  bilden  den  Werg  oder
die  Hede.  Sie  wird  zu  Seilerwaren,  Sack=  und  Packleinwand  verarbeitet.  Die
feinern  Fasern  spinnt  man  zu  Fäden  zusammen.  In  neurer  Zeit  ist  an  die  Stelle
des  Handspinnens  der  Maschinenbetrieb  getreten.  Die  Webmaschine  liefert  endlich