—  203  —

Leinwand,  Köper  (Zwillich  und  Drillich)  und  Damast.  Durch  die  Einwirkung  der
Sonnenstrahlen  bei  der  „Bleiche“  erhält  die  Leinwand  die  schneeige  Weiße.

54.  Schmarotzer.

Wenn  wir  im  Sommer  ein  Flachs-,  Klee=  oder  Luzernenfeld  besuchen,  so  können
wir  nicht  selten  beobachten,  daß  einzelne  der  dort  angebauten  Pflanzen  von  einem
fadenartigen  Gewächse  spiralförmig  umschlungen  sind.  Dieses
Gewächs  ist  entweder  die  Klee=  oder  die  Flachsseide.  Beide  —
sind  sehr  gefährliche  Feinde  der  genannten  Futterkräuter  und  16
des  Flachses.  Im  Volksmunde  führen  sie  auch  den  Namen
„Teufelszwirn“.  Bei  den  Futterkräutern  kommt  nur  de
Kleeseide  vor,  beim  Flachse  auch  die  Flachsseide.  Ihr  Keim
dringt  unten  ein  wenig  in  die  Erde  und  klebt  sich  hier  fest.
Oben  verlängert  er  sich  fadenförmig  und  klammert  sich  an  eine
benachbarte  Pflanze,  z.  B.  an  einen  Leinstengel.  Bald  dringen
an  der  Berührungsstelle  Saugwurzeln  aus  ihm  hervor.  Diese
durchbohren  die  Rinde  des  Leinstengels,  saugen  ihm  die  Nahrung
  aus  und  zerstören  ihn.  Pflanzen,  die  ihre  Nahrung  andern
Pflanzen  (oder  deren  verwesenden  Teilen)  entziehen,  nennt  man
Schmarotzer,.  Zu  ihnen  gehört  auch  die  Mistel,  die  aus  Pappeln  v
und  Obstbäumen  wächst  und  selbstim  Winter,  wenn  ihr  Wirt  kahl  Junge  Mistel.
dasteht,  lustig  weitergrünt.  Auch  Klappertops,  Wachtelweizen  und  Augentrost  (S.  193)
treiben  ein  schmarotzerartiges  Leben.  Ganz  besonders  aber  gehören  hierher  die  Pilze.

55.  Die  Kartofeel.

1.  Geschichtliches.  Vor  300  Jahren  war  die  Kartoffel  noch  ein  Wildling
auf  den  Gebirgen  Perus  und  Chiles.  Ums  Jahr  1596  wurde  sie  von  dort  durch
Franz  Drake  einem  Freunde  in  England  zugesandt.  Bei  einem  Mahle  wollte
dieser  seine  Gäste  mit  dem  neuen  Gerichte  überraschen.  Aber  statt  der  Knollen
hatte  man  die  Beeren  zubereitet,  und  die  schmeckten  ganz  abscheulich.  Schon  glaubte
man,  in  England  gedeihe  das  neue  Gewächs  nicht.  Da  sah  eines  Morgens  der  Gastgeber
  gebratene  Knollen  in  der  Asche  eines  Gartenfeuers  liegen.  Er  nahm  eine  davon
und  zerdrückte  sie.  Ihr  lieblicher  Duft  fiel  ihm  auf.  Vom  Gärtner  erfuhr  er,  daß  sie  an
der  Wurzel  des  fremden  Gewächses  gesessen  hätten.  Bald  darauf  wurden  die  Gäste  wieder
geladen.  Diesmal  erschienen  die  gekochten  Knollen  auf  dem  Tische,  und  sie  schmeckten  allen
ganz  vorzüglich.  —  Wahrscheinlich  ist  aber  die  Kartoffel  schon  früher  (1560)  nach
Europa  gekommen  und  zwar  über  Spanien  nach  Italien.  Hier  erhielt  sie  wegen  ihrer
Ahnlichkeit  mit  den  Trüffeln  den  Namen  „Tartufolo“,  waraus  später  das  Wort
„Kartoffel“  emstanden  ist.  In  Deutschland  fanden  die  Kartoffeln  erst  mehr  und
mehr  Eingang  durch  den  großen  Kurfürsten  und  namentlich  durch  Friedrich  d.  Gr.

2.  Knollen.  Aus  den  unterirdischen  Stengelteilen  entspringen  sowohl  Nebenwurzeln
  als  auch  mit  Niederblättern  versehene  Ausläufer  (unterirdische  Zweige).
Nur  an  diesen  Ausläufern  —  nicht  an  den  Wurzeln  —  sitzen  die  fleischigen  Knollen.
Jede  Knuolle  ist  ein  unterirdischer,  fleischig  verdickter  Stengel,  dessen  Knospen  wir
in  den  „Augen“  wiederfinden.  Pflanzt  man  eine  solche  Knolle,  so  sprossen  aus
den  „Augen“  die  Stengel  hervor.  An  dem  untern  Teile  der  Stengel  bilden  sich
wieder  Ausläufer.  Diese  aber  verdicken  sich  an  ihrem  Ende  sowie  an  den  Enden
ihrer  Aste  zu  Knollen.  Damit  die  Ausläufer  reichlich  Erdreich  erhalten  und  recht
zahlreiche  Zweige  bilden  können,  werden  die  Kartoffeln  „behäufelt“.  Der  Nährwert
  der  Kartoffel  beruht  auf  ihrem  reichen  Vorrate  an  Stärkemehl.  (S.  376.)
Im  Sandboden  werden  die  Knollen  am  mehlhaltigsten.  Sie  verschaffen  aber  dem

-

 