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Blüten  beisammen;  denn  was  wir  zunächst  für  ein  Blütenblatt  halten,  ist  eine
vollständige  Blüte  mit  einem  Stempel  und  5  Staubblättern.  Jedes  Blütchen  hat
oben  die  Gestalt  einer  Zunge  und  ist  unten  wie  eine  Röhre  geformt.  Diese  Röhre
ist  von  einem  Haarkranze  umgeben,  der  die  Stelle  des  Kelches  vertritt.  Später
wächst  der  Fruchtknoten  oben  zu  einem  langen  Stiele  aus  und  hebt  den  Haarkelch
in  die  Höhe.  Diese  Kelche  bilden  in  der  Kindersprache  die  sogenannte  „Laterne",
die  auszupusten  den  Kindern  viel  Vergnügen  macht.  Da  viele  Blüten  bei  einander
stehen,  so  leuchten  sie  mit  ihrer  gelben  Farbe  weithin  und  laden  die  Insekten  zum
Honigmahle.  Diese  stellen  sich  auch  zahlreich  ein.  Unter  ihnen  auch  die  Larven
des  Maiwurms  oder  Olkäfers.  Man  nennt  sie  auch  Bienenläuse.  Sie  warten  hier
nämlich  auf  das  Bienchen.  Kommt  ein  solches,  so  hängen  sie  sich  an  dessen  Haare
und  lassen  sich  so  in  den  Bienenkorb  tragen.  Sobald  dann  die  Biene  eine  Zelle
nebst  Ei  und  Honig  mit  einem  Deckel  verschließen  will,  gleitet  eine  Larve  in  die
Zelle  und  läßt  sich  dort  einschließen.  Nun  zehrt  sie  vom  Honig,  wächst  heran,
verpuppt  sich  und  kommt  endlich  als  Käfer  hervor.

63.  Ausbreitung  des  Samons.

Es  ist  wunderbar,  wie  die  Natur  für  die  Ausbreitung  des  Samens  sorgt.
So  hat  sie  z.  B.  die  einzelnen  Samenkörnchen  des  Löwenzahns  mit  einer  zierlichen
Haarkrone  versehen,  und  jeder  leise  Luftzug  ist  daher  im  stande,  die  Samen  mit
sich  fortzuführen  und  an  einem  entfernten  Orte  einzupflanzen.  Nicht  selten  treibt
sie  der  Wind  auf  hohe  Mauern  und  Türme  hinauf,  und  häufig  beginnen  sie  dort
zu  wachsen.  Die  Früchte  des  Ahorns  und  der  Esche,  die  Samen  der  Kiefer  und
Birke  sind  mit  Flügeln  ausgestattet  und  können  daher  ebenfalls  leicht  vom  Winde
bewegt  werden.  Beim  Zweizahn  und  bei  der  Klette  hängen  sich  die  Samen  mit
ihren  Hälchen  an  die  Kleider  der  Menschen  oder  an  die  Felle  der  Tiere  und  lassen  sich
so  von  Ort  zu  Ort  tragen.  Auch  der  Eichelhäher  trägt  nicht  selten  zur  Ausbreitung
des  Samens  bei,  indem  er  nämlich  im  Herbste  Vorräte  von  Eicheln  in  die  Erde
oft  so  gut  verbirgt,  daß  er  sie  im  Winter  gar  nicht  wieder  aufzufinden  vermag.

64.  Bewegungserscheinungen  bei  den  Pflanzen.

1.  Zu  dem  Wunderbarsten  im  Pflanzenleben  gehören  die  eigentümlichen  Bewegungserscheinungen,
  die  wir  bei  manchen  Pflanzen  wahrnehmen.  So  z.  B  schließt
der  Löwenzahn  jeden  Abend  seine  Blüten,  und  erst  mit  der  aufgehenden  Sonne
öffnet  er  sie  wieder.  Bei  trübem  Wetter  sind  die  Blüten  auch  am  Tage  geschlossen.
Sie  sind  so  vor  zu  starker  Wärmeausstrahlung  und  Pollen  und  Honig  gegen  Regen
geschützt.  Ganz  ähnlich  verhalten  sich  Habichtskraut,  Wiesenbocksbart,  Winde
u.  s.  w.  Nicht  mit  Unrecht  spricht  man  deshalb  von  einem  „Blumenschlafe“.  Bei
vielen  Pflanzen  tritt  er  zu  ganz  bestimmten  Stunden  ein.  Die  Teichrose  öffnet
z.  B.  ihre  Blüten  morgens  um  7  Uhr  und  schließt  sie  nachmittags  um  5  Uhr;
der  Flachs  hat  seine  Blüten  in  der  Regel  nur  von  5  Uhr  bis  gegen  Mittag  geöffnet.
  (Wie  kann  sich  der  Gärtner  eine  Blumenuhr  herstellen?)  Bekannt  ist  ja
auch,  daß  sich  viele  unsrer  Topfpflanzen  im  Zimmer  dem  Lichte  zuwenden  und  ihm
Blätter  und  Blüten  entgegenstrecken.  (Heliotrop  =  Sonnenwende.)

2.  Aber  die  Pflanzenwelt  hat  noch  andre  Bewegungserscheinungen  aufzuweisen.
Berührt  man  z.  B.  den  Blattstiel  der  in  Brasilien  heimischen  Mimose  oder  Sinnpflanze,
  so  klappen  von  der  Blattspitze  aus  die  einzelnen  Fiederblättchen  paarweise
zusammen,  und  dann  senkt  sich  das  ganze  Blatt  nach  unten.  Ganz  ebenso  verhält
sich  diese  Pflanze,  wenn  der  Boden  in  ihrer  Nähe  durch  einen  Reiter,  Wagen  u.  dgl.
erschüttert  wird.  Wahrhaft  in  Erstaunen  versetzt  uns  aber  der  rundblättrige  Sonnentau,
  der  auf  sumpfigen  Plätzen  Norddeutschlands  wächst.  Seine  runden  Blätter  sind