—  211  —
69.  Reif,  Meltau  und  Honigtan.

Bei  den  Pflaumen  haben  wir  den  „Reif“  kennen  gelernt.  (S.  210.)  Im
gewöhnlichen  Leben  wird  dieser  Reif  häufig  mit  dem  „Meltau“  verwechselt,  der
sich  nicht  selten  auf  den  Blättern  der  Bäume  und  Sträucher  unsrer  Gärten  findet.
Der  Meltau  besteht  aber  aus  kleinen  Pilzen.  Sie  sind  unsern  Rosenstöcken  sehr
schädlich,  namentlich  aber  richten  sie  in  den  Weinbergen  große  Verheerungen  an.
Der  Meltau  bildet  nämlich  auf  den  Trauben  einen  schimmeligen  Überzug  und  bewirkt,
daß  die  Trauben  faul  werden.  —  Auf  den  Blättern  unsrer  Obstbäume  finden
wir  oft  einen  weißlichen  Überzug,  der  aus  Häuten  von  Blattläusen  herrührt  und
vom  Volke  ebenfalls  mit  dem  Namen  „Meltau“  bezeichnet  wird.  —  Zuweilen
erglänzen  die  Blätter  unsrer  Obstbäume  —  namentlich  an  heißen  Sommertagen
—  wie  mit  Lack  (Honigtau)  überzogen.  Dieser  Lack  entsteht  teils  durch  Ausschwitzungen
  der  Blätter,  teils  durch  Ausscheidungen  der  Blattläuse.

70.  Kohlstrunk  und  Kohlweißling.

1.  Im  Kohlgarten.  Ei.  Raupe.  Kohlrabi  und  Wirsing  stehen  in  voller
Pracht.  Über  ihnen  schaukeln  sich  zahlreiche  weiße  Schmetterlinge,  hier  und  da  auf
den  Kohl  sich  niederlassend.  Mit  Wohlgefallen  betrachtet  die  Hausfrau  die  üppigen
Kohlpflanzen  und  verläßt  befriedigt  den  Garten.  Da  tritt  sie  eines  Tages  wieder
in  den  Garten.  Aber  welch  ein  Schrecken!  Von  einem  recht  üppig  gewachsenen
Kohlkopfe  starren  ihr  die  kahlen  Rippen  entgegen,  während  die  noch  saftigen  Pflanzenteile
  von  Raupen  förmlich  wimmeln.  Die  weißen  Schmetterlinge,  die  sich  über  den
Kohlpflanzen  schaukelten,  waren  Kohlweißlinge.  Sie  setzten  ihre  Eier  an  die  Kohlblätter
  ab,  damit  die  Raupen  sofort  in  dem  Kraute  ihre  Nahrung  fänden.  Meist
kleben  sie  die  Eier  an  die  Unterseite  der  Blätter,  weil  sie  hier  am  besten  gegen  Vögel
u.  s.  w.  geschützt  sind.  Die  ausgekrochenen  Raupen  sitzen  zuerst  dicht  gedrängt  beisammen.
  Später  trennen  sie  sich.  Bei  der  üppigen  Kost  wachsen  sie  schnell  heran.  Während
  ihrer  Lebenszeit  häuten  sie  sich  4—5  mal.  Warum?  (S.  Eidechse,  S.  2481)

2.  Puppe.  Schmetterling.  Sobald  die  Raupe  ausgewachsen  ist,  verläßt
sie  den  Kohlstrunk  und  kriecht  an  einer  Wand  oder  einem  Baumstamme  in
die  Höhe,  um  sich  zu  verpuppen.  Nach  14  Tagen  oder  —  wenn  die  Puppe  überwintert
  —  im  Frühlinge  des  nächsten  Jahres  platzt  die  harte  Haut  der  Puppe,
und  aus  dem  Sarge  bricht  ein  Schmetterling  mit  vier  weißlichen  Flügeln  hervor.
Die  Vorderflügel  sind  an  den  Vorderspitzen  mit  schwarzen  Ecken  (bei  dem  Weibchen
aber  außerdem  noch  in  der  Mitte  mit  zwei  schwarzen  Flecken)  geziert.  An  der
dreifach  geringelten  Brust  sitzen  6  Beine.  Die  verlängerten  Unterkiefer  sind  zu
einem  schneckenförmig  aufrollbaren  Saugrüssel  ausgebildet.  Mit  ihm  saugt  der

Schmetterling  Honig  aus  den  Blüten.  Nach  wenigen  Tagen  schon  setzt  er  seine
Eier  ab  und  —  stirbt.

71.  Apfelfrucht,  Apfelwickler  und  Brenner.  II.  (6.  174.

1.  Apfelfrucht.  Im  Frühlinge  bemerkten  wir  bereits,  daß  sich  der  Apfel  mit
aus  dem  kugelig  verdickten  Körper,  der  sich  unterhalb  der  Blüte  befand,  dem  Fruchtboden,
  entwickelte.  Aus  ihm  entsteht  das  Fleisch  des  Apfels.  In  seinem  Innern
aber  bildet  sich  aus  den  5  Fruchiknoten  das  fünffächerige  Kerngehäuse,  in  dessen
Höhlungen  die  Samenkerne  wie  in  schützenden  Kämmerchen  liegen.

2.  Apfelwickler.  Die  Apfel,  die  zuerst  reifen,  sehen  zwar  recht  schön  aus,
aber  häufig  sind  sie  „wurmstichig“.  Das  rötlich  weiße  Tierchen  in  dem  Apfel  ist
nun  zwar  kein  Wurm,  sondern  die  Raupe  eines  Schmetterlings,  des  Apfelwicklers.
Dieser  schlüpft  im  Juni  oder  Juli  aus  der  Puppe  und  setzt  bald  darauf  an  un-14°

