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Maul  stets  geöffnet  haben.  Sie  laufen  auch  oft,  den  Schwanz  eingezogen,  meilenweit
taumelnd  fort  und  beißen  alles,  was  ihnen  in  den  Weg  kommt.  Die  sichersten  Kenn—
zeichen  der  Tollwut  sind  jedoch  folgende:  1)  Der  tolle  Hund  ist  traurig,  scheut  das
Licht  und  knurrt  gegen  seinen  Herrn.  2)  Er  verliert  den  Appetit,  kaut  aber  gern
kleine  Stücke  Torf,  Stroh,  Holz,  Lappen,  Erde  u.  s.  w.  3)  Er  bellt  nicht  mehr,
sondern  heult  heiser.  4)  Es  tritt  eine  größere  Beißlust  ein.  —  Wird  jemand
von  einem  tollen  Hunde  gebissen,  so  schicke  man  gleich  zum  Arzte.  Bis  zu  dessen
Ankunft  aber  wasche  man  die  Wunde  mit  lauwarmem  Wasser.

82.  Das  Pferd.

1.  Körperbau.  Das  Pferd  wird  zum  Ziehen  und  Reiten  benutzt.  Dazu  ist  sein
Körper  vorieilhaft  gebaut.  Die  Brust  ist  breit  und  kräftig.  Mit  ihr  zieht  es  den
schweren  Wagen.  Auch  hat  die  Brust  Raum  für  große  Lungen.  Daher  die  Ausdauer
im  Laufen.  Der  Rücken  ist  sanft  gewölbt.  Die  Beine  haben  feste  Schenkel  und  breite
Hufe.  Deshalb  ermüden  sie  nicht  so  leicht.  Nach  dem  Laufe  legt  sich  das  Pferd  nicht
nieder  wie  der  Hund.  Furchtbare  Stärke  besitzt  es  in  den  Hinterbeinen.  Mit  ihnen
schlägt  es  Menschen  und  Tiere  zu  Boden,  wenn  sie  ihm  übel  wollen.  Das  Haar  ist
kurz.  Zum  Winter  verlängert  es  sich,  um  besser  gegen  Kälte  zu  schützen.  Im
Frühlinge  fallen  die  langen  Haare  aus  und  werden  durch  kurze  ersetzt.  Der
Schwanz  trägt  einen  langen  Haarschweif.  Mit  ihm  wehrt  es  sich  Fliegen  und
Bremsen  ab.  Hals  und  Nacken  sind  vor  ihrem  Stiche  durch  eine  Mähne  geschützt.
Das  Gehör  ist  scharf.  Die  Ohren  können  jedem  Geräusch  entgegengewandt  werden.

Das  Bein  giebt  durch  seinen  Bau  leicht  zu  Irrtümern  Veranlassung.  Der  Teil
den  wir  für  den  Oberschenkel  halten,  ist  der  Unterschenkel;  das  vermeintliche  Knie  ist
die  Fußwurzel  (Fußbeuge)  und  der  für  den  Unterschenkel  gehaltene  Teil  der  Mittelfuß.
Der  Oberschenkel  liegt  sowohl  bei  den  Vorder=  wie  bei  den  Hinterbeinen  im  Rumpfe  des
Tieres,  ist  also  äußerlich  gar  nicht  sichtbar.  An  den  langen  Mittelfuß  schließt  sich  eine
dreigliedrige  Zehe,  deren  Endglied  von  einem  Hornschuh  (Huf)  umgeben  ist.  2  Zehen  sind
verkümmert  (die  „Kastanien“).  Sie  liegen  unter  der  Haut  verborgen.  —  Das  Alter  eines
Pferdes  erkennt  man  an  den  Schneidezähnen.  Zwischen  dem  vierten  und  fünften  Jahre
werden  nämlich  die  Milchzähne,  die  bis  dahin  ausgefallen  sind,  durch  die  „Pferdezähne"
ersetzt.  Diese  zeigen  auf  ihren  Schneiden  schwarzbraune  Grübchen  („Kunden“  oder  „Bohnen“,),
die  nach  bestimmten  Jahren  in  einer  feststehenden  Reihenfolge  wieder  verschwinden.

2.  Begabung.  Das  Pferd  besitzt  ein  gutes  Gedächtnis.  Es  erkennt  den  Weg,
den  es  einmal  gemacht  hat,  genau  wieder.  Am  bekannten  Kreuzwege  ist  es  nicht
im  Zweifel,  welchen  Weg  es  zu  nehmen  hat,  und  w  dersetzt  sich  dem  irrenden  Führer.
Auch  den  Gasthof,  wo  es  einmal  eingekehrt  ist,  erkennt  es  wieder.  Hartnäckig  hält
es  vor  ihm  still,  wenn  der  Kutscher  vorüberfahren  will.  An  2—4  Stunden  Schlaf
hat  es  genug;  meist  schläft  es  stehend.  Das  Soldatenpferd  liebt  den  Trompetenton
und  scharrt  beim  Klange  der  Trompete  freudig  mit  den  Vorderfüßen.  Es  kennt
wie  der  Reiter  genau  die  verschiedenen  Signale.  Einem  Landmanne  lief  einst  ein
ausgedientes  Soldatenpferd  bei  einem  Manöver  vom  Acker  weg,  um  sich  in  Reih  und
Glied  zu  stellen.  Mitten  im  Schlachtgetümmel  hält  es  standhaft  unter  Pulverdampf  und
Kanonendonner  aus  und  achtet  der  erhaltenen  Wunden  nicht.  An  der  Leiche  des
gefallenen  Reiters  senkt  es  schmerzerfüllt  den  Kopf  und  trauert  über  den  Tod  seines  Herrn.
Im  Circus  erregt  das  Pferd  durch  seine  Gelehrigkeit  Bewunderung  und  Erstaunen.

3.  Rassen.  Die  schönste  Pferderasse  ist  die  arabische.  Feuer,  Leichtigkeit,
Schnelligkeit  und  Ausdauer  zeichnen  sie  aus.  Die  besten  Araberpferde  werden  von
den  Beduinen  gezüchtet.  Ein  edles  Mutterpferd  wird  oft  mit  40  000  J%  bezahlt.
Bewunderswert  ist  die  Liebe  des  Arabers  zu  seinem  Pferde.  „Sage  mir  nicht,
daß  es  mein  Pferd  ist,  sage  mir,  daß  es  mein  Sohn  ist,“  ruft  er  dir  zu  und
küßt  sein  edles  Tier.  Nächst  der  arabischen  Rasse  ist  das  Pferd  der  Berberei  das
schönste.  Von  sehr  kräftigem  Körperbau  find  die  mecklenburgischen,  holsteinischen