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er  Herr  und  Gebieter.  Ruft  er  die  Hühner,  so  folgen  sie  ihm.  Dann  schreitet  er
vor  ihnen  her  und  führt  sie  in  den  Garten  u.  s.  w.,  um  mit  ihnen  Körner  und  Insekten
  zu  suchen.  Läßt  sich  ein  fremder  Hahn  auf  dem  Hofe  sehen,  so  stürzt  er  sofort
auf  ihn  zu,  und  es  entsteht  ein  heißer  Kampf.  Im  Nu  haben  beide  die  Federkragen
gleich  einem  Schilde  erhoben,  und  nun  suchen  sie  sich  gegenseitig  niederzustoßen.  Bald
triefen  beide  Kämpfer  von  Blut,  und  meist  verläßt  der  fremde  Hahn  ermattet  das
Schlachtfeld.  —  In  England  veranstaltet  man  öffentliche  Hahnenkämpfe.  Die  Hähne
werden  dazu  besonders  abgerichtet  und  mit  eisernen  Sporen  bewaffuct.

2.  Die  Heune  ist  nicht  so  hübsch  wie  der  Hahn,  auch  nicht  so  stolz,  und
doch  hätte  sie  wohl  Ursache  dazu;  denn  ihre  Eier  sind  ebenso  wohlschmeckend  wie
nahrhaft.  Im  Februar  oder  März  beginnt  sie,  Eier  zu  legen,  jeden  Tag  eins,
und  sind  es  etwa  15,  so  fängt  sie  an  zu  brüten.  Dazu  läßt  man  es  jedoch  sobald
  nicht  kommen;  man  nimmt  ihr  vielmehr  die  Eier  fort,  und  so  legt  sie  wohl
100—150  Eier  in  einem  Jahre.  Zum  Bebrüten  der  Eier  gebraucht  sie  3  Wochen.
Am  21.  Tage  kriechen  die  gelben  Küchlein
aus.  Bald  führt  die  Henne  sie  spazieren  und
zeigt  ihnen,  wie  man  Füße  und  Schnabel  gebrauchen
  muß.  Naht  ein  Habicht,  so  verteidigt
sie  ihre  Küchlein  mit  Gefahr  des  eignen  Lebens.
Zuweilen  legt  man  der  Henne  Enteneier  zumn  73
Bebrüten  unter.  Wahrhaft  rührend  ist  dauan  B  —
ihre  Angst,  wenn  die  Jungen  in  den  Teich  ————
gehen.  So  brachte  einst  in  einer  Mühle  eine  —  —
Henne  Enteneier  aus.  Die  jungen  Enten  folgten
ihr  überall  hin.  Als  sie  aber  an  den  Mühlteich
kamen,  patschten  sie  ins  Wasser  und  fingen  an
zu  schwimmen.  Darüber  war  die  Henne  ganz  bestürzt  und  lief  unruhig  am  Ufer
hin  und  her.  Das  sah  eine  alte  Gans,  die  auch  auf  dem  Teiche  war.  Sie
schwamm  ans  Ufer,  nahm  die  Henne  auf  ihren  Rücken  und  begleitete  so  mit  ihr
die  jungen  Enten  auf  dem  Teiche.

3.  Das  Vogelei  besteht  aus  einer  kalkartigen,  harten  Schale,  dem  Eiweiß
und  dem  Dotter.  Eine  feine  Haut  unter  der  Schale  umschließt  das  Eiweiß.  Am
stumpfen  Ende  des  Eies  aber  tritt  diese  Haut  etwas  zurück,  und  so  entsteht  hier
ein  Raum,  der  nur  mit  Luft  angefüllt  ist.  Durch  Bebrütung  entwickelt  sich  aus
dem  Ei  der  junge  Vogel.  Um  die  Körperwärme  besser  auf  die  Eier  übertragen  zu
können,  rupfen  sich  manche  Vögel  die  Federn  aus  der  Brust  und  erhalten  dadurch
die  „Brutflecke“.  Die  Gänse  brüten  28,  die  Hühner  21  und  die  meisten  kleinern
Vögel  nur  14—17  Tage.  Als  Nahrung  dient  dem  Vogel  im  Ei  das  Eiweiß
und  ein  Teil  des  Dotters.  Da  die  Eischale  porös  ist,  so  ergänzt  sich  der  beim
Atmen  verbrauchte  Sauerstoff  leicht  wieder.  Auf  dem  Oberschnabel  hat  der  junge
Vogel  einen  kleinen  Kalkzahn.  Mit  diesem  ritzt  er  die  Eischale.  Dann  zerbricht
er  sie  und  kriecht  hervor.  Der  Kalkzahn  fällt  später  wieder  ab.

38.  Die  Schleiereule.

1.  Warum  sie  so  unheimlich  aussieht.  Die  Schleiereule  hat  für  viele  Menschen
  etwas  Abschreckendes.  Der  dicke  Kopf  sieht  fast  wie  ein  Katzenkopf  aus.  Die
großen  Augen  sind  in  den  Augenhöhlen  festgewachsen  und  deshalb  unbeweglich.
Daher  hat  die  Eule  einen  sehr  starren  Blick.  Auch  ist  sie  gezwungen,  jedesmal,
wenn  sie  nach  einer  andern  Richtung  sehen  will,  in  höchst  auffälliger  Weise  den
ganzen  Kopf  zu  drehen.  Das  Gesicht  trägt  einen  herzförmigen  Federkranz,  den

„Schleier“.  Diesen  kann  die  Eule  bewegen  und  so  gleichsam  „Grimassen  schneiden“.
Realtenbuch.  B.  15

 