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90.  Der  Seidenspinner.

1.  Züchtung.  Die  ursprüngliche  Heimat  der  Seidenraupe  ist  China.  Die
Ausführung  war  hier  streng  verboten.  Im  Jahre  555  aber  brachten,  wie  die
Sage  erzählt,  2  Mönche  Eier  von  Seidenraupen  in  hohlen  Stäben  heimlich  nach
Konstantinopel.  Von  dort  aus  verbreitete  sich  der  Seidenbau  nach  Italien,  Spanien,
Frankreich  und  Deutschland.  In  südlichen  Ländern  züchtet  man  die  Seidenraupe  im
Freien,  bei  uns  nur  im  Zimmer,  da  es  ihr  im  Freien  zu  kalt  ist.  Im  Juli  legt  der
Schmetterling  etwa  250—500  Eier,  die  die  Größe  eines  Stecknadelknopfes  haben.
Sie  werden  während  des  Winters  in  trocknen,  luftigen  Kellern  aufbewahrt,  damit  die
Raupen  nicht  vor  der  Zeit  auskommen.  Im  Frühlinge  aber,  sobald  das  Laub
des  Maulbeerbaums  da  ist,  bringt  man  sie  in  eine  warme  Stube.  Nach  8  bis
12  Tagen  kriechen  die  schwärzlichen  Raupen  aus,  und  man  legt  ihnen  dann  auf
„Hürden“  (Gestellen  aus  Latten)  Blätter  des  Maulbeerbaums  vor.

2.  Cocon.  In  Zwischenräumen  von  6—7  Tagen  häuten  sich  die  Raupen
viermal.  (S.  250.)  Etwa  9—10  Tage  nach  der  letzten  Häutung  fangen  sie  an,  sich
einzuspinnen.  Zu  diesem  Zwecke  hat  ihnen  der  Züchter  Zweige,  Hobelspäne  oder  Rapsstroh
  auf  den  Hürden  ausgebreitet.  An  der  Unterlippe  der  Raupe  sitzen  2  Drüsen,
aus  denen  je  ein  Faden  hervorquillt.  Nach  etwa  4  Tagen  ist  das  Gespinst,  der
Cocon,  fertig.  Er  hat  ziemlich  die  Größe  einer  Walnuß  und  sieht  gelblich  aus.
Nach  etwa  15—21  Tagen  würde  aus  dem  Cocon  ein  Schmetterling  kriechen  und

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Der  Seidenspinner.,  a.  Raupe,  b.  Cocon.  c.  Puppe.  d.  Schmetterling

das  Gespinst  zerreißen.  Aber  ehe  das  geschieht,  tötet  man  die  Puppe  im  Cocon
durch  heiße  Wasserdämpfe.  Darauf  legt  man  die  Cocons  in  heißes  Wasser,  damit
der  Leim,  der  die  einzelnen  Fadenwindungen  verbindet,  erweicht  und  die  äußere,
lockere  Seide  (Flockseide)  losgelöst  werde.  Dann  haspelt  man  den  Faden  ab.  Er
ist  eiwa  250—900  m  lang.  Die  einzelnen  Fäden  sind  außerordentlich  fein,  weshalb
  man  gleich  die  Fäden  von  3—30  Cocons  zusammenlegt.  Die  abgehaspelte.
Seide  heißt  Rohseide.  Sie  wird,  damit  sie  von  dem  ihr  noch  anhaftenden  Klebstoffe
  befreit  werde,  gekocht,  dann  gefärbt  und  zu  Zeugen  verwebt.  Zu  einem
seidenen  Kleide  sind  etwa  12—15000  Cocons  erforderlich.

9I.  Schlußbetrachtung.

1.  Katze,  Hund,  Pferd,  Rind,  Schaf,  Huhn  und  Taube  sind  die  treuen  Diener
des  Menschen  geworden.  Sie  nützen  ihm  teils  durch  ihre  Kraft,  teils  durch  ihr
Fleisch,  teils  durch  ihre  Wolle,  Milch  u.  s.  w.  Dafür  aber  hat  der  Mensch  als
ihr  Herr  die  Verpflichtung  übernommen,  sie  zu  pflegen,  sie  freundlich  und  liebevoll