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dem  Hunde  oder  Fuchse  zu  entwischen.  Geht  es  aber  dabei  im  schnellen  Laufe
bergab,  dann  kommt  es  (infolge  der  langen  Hinterbeine)  nicht  selten  vor,  daß  sich
der  Hase  überschlägt  und  einen  Purzelbaum  macht.  Will  der  Hase  sich  langsam
fortbewegen,  so  „hüpft“  er  gewöhnlich,  doch  „geht“  er  auch  zuweilen.  Das  sieht
aber  nicht  schön  aus,  weil  dabei  der  Körper  hinten  viel  höher  als  vorn  ist.  Von
großem  Nutzen  für  den  Hasen  ist  auch  die  graugelbe  Farbe  seines  Pelzes.  Sie
ähnelt  der  Umgebung  seines  Lagers  so  sehr,  daß  er  oft  von  seinen  Feinden  gar  nicht
bemerkt  wird.  Man  nennt  eine  solche  Farbe  Schutzfarbe.  Auf  seine  Augen  kann
sich  der  Hase  nicht  allzusehr  verlassen.  Sie  stehen  so  weit  zur  Seite,  daß  er  nach  vorn
nicht  gut  sehen  kann.  Daher  kommt  es  wohl  vor,  daß  der  Hase  einen  gerade  vor
ihm  stehenden  Menschen  lange  Zeit  gar  nicht  bemerkt  und  zuweilen  spornstreichs  auf
den  Jäger  loseilt.  Dazu  kommt  noch,  daß  die  Augen  durch  die  kurzen  Lider  nicht  voll—
ständig  geschlossen  werden  können,  so  daß  der  Hase  „mit  halboffenen  Augen“  schlafen
muß,  wodurch  ihre  Sehkraft  leicht  geschwächt  wird.  Was  aber  dem  Gesicht  des
Hasen  an  Schärfe  fehlt,  das  ersetzt  ihm  sein  ungemein  feines  Gehör.  Denn  die
langen  „Löffel“  fangen  jedes  Geräusch  auf  und  waruen  so  den  Hasen  selbst  im
Schlafe  vor  der  nahenden  Gefahr.

2.  Schlauheit.  Den  Tag  bringt  Lampe  gewöhnlich  schlummernd  in  seinem
Lager  zu.  Das  ist  eine  5—8  em  tiefe  Mulde  in  der  Erde.  Kommt  jemand  in  die
Nähe  des  Lagers,  so  springt  er  nicht  sogleich  auf,  sondern  thut,  als  würde  er  nicht
gesehen,  was  auch  oft  genug  seiner  erdgrauen  Farbe  wegen  wirklich  der  Fall
ist.  Wird  er  jedoch  plötzlich  aufgeschreckt,  so  sucht  er  in  allerlei  Winkeln  und  Haken
wieder  in  die  Nähe  seines  Lagers  zu  kommen.  Ist  die  Gefahr  nicht  allzugroß,
so  setzt  er  sich  auf  seiner  Flucht  wiederholt  auf  die  Hinterbeine  (macht  „Männchen“)
und  lauscht  mit  den  langen  „Löffeln“.  Den  schnellfüßigen  Hunden  und  Füchsen
weiß  er  oft  dadurch  ein  „Schnippchen“  zu  schlagen,  daß  er  plötzlich  im  rechten
oder  spitzen  Winkel  abbiegt  („Haken  schlägt“),  den  Verfolger  vorbeischießen  läßt
und  so  einen  bedeutenden  Vorsprung  gewinnt.

3.  Nahrung.  Erst  in  der  Dämmerstunde  verläßt  der  vorsichtige  Hase  sein
Lager,  um  seiner  Nahrung  nachzugehen.  Diese  besteht  im  Frühlinge  und  Sommer
namentlich  aus  aufkeimendem  Grase  und  Getreide  sowie  aus  Kohl  und  Rübenarten,
im  Herbste  und  Winter  aber  aus  Winterkorn,  Raps  u.  s.  w.  Wenn  der  Schnee
die  Felder  bedeckt,  kommt  Lampe  gern  in  die  Kohlgärten  einsam  stehender  Häuser
und  thut  sich  hier  gütlich.  In  der  Not  aber  stillt  er  seinen  Hunger  auch  mit  der
Rinde  junger  Waldbäume,  wodurch  er  oft  nicht  unbedeutenden  Schaden  anrichtet.
Zum  Abnagen  der  Rinde  u.  s.  w.  hat  er  sehr  scharfe,  meißelförmige  Nagezähne,
4  im  Oberkiefer  (2  große  und  dahinter  2  kleine  Stützzähne)  und  2  im  Unterkiefer.
Diese  Zähne  nutzen  sich  an  der  Schneide  durch  das  Nagen  bedeutend  ab,  wachsen
aber  von  der  Wurzel  aus  beständig  nach.  Fällt  ein  Nagezahn  aus,  so  wird  der
gegenüberstehende  nicht  mehr  abgenutzt  und  daher  oft  in  dem  Maße  verlängert,  daß  das
Maul  nicht  mehr  geschlossen  werden  kann.  In  der  Regel  muß  dann  der  Hase  sterben.
Die  gespaltene  Oberlippe  (Hasenscharte)  erleichtert  ihm  das  Nagen.

4.  In  der  Kinderstube.  Hinterm  Busche  oder  Dornstrauche  ist  die  Wiege  der
jungen  Häslein.  Dort  hüpfen  sie  auch  bald  gar  drollig  umher.  Jede  Häsin  bekommt
jährlich  (März  bis  August)  regelmäßig  viermal  Junge,  im  ganzen  8—  10.  Sie  verweilt
höchstens  eine  Woche  bei  den  Kleinen;  dann  bleiben  diese  sich  mehr  selost  überlassen.
Nur  von  Zeit  zu  Zeit  kommt  sie  zu  den  Jungen  zurück,  lockt  sie  durch  ein  eigentümliches
  Geklapper  mit  den  Löffeln,  die  sie  dabei  zusammenschlägt,  und  säugt  sie.
In  der  Gefahr  läßt  sie  die  Jungen  bald  im  Stiche.  Doch  hat  man  auch  gesehen,
daß  sie  sie  gegen  Raubvögel  und  Raben  verteidigte.  Der  Hasenvater  ist  sehr  streng;
er  giebt  den  Jungen  öfter  Maulschellen.