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95.  Der  Hamster.

1.  Wohnung.  Der  Hanmster  legt  seine  Wohnung  mitten  im  Getreidefelde
an;  denn  Getreide  ist  seine  Lieblingsspeise.  Zum  Graben  seines  Baues  hat  er
kurze,  aber  kräftige  Füße,  die  mit  starken  Krallen  versehen  sind.  Will  er  sich
einen  Bau  anlegen,  so  gräbt  er  sich  zunächst  eine  3—4  m  lange,  schräge  Röhre,
die  er  später  als  Ausgangsröhre  benutzt.  Hierauf  schreitet  er  zum  Aushöhlen
mehrerer  Kammern.  Nur  eine  davon  wird  als  Wohnraum  benutzt,  die  andern
dienen  als  Vorratskammern.  Sodann  legt  er  noch  1—8  senkrechte  Röhren  an,
die  sogenannten  Falllöcher,  die  er  in  der  Regel  nur  —  namentlich  auf  der  Flucht
—  als  Eingang  benutzt.  Am  häufigsten  findet  man  den  Hamster  in  Thüringen
und  Sachsen.  Sandgegenden  meidet  er,  da  ihm  dort  seine  Röhren  zu  leicht  einfallen
  und  auch  zu  wenig  Getreide  dort  wächst.

2.  Anssehen.  Der  Körper  ist  plump,  die  Ohren  sind  nackt,  der  Schwanz
ist  kurz.  Merkwürdig  ist  die  Farbenverteilung.  Während  die  meisten  Säugetiere
oben  dunkler,  unten  heller  gefärbt  sind  (Eichhörnchen  u.  a.),  ist  die  Farbe  des
Hamsters  umgekehrt,  oben  heller,  unten  dunkler;  am  Rücken  ist  das  Fell  braungelb,
an  den  Seiten  weißlich  gefleckt,  am  Bauche  und  an  den  Oberschenkeln  schwarz.
Diese  umgekehrte  Farbenverteilung  findet  sich  unter  unsern  einheimischen  Säugetieren
  außer  beim  Hamster  nur  noch  beim  Dachse  und  Iltis.

3.  Wintervorrat  und  Winterschlaf.  Wenn  das  Getreide  reift,  sammelt
der  Hamster  seinen  Wintervorrat  ein.  Geschickt  biegt  er  dabei  mit  den  Vorderpfoten
  die  Ahren  nieder  und  beißt  sie  mit  seinen  Nagezähnen  ab.  Dann  dreht
er  sie  mit  den  Pfoten  ein  paarmal  hin  und  her  und  steckt  die  Körner  in  seine
Backentaschen.  Diese  liegen  inwendig  an  beiden  Seiten  der  Backen  und  sind  so
groß,  daß  eine  Hand  voll  Korn  hineingeht.  Wenn  der  Hanster  sie  gefüllt  hat,
begiebt  er  sich  in  seine  Vorratskammer  und  entledigt  sich  hier  der  Körner,  indem
er  die  Backen  mit  den  Vorderpfoten  von  hinten  nach  vorn  streicht.  Zuweilen  hat
man  schon  mehr  als  20  kg  Getreide  in  einem  Hamsterbau  aufgefunden.  In
Jahren,  wo  die  Hamster  sehr  zahlreich  sind,  verwüsten  sie  oft  ganze  Getreidefelder.
Sobald  es  kalt  wird,  verstopft  der  Hamster  die  Eingänge  zu  seiner  Höhle  mit
Stroh.  Dann  zehrt  er  bis  zum  Dezember  von  seinem  Vorrate,  wobei  er  nicht
selten  ganz  fett  wird.  Bei  großer  Kälte  fällt  er  in  einen  Winterschlaf,  der  jedoch
bei  mildem  Wetter  unterbrochen  wird.  Während  dieses  Schlafes  kann  man  ihn  drehen
und  wenden,  wie  man  will,  ja,  sogar  verwunden,  ohne  daß  er  ein  Zeichen  des
Schmerzes  von  sich  giebt.  Im  März  erwacht  er  wieder  und  verläßt  den  Bau.
Bis  zur  Erntezeit  nährt  er  sich  dann  von  Insekten,  Mäusen,  Wurzeln  und  Kräutern.

4.  Zorn  und  Zanksucht.  Der  Hamster  ist  zornig  und  zanksüchtig  wie  keum
ein  andres  Tier.  Bei  der  geringsten  Ursache  setzt  er  sich  zur  Wehr  und  knurrt,
knirscht  auch  mit  den  Zähnen.  Über  Hunde  fällt  er  mit  großer  Wut  her.  Mit
seinen  scharfen  Nagezähnen  richtet  er  sie  oft  so  zu,  daß  sie  heulend  davonlaufen.
Begegnet  man  ihm,  wenn  er  seine  Backentaschen  gefüllt  hat,  so  kann  man  ihn
ohne  Furcht  anfassen,  da  er  dann  nicht  beißen  kann.  Läßt  man  ihm  jedoch  etwas
Zeit,  so  streicht  er  die  Körner  schnell  heraus,  setzt  sich  auf  die  Hinterbeine  und
springt  fauchend  und  beißend  nach  Gesicht  und  Händen.  Hat  er  sich  einmal  festgebissen,
  so  läßt  er  sich  lieber  totschlagen,  als  daß  er  davorliefe.

96.  Nebelkrähe,  Rabenkrähe  und  Saatkrähe.

1.  Heimat  und  Name.  Wenn  im  Winter  in  Feld  und  Wald  alles  zugeschneit  ist.
dann  stellt  sich  auf  unsern  Höfen  ein  Vogel  als  Bettler  ein  und  sieht  zu,  ob  dort  nicht
einige  Knochen  mit  Fleischüberresten,  Kartoffeln,  Brotstückchen  u.  dgl.  liegen.  Es  ist