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2.  Bewegung.  Anmutig  wie  die  Gestalt  sind  auch  die  Bewegungen  des
Hirsches.  Wie  edel  erscheint  seine  Haltung,  wenn  er  den  Kopf  mit  dem  stattlichen
Geweih  stolz  in  die  Höhe  reckt!  Wie  vornehm  ist  sein  Gang!  Da  er  viel  verfolgt
  wird,  so  ist  er  zwar  leicht  zur  Flucht  geneigt.  Aber  selbst  auf  der  Flucht
erscheint  seine  Haltung  edel,  wenn  er  mit  Blitzesschnelle  davoneilt  und  über  3  m
hohe  Zäune  hinwegsetzt.  Muß  er  durch  das  Dickicht  des  Waldes,  so  kriecht  er
nicht  gebückt,  sondern  legt  das  Geweih  in  den  Nacken,  damit  es  ihm  nicht  hinderlich
  ist.  Seiner  edeln  Gestalt  wegen  wurde  er  früher  nicht  selten  vor  den  Wagen
gespannt.  So  fuhr  z.  B.  König  August  von  Polen  häufig  mit  8  Hirschen  aus.

3.  Kleid.  Das  Fell  sieht  bräunlich  aus.  Die  Farbe  hat  Ahrnlichkeit  mit  der
Farbe  der  Tannenrinde.  Sie  dient  daher  dem  Hirsche  als  Schutzfarbe  und  entzieht
  ihn  leicht  dem  Blicke  seines  Verfolgers.  Im  Sommer  ist  das  Fell  rotbraun
gefärbt,  im  Herbste  werden  die  Haare  etwas  grau  und  länger.  Bei  den  alten
Männchen  sind  die  Haare  am  Halse  mähnenartig  verlängert.  Die  Kälber  zeigen  in
den  ersten  Monaten  weiße  Flecke.  Hier  und  da  findet  man  auch  ganz  weiße  Hirsche.

4.  Geweih.  Die  größte  Zierde  des  Hirsches  ist  das  stattliche  Geweih.  Nur
die  männlichen  Hirsche  haben  ein  Geweih.  Es  wird  von  einem  kurzen  Knochenzapfen,
  dem  „Rosenstock“,  getragen,  alljährlich  aber  im  Frühlinge  abgeworfen  und
dann  binnen  4  Monaten  durch  ein  neues  ersetzt.  Das  erste  Geweih  erhält  das
Hirschkalb  nach  7  Monaten.  Es  besteht  aus  zwei  einfachen,  kurzen  Stangen  oder
Spießen,  weshalb  der  einjährige  Hirsch  „Spießer“  genannt  wird.  Im  zweiten
Jahre  werden  die  neuen  Spieße  bedeutend  länger.  An  ihrem  untern  Teile  bildet
sich  dann  eine  nach  vorn  gerichtete  Sprosse,  so  daß  das  Geweih  gabelförmig  erscheint.
  Der  Hirsch  heißt  nun  „Gabler“.  In  dieser  Weise  bildet  das  ganze
Geweih  in  jedem  Jahre  zwei  neue  Zacken  mehr.  Im  dritten  Jahre  heißt  der
Hirsch  Sechsender,  im  vierten  Achtender  u.  s.  w.  Bei  alten  Hirschen  geht  die
Bildung  der  Zacken  nicht  mehr  regelmäßig  vor  sich.

5.  Aufenthalt  und  Nahrung.  Die  Hirsche  lieben  mehr  gebirgige  als  ebene
Gegenden,  vor  allem  aber  zusammenhängende  Laubwälder.  Sie  leben  in  Rudeln;
nur  die  alten,  mürrischen  Männchen  (Kapitalhirsche)  gehen  meistens  ihre  eignen
Wege.  Gewöhnlich  ziehen  die  Hirsche  abends  von  ihrem  Standorte  auf  die  Asung.
Ihre  Nahrung  ist  verschieden.  Sie  besteht  aus  Gras,  grüner  Saat,  Eicheln,  Kartoffeln,
  Baumsprossen,  Pilzen  und  in  der  Nor  aus  Baumrinde.  Auch  werden  die
Hirsche  im  Winter  in  einigen  Gegenden  (z.  B.  im  Harz,  bei  Dessau  u.  s.  w.)  auf
eigens  dazu  erbauten  Futterplätzen  mit  Eicheln,  Kastanien  u.  s.  w.  gefüttert.

104.  Das  Wildschwein.

1.  Aufenthalt  und  Körperbau.  Die  Wildschweine  bewohnen  die  großen
Wälder  Europas.  Hier  leben  sie  gewöhnlich  in  Rudeln  von  20—40  Stück.  Der
Hals  ist  kurz,  so  daß  der  Körper  plump  und  ungelenk  erscheint.  Die  Beine  haben  je
2  Paar  Hufe.  Sie  sind  ebenfalls  kurz,  aber  stark.  Mit  ihnen  wissen  die  Tiere  erstaunlich
  schnell  und  behende  durch  das  Waldesdickicht  hindurchzuschlüpfen.  Im
stärksten  Dickichte  wühlt  sich  jedes  Rudel  eine  muldenartige  Vertiefung,  den  „Kessel“.
Zum  Wühlen  dient  die  rüsselartig  verlängerte  Schnauze,  an  der  sich  vorn  eine
knorpelige  Wühlscheibe  befindet.  Der  Kessel  wird  mit  Reisig,  Moos  und  Laub  gepolstert.
  .  In  ihm  hält  sich  das  Rudel  fast  den  ganzen  Tag  auf.  An  heißen  Tagen
wälzen  sie  sich  gern  im  Sumpfe  (sie  „suhlen"  sich),  da  sie  dann  wegen  der  dicken,  mit
Borsten  besetzten  „Schwarte"  und  der  darunter  liegenden  Fettschicht  der  Abkühlung
bedürfen.  Im  Winter  schützen  Borsten,  Schwarte  und  Fettschicht  vor  Kälte.  Wegen
der  schwarzbraunen  Färbung  bezeichnet  man  die  Wildschweine  als  „Schwarzwild“.

2.  Nahrung.  Gewöhnlich  gehen  die  Wildschweine,  um  nicht  gestört  zu
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