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die  Falle  zu  locken  sucht.  Vorsichtig  umschleicht  der  Fuchs  die  Falle,  streckt  den
Vorderfuß  behutsam  aus,  zieht  ihn  zurück  und  —  läßt  den  Bissen  einstweilen
unangetastet.  Endlich  aber  wird  der  Appetit  zu  groß.  Hastig  schnappt  er  zu
und  —  ist  gefangen.  Es  ist  aber  schon  vorgekommen,  daß  er  sich  den  Fuß,  mit
dem  er  in  die  Falle  geraten  war,  abgebissen  hat  und  auf  3  Beinen  fortgehinkt  ist.

106.  Der  Wolf.

1.  Aussehen  und  Aufenthalt.  Der  Wolf  hat  etwa  die  Gestalt  und  Größe
eines  Schäferhundes.  Seine  Farbe  ist  fahlgrau  mit  gelber  oder  schwarzer  Mischung.
Den  buschigen,  bis  auf  die  Fersen  reichenden  Schwanz  läßt  er  herabhängen.  Im
vorigen  Jahrhundert  noch  war  der  Wolf  das  gefürchtetste  Raubtier  unsrer  Wälder.
Jetzt  aber  ist  er  aus  Deutschland  so  gut  wie  verschwunden,  und  nur  in  Lothringen
erscheint  er  noch  im  Winter  vom  Ardennenwalde  her.  Dagegen  findet  er  sich  in
Spanien,  in  Ungarn,  Rußland  und  Sibirien  noch  sehr  häufig.  Am  liebsten  bewohnt
  der  Wolf  kleine  Wälder  mit  dichten  Beständen,  wo  er  im  Verborgenen  jagen
kann.  Wo  ihm  die  Wälder  fehlen,  wie  zum  Teil  im  Osten  Europas,  da  verbirgt
er  sich  im  dichten  Rohr  und  Schilf,  und  wo  er  auch  dies  nicht  haben  kann,  wie
in  den  Steppen  Sibiriens,  da  gräbt  er  sich  eine  tiefe  Höhle  zum  sichern  Versteck.

2.  Befähigung  zum  Räuber.  Der  Wolf  ist  zu  seinem  Räuberhandwerke
mit  furchtbaren  Waffen  ausgerüstet.  Der  Rachen  ist  so  tief  gespalten,  daß  er  den
Hals  selbst  größerer  Tiere  wie  der  Pferde  und  Rinder  weit  umspannen  und  ihnen
mit  dem  scharfen  Gebisse  die  Gurgel  abreißen  kann.  Die  langen  Beine  befähigen
ihn,  das  fliehende  Reh  leicht  einzuholen,  und  die  starke  Brust  verleiht  ihm  eine
solche  Ausdauer  im  Laufen,  daß  er  in  mancher  Nacht  eine  Strecke  von  70—100  km
zu  durcheilen  vermaß.  Mit  der  Schnelligkeit  vereinigt  er  eine  staunenswerte  Kraft.
Zuweilen  läuft  er  mit  einem  geraubten  Hammel  im  Rachen  so  schnell  davon,
daß  ihn  kein  Mensch  einholen  kann.  Dazu  kommt  die  Schärfe  seiner  Sinne.
Mit  dem  stets  aufgerichteten  Ohre  gewahrt  er  den  leise  schleichenden  Fuchs  und
das  trippelnde  Mäuslein.  Das  schiefstehende,  leuchtende  Auge  erblickt  von  weitem
den  niedergeduckten  Hasen,  und  die  feine  Nase  wittert  die  frische  Spur  der  Hirschkuh.
  Auch  an  Klugheit  fehlt  es  ihm  nicht.  Findet  er  den  Schafstall  verschlossen,
so  gräbt  er  sich  unter  der  Thürschwelle  mit  seinen  zwar  stumpfen,  aber  kräftigen
Krallen  ein  Loch,  zwängt  den  Körper  geschickt  hindurch  und  reißt  dann  zuweilen
aus  reiner  Mordlust  30—50  Schafe  nieder.

3.  Kampf  mit  den  Pferden.  Den  Pferden  auf  der  Weide  naht  er  sich
stets  gegen  den  Wind,  damit  sie  ihn  nicht  wittern.  Hinterm  Busche  oder  im
hohen  Schilfe  lauert  er,  bis  sich  ein  Füllen  von  der  Herde  verirrt  hat.  Dann
schleicht  er  leise  heran,  und,  um  es  nicht  zu  verjagen  oder  die  nahe  Herde  zu
beunruhigen,  versucht  er,  mit  dem  Füllen  im  Grase  zu  spielen  und  es  weiter  von
der  Mutter  weg  zu  locken.  Naht  sich  die  Mutter,  so  „legt  er  wie  ein  Hund
die  Schnauze  auf  die  Vorderfüße,  macht  die  freundlichsten  Augen  von  der  Welt
und  wedelt  mit  dem  Schwanze"“.  Verhält  sich  die  Stute  ruhig,  so  springt  er
ihr  blitzartig  an  den  Hals,  reißt  ihr  die  Gurgel  ab  und  läuft  mit  dem  Füllen
davon.  Einzeln  wagt  er  sich  nie  in  die  Pferdeherde  hinein.  Sind  aber  die
Wölfe  in  größerer  Zahl  beisammen,  so  fallen  sie  frech  über  die  Pferde  her.  Doch
haben  sie  meistens  kein  leichtes  Spiel.  Denn  die  Stuten  nehmen  dann  sofort  ihre
Füllen  in  die  Mitte  und  verteidigen  sich  mit  den  Vorderfüßen.  Die  Hengste  aber
umtoben  mit  wallender  Mähne  den  Haufen  und  springen  auf  die  im  Grase
schleichenden  Wölfe  los.  Wütend  zerstampfen  sie  die  Räuber  mit  den  Vorderfüßen
oder  packen  sie  mit  den  Zähnen  und  werfen  sie  hoch  in  die  Luft.  Die  Pferde
bilden  also  nicht,  wie  es  auf  vielen  Bildern  dargestellt  wird,  einen  streng-