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Besonders  hilfreiche  Dienste  aber  leistet  der  Eidechse  beim  Aufspüren  der  Nahrung
die  gespaltene  Zunge,  die  sie  zum  Tasten  („Züngeln“)  weit  aus  dem  Maule  hervorstrecken
  kann.  Da  sie  sehr  klebrig  ist,  wirkt  sie  wie  eine  Leimrute  auf  die  Insekten.
Die  Zähne  sind  klein  und  nicht  in  die  Kiefer  eingekeilt,  sondern  auf  den  Kiefern
angewachsen.  Sie  sind  daher  auch  zum  Zerkauen  nicht  geeignet,  sondern  nur  zum
Festhalten,  weshalb  die  Eidechse  ihre  Nahrung  ganz  verschlucken  muß.  Anfangs
Oktober,  wenn  ihr  die  Nahrung  ausgeht,  beginnt  sie  ihren  Winterschlaf.

3.  Vermehrung.  Im  Frühjahre  legt  die  Eidechse  6—8  bohnengroße,  schmutzigweiße
  Eier,  die  mit  einer  lederartigen  Schale  umgeben  sind.  (Vergl.  S.  2251)  Sie
verbirgt  sie  unter  Moos  oder  im  Sande  und  läßt  sie  von  der  Sonne  ausbrüten.

4.  Häutung.  Im  Sommer  häutet  sich  die  Eidechse  mehrmals.  Die  alte
Haut  wird  an  Wurzeln,  Steinen  u.  s.  w.  in  Fetzen  abgerieben.  Die  Häutung  ist
deshalb  notwendig,  weil  die  alte  Haut  sich  nicht  durch  Wachsen  vergrößert.  Bliebe
die  Häutung  aus,  so  müßte  die  Eidechse  sterben.

114.  Die  Kreuzotter.

1.  Aufenthalt.  Die  Kreuzotter  ist  die  einzige  Giftschlange  Deutschlands.  Am
zahlreichsten  trifft  man  sie  in  Mooren  und  den  daran  grenzenden  Wäldern.  Dort
wohnt  sie  in  Mauselöchern,  hohlen  Baumstämmen,  unter  Wurzelwerk  u.  s.  w.  Gewöhnlich
  verläßt  sie  ihre  Wohnung  nur  nachts.  Doch  liegt  sie  am  Tage  oft  stundenlung
  vor  ihrem  Loche  wie  ein  Teller  zusammengerollt  und  sonnt  sich.  Sie  hat  nämlich
wechselwarmes  Blut.  (S.  199.)  In  Wäldern,  wo  sich  Kreuzottern  aufhalten,  sei  man
sehr  vorsichtig.  Niemals  gehe  man  dort  barfuß,  sondern  stets  nur  mit  festem  Schuhwerke.

2.  Die  Färbung  der  Kreuzotter  ist  nach  Alter,  Gegend  und  Jahreszeit  verschieden,
  auf  der  Oberseite  meist  dunkelbraun,  auf  der  Unterseite  bläulich  oder  gelblich.
Uber  den  Rücken  läuft  in  der  Regel  eine  schwarze  Zickzacklinie,  und  auf  dem  Kopfe
findet  sich  eine  dunkle  Zeichnung,  die  an  ein  Kreuz  erinnert  und  der  Schlange  wahrscheinlich
  den  Namen  gegeben  hat.

3.  Ihr  Körperbau  hängt  mit  ihrer  Lebensweise  eng  zusammen.  Der  Leib
hat  eine  wurmförmige  Gestalt;  daher  kann  sie  sich  bequem  in  Löchern  und  im
Heidekraute  verbergen.  Beine  hat  sie  nicht.  Dennoch  kann  sie  sich  ungemein
schnell  bewegen.  Als  Beine  dienen  ihr  die  Rippen.  Sie  sind  beweglich  am  Rückgrate
  eingelenkt  und  enden  frei  in  der  Haut  unter  dem  Bauche.  Beim  Kriechen
schiebt  die  Otter  die  Rippen  wie  kurze  Beine  bald  an  der  rechten,  bald  an  der
linken  Seite  vor,  und  so  „schlängelt“  sie  sich  vorwärts.  Damit  sie  sich  aber  beim
Kriechen  nicht  so  leicht  verletze,  ist  ihr  Körper  mit  Schuppen  bedeckt.  Am  meisten
sind  Kopf  und  Bauch  beim  Umherkriechen  gefährdet.  Daher  sind  die  Schuppen
auch  hier  am  größten;  am  Bauche  bilden  sie  Halbringe.  Mit  Hilfe  der  Rippen
drückt  die  Otter  die  Bauchschuppen  gleich  kurzen  Füßen  gegen  Heidekraut,  Gras
u.  s.  w.  und  schiebt  so  den  Körper  schnell  vorwärts.  Auch  die  Augen  sind  sehr
geschützt.  Sie  haben  zwar  keine  Lider,  sind  aber  von  der  Körperhaut  überzogen.
Diese  ist  über  dem  Auge  durchsichtig  und  bedeckt  das  Auge  wie  ein  Uhrglas  die
Uhr.  Da  die  Augen  ziemlich  weit  seitwärts  stehen,  so  kann  die  Schlange  nicht
gut  nach  vorn  sehen.  Sie  streckt  deshalb  fortwährend  die  zweispaltige  Zunge  hervor,
um  damit  zu  tasten.  Auch  bei  geschlossenem  Munde  kann  sie  die  Zunge  hervorstrecken,
  da  die  Kieferränder  vorn  sich  nicht  berühren.  Stechen  kann  sie  mit  der
Zunge  nicht.  Dazu  ist  diese  viel  zu  weich.  —  Wo  der  Schwanz  beginnt,  erscheint
der  Rumpf  deutlich  dünner  (was  bei  der  Ringelnatter  nicht  der  Fall  ist).

4.  Giftzähne.  Was  uns  die  Kreuzotter  am  meisten  verhaßt  macht,  das  sind
ihre  beiden  Giftzähne.  Sie  sitzen  im  Oberkiefer,  sind  hohl  und  nahe  an  der  Spitze
mit  einer  kleinen  Offnung  versehen.  Am  Grunde  aber  steht  jeder  Zahn  mit  einer