—  272  —

tiefer  man  kommt.  Dieser  Druckunterschied  in  den  verschiedenen  Wasserschichten  bewirkt
eine  größere  oder  geringere  Ausdehnung  des  Körpers  und  dadurch  auch  der
mit  Luft  gefüllten  Schwimmblase.  Infolgedessen  verändert  sich  in  den  verschiedenen
Wasserschichten  auch  das  Eigengewicht  des  Fisches,  so  daß  er  dasselbe  Eigengewicht
erhält,  wie  es  das  umgebende  Wasser  hat.  Daher  erklärt  es  sich,  daß  er  in  jeder  Tiefe
zu  ruhen  vermag.  Zum  Schutze  ist  der  Körper  mit  Schuppen  bedeckt.  Das  Maul  ist
groß.  Zunge  und  Gaumen  sind  mit  Zähnen  besetzt,  und  da  der  Unterkiefer  etwas
verlängert  ist,  so  eignet  sich  das  Maul  vorzüglich  zum  Einfangen  der  Nahrung,
die  aus  kleinen  (kaum  1  mm  langen)  Krebsen  besteht.

2.  Kiemen.  Der  Hering  atmet  nicht  wie  die  Sängetiere  durch  Lungen,  sondern
  durch  Kiemen.  Sie  liegen  zu  beiden  Seiten  des  Halses  und  sind  äußerlich
je  von  einem  Kiemendeckel  bedeckt.  Dieser  ist  vorn  festgewachsen,  hinten  aber  frei  und
kann  auf  und  ab  bewegt  werden.  An  seiner  innern  Seite  sitzen  viele  kleine,  häutige
Blättchen,  die  an  knöchernen  Kiemenbogen  ausgespannt  und  von  vielen  feinen  Blutgefäßen
  durchzogen  sind.  Um  zu  atmen,  nimmt  der  Hering  das  Maul  voll  Wasser
und  drückt  es  gegen  die  Kiemen.  Die  im  Wasser  enthaltenen  Luftteilchen  setzen  dabei
den  Sauerstoff  an  die  Blutgefäße  ab,  das  Wasser  aber  wird  durch  die  Kiemendeckel
wieder  ausgestoßen.  Da  der  Hering  keine  Lungen  hat,  so  hat  er  auch  keine  Stimme.

3.  Laichen.  Die  männlichen  Heringe  heißen  Milchner,  die  weiblichen  Rogner.
Ein  einziges  Heringsweibchen  legt  jährlich  20—60000  Eier.  Es  setzt  sie  zur  Laichzeit
  an  Wasserpflanzen,  Steinen  u.  s.  w.  in  der  Nähe  der  Küsten  ab,  wo  sich  je  nach
der  Wärme  des  Wassers  in  6—50  Tagen  aus  ihnen  die  jungen  Fische  entwickeln.

4.  Sinneswerkzeuge.  Das  Auge  kann  nicht  geschlossen  werden,  da  die  Augenlider
  fehlen.  Das  Ohr  hat  keine  Offnung  nach  außen;  die  Gehörwerkzeuge  liegen  in
der  Schädelhöhle.  Dennoch  scheint  der  Fisch  gut  zu  hören;  denn  beim  geringsten  Geräusch
  entfernt  er  sich  vom  Ufer.  Das  Geräusch  wird  ihm  aber  wahrscheinlich  besonders
durch  den  „Hautsinn“  mitgeteilt.  Dieser  hat  seinen  Sitz  in  der  „Seitenlinie“,  d.  i.  ein
Kanal  zu  beiden  Leibesseiten,  mit  dem  er  jede  Erschütterung  des  Wassers  spürt.  Er
steht  mit  den  einzelnen  Schuppen  durch  Querkanäle  in  Verbindung.  Diese  Kanäle
sondern  auch  den  Schleim  ab,  durch  den  der  Körper  schlüpfrig  gemacht  und  das  Wasser
vom  Körper  abgehalten  wird.  Die  geschlossenen  Nasenhöhlen  enthalten  eine  strahlig
ausgespannte  Riechhaut.  Mit  ihr  wittert  der  Fisch  den  Köder  aus  weiter  Ferne.

5.  Fang.  Der  Hering  hält  sich  an  den  tiefsten  Stellen  der  Nord=  und  Ostsee
auf.  Nur  zur  Leichzeit  kommt  er  an  die  Küsten,  um  hier  seine  Eier  abzusetzen.  Das
ist  hauptsächlich  zweimal  im  Jahre  der  Fall.  Die  Hauptlaichzeit  fällt  in  die  Monate
Januar  bis  März.  Eine  zweite  Laichzeit  fängt  im  Juli  an  und  dauert  bis  zum  Dezember.
  In  regelmäßigen,  keilförmigen  Zügen  rücken  die  Heringe  an.  Ihre  Ankunft
verraten  sie  durch  die  oben  schwimmenden,  abgeriebenen  Schuppen.  Zahlreiche  Feinde,
wie  Delphine,  Heringshaie,  Dorsche,  Möven  u.  s.  w.,  begleiten  die  oft  20  km  langen
und  15  km  breiten  Heringszüge.  Die  Fischer  fahren  dann  in  der  Regel  ihre  100  bis
200  Schritt  langen  Zugnetze  des  Abends  bei  Laternenschein  in  das  Meer  hinaus
und  winden  sie  am  nächsten  Morgen,  mit  vielen  Tausenden  von  Heringen  gefüllt,
wieder  empor.  Auch  werden  die  Heringe  in  Reusen  und  in  senkrecht  hängenden
Netzwänden  (s.  Abb.,  unten!)  gefangen.  In  den  Netzwänden  bleiben  sie  in  den
Maschen  mit  den  Kiemendeckeln  hängen.  Damit  nicht  zu  kleine  Fische  gefangen
werden,  ist  die  Größe  der  Maschen  polizeilich  vorgeschrieben.  In  manchen  Jahren
erscheinen  die  Heringe  in  so  dichten  Zügen,  daß  sie  sich  wie  eine  Wand  (Heringsbank)
  zusammenschieben  und  die  Boote  aus  dem  Wasser  emporheben.

6.  Einpökeln.  Die  gefangenen  Heringe  werden  sogleich  nach  einer  Küstenstadt,
z.  B.  Bergen,  gebracht  und  dort  eingepökelt.  Hier  sitzen  in  großen  Buden  Frauen
und  Kinder,  schneiden  den  Fischen  die  Kehle  auf  und  nehmen  Kiemen  und  Ein-