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b.  An  den  Wänden  eines  Glases  steht  das  Wasser  etwas  höher  als  in  der
Mitte.  Taucht  man  eine  sehr  enge,  oben  und  unten  offene  Glasröhre  in  Wasser,
Tinte  u.  dgl.,  so  steht  die  Flüssigkeit  in  der  Röhre  höher  als  in  dem  Gefäße.
Die  Ursache  dieser  Erscheinungen  ist  auch  in  der  Flächenanziehung  zu  suchen.
Die  anziehenden  Flächen  stehen  sich  hier  nämlich  sehr  nahe  gegenüber  und  wirken
so  stark,  daß  bis  zu  einer  gewissen  Grenze  das  Gewicht  des  Wassers  in  der  Röhre
überwunden  wird  und  das  Wasser  in  der  Röhre  steigt.  Man  nennt  diese  Kraft
Haarröhrchenanziehung.  Infolge  dieser  Kraft  breitet  sich  Tinte  im  Löschpapier
aus,  steigt  Ol  im  Dochte,  die  Feuchtigkeit  des  Bodens  in  der  Wand  empor  u.  s.  w.

21.  Porosität.  Feuchte  einen  trocnen  Schwamm  an!  Er  schwillt  an.  Das
geschieht  auch  mit  einem  Stück  Holz,  das  man  ins  Wasser  legt.  Jeder  Körper
hat  nämlich  zwischen  seinen  Teilchen  kleine  Zwischenräume.  Sie  sind  z.  B.  an
einem  Schwamme  und  Korke  deutlich  sichtbar.  In  diese  Räume  oder  Poren  dringt
das  Wasser  (infolge  der  Haarröhrchenanziehung  §  20)  ein,  rückt  die  einzelnen
Teile  des  Körpers  voneinander  und  vergrößert  ihn  so.  Hierdurch  erklärt  es  sich
auch,  warum  sich  manche  Fenster  und  Thüren  bei  feuchtem  Wetter  sehr  schwer,
bei  trocknem  dagegen  ganz  bequem  schließen  lassen.  Die  feuchte,  frischangeklebte
Tapete  sitzt  häufig  kraus  an  der  Wand,  glättet  sich  aber  ganz  von  selbst,  sobald
sie  trocken  wird.  (Warumy)

22.  Der  Druck  des  Wassers.  a.  Hängt  man  eine  mit  Wasser  gefüllte,  unten  verschlossene
  Holzröhre  (oder  ein  Holzeimerchen)  an  einem  Faden  frei  auf,  so  bleibt  sie  bald
in  Ruhe.  Versieht  man  sie  aber  unten  mit  einer  seitlichen  Offnung  und  fettet  die  Stelle
unter  dem  Loche  etwas  ein,  so  strömt  das  Wasser  in  einem  Bogen  aus,  und  die  Röhre
bewegt  sich  ein  wenig  nach  der  dem  Loche  gegenüber  liegenden  Seite.  Auf  diese  Seite
nämlich,  wo  das  Wasser  ausfließen  kann,  drückt  es  nicht  so  stark  wie  auf  die  gegenüberliegende
  Seite.  Daher  die  seitliche  Bewegung.

b.  Durch  solchen  einseitigen  Wasserdruck  wird  das  Segnersche  Wasserrad  in  Bewegung
gesetzt.  Es  ist  das  ein  hohler,  drehbarer  Cylinder,  der  unten  gewöhnlich  4  Arme  hat.
Diese  bilden  ein  Kreuz  und  sind  alle  nur  auf  einer  und  zwar  der  gleichen  Seite  durchbohrt.
  Gießt  man  von  oben  in  den  Cylinder  etwas  Wasser  hinein,  so  läuft  es  aus  den
Offnungen  der  Arme  wieder  heraus  und  setzt  so  den  Cylinder  in  drehende  Bewegung.

C.  Meist  benutzt  man  Gewicht  und  Stoß  des  Wassers,  um  Wasserräder  in  Bewegung
zu  setzen.  Man  unterscheidet  ober-,  mittel-  und  unterschlächtige  Wasserräder.  Die  oberschlächtigen
  wendet  man  da  an,  wo  starkes  Gefälle,  aber  wenig  Wasser  vorhanden  ist,  also
besonders  in  Gebirgsgegenden.  Man  läßt  dann  das  Wasser  von  oben  in  die  Kasten  des
Rades  fallen.  Ist  der  Boden  nicht  abschüssig  genug,  so  wendet  man  die  mittelschlächtigen
Wasserräder  an,  bei  denen  das  Wasser  seitlich  in  die  Schaufeln  stürzt.  Steht  eine  größere

Wassermenge  zur  Verfügung,  ein  Fluß  oder  Strom,  so  wendet  man  unterschlächtige  Wasserräder
  an.  Sie  werden  unten  durch  den  Stoß  des  Wassers  in  Bewegung  gesetzt.

23.  Wagerechter  Wasserstand.  Libelle.  a.  Wir  gießen  ein  Trinkglas  bis
zur  Hälfte  voll  Wasser.  Die  Oberfläche  dieses  Wassers  im  Glase  bildet  eine
wagerechte  Ebene.  Jetzt  neigen
wir  das  Glas,  anfangs  schwächer,  MW.n  —.—
dann  stärker,  ohne  jedoch  das  Wasser  1  .—  —
ausfließen  zu  lassen:  die  wagerechte  —
Ebene  bleibt.  Die  einzelnen  Wasserteilchen  lassen  sich  nämlich  leicht  verschieben
(warum?)  und  bilden  so  zur  Zeit  der  Ruhe  (da  sie  von  der  Erde  gleichmäßig
angezogen  werden)  auf  der  Oberfläche  stets  eine  wagerechte  Ebene,  den  sogenannten
Wasserspiegel.

b.  Zugleich  sehen  wir  auch,  daß  das  Wasser  stets  den  höchsten  (obersten)  Teil  des
Glases  leer  läßt.  Warum?  Auf  dieser  Eigenschaft  des  Wassers  beruht  die  Einrichtung
der  Libelle  oder  Wasserwage,  die  man  jetzt  meist  an  Stelle  der  Setzwage  (S.  292)  zur
Prüfung  der  wagerechten  Richtung  gebraucht.  Der  Hauptteil  der  Libelle  ist  eine  schwach
nach  oben  gekrümmte,  beiderseits  verschlossene  Glasröhre  (a  b).  Diese  ist  bis  auf  einen
kleinen  Raum  (c)  mit  Wasser,  Weingeist  oder  dgl.  gefüllt.  Der  wasserleere  Raum  enthält
Luft,  die  eine  Blase  bildet.  Halte  die  Röhre  wagerecht!  Wo  befindet  sich  die  Blase?

 

 

 

 

 

 

 