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60.  Verdunstung.  a.  Tauche  die  Hand  ein  wenig  in  Wasser  und  halte
sie  dann  in  den  Sonnenschein!  Die  Feuchtigkeit  ist  bald  verschwunden.  Ebenso
trocknet  die  Wäsche  sehr  schnell  im  Sonnenschein.  Wie  sich  nämlich  das  Wasser
beim  Kochen  durch  Erwärmung  von  unten  her  in  Dampf  verwandelt,  so  geschieht
dies  auch  durch  Einwirkung  der  Sonne  und  der  Luft  von  oben  her.  Diese
Dampfbildung  durch  die  Luftwärme  heißt  „Verdunstung“.  Sie  unterscheidet  sich
von  der  Dampfbildung  beim  Sieden  dadurch,  daß  1)  die  zur  Verdunstung  erforderliche
  Wärme  viel  geringer  ist,  2)  daß  daher  die  Dampfbildung  viel  langsamer
vor  sich  geht,  3)  daß  bei  ihr  keine  wallende  Bewegung  stattfindet.  (Die  Verdunstung
  beginnt  nämlich  nicht  in  den  untern,  sondern  in  den  obern  Schichten.)

b.  Beim  Trocknen  der  Wäsche  sieht  es  die  Wäscherin  gern,  wenn  es  beim
warmen  Sonnenschein  etwas  windig  ist,  da  dann  die  Wäsche  schneller  trocknet;
auch  hängt  sie  die  Wäsche  so  auf  oder  breitet  sie  so  aus,  daß  eine  möglichst  große
Oberfläche  der  Wäsche  dem  Winde  und  der  Sonnenwärme  ausgesetzt  ist.  Warum?
—  Luftzug,  erhöhte  Wärme  und  Vergrößerung  der  verdunstenden
Oberfläche  beschleunigen  die  Verdunstung.  Daher  öffnet  man  in  frisch
gescheuerten  Stuben  Thüren  und  Fenster,  um  Luftzug  herzustellen.

c.  Befeuchten  wir  unfre  Hände  mit  Wasser,  so  empfinden  wir  Kälte.  Durch
jede  Verdunstung  wird  der  Umgebung  des  verdunstenden  Körpers
Wärme  entzogen.  Daher  erzeugt  selbst  der  wärmste  Regen  Abkühlung,  und
nach  dem  Besprengen  der  Straßen  und  Gärten  entwickelt  sich  hier  trotz  der
größten  Hitze  eine  angenehme  Kühle.  Darum  löscht  Wasser  auch  Feuer  aus.
Läßt  man  nasse  Kleider  auf  dem  Körper  trocknen,  so  kann  man  sich  leicht  erkälten,
  da  durch  die  Verdunstung  dem  Körper  Wärme  entzogen  wird.  Stellt  man
in  ein  Weinglas,  das  zur  Hälfte  mit  Schwefeläther  gefüllt  ist,  ein  Probiergläschen
  mit  etwas  Wasser  und  läßt  den  Ather  durch  den  Luftstrom  eines  Blasebalgs
  schnell  verdunsten,  so  gefriert  das  Wasser  im  Probiergläschen  zu  Eis.

61.  Tau  und  Reif.  a.  Hauche  gegen  das  Fenster!  Es  „schwitzt“.  Bringe
ein  Glas  mit  kaltem  Wasser  in  ein  warmes  Zimmer!  Das  Glas  „beschlägt".
Wie  kommt  das?  (S.  311.)  Im  kalten  Zimmer  trocknet  die  Wäsche  langsamer
als  im  warmen.  Die  Luft  nimmt  nänlich  nur  eine  bestimmte  Menge  Wasserdampf
  auf.  Ist  das  Maß  erreicht,  so  hört  die  Verdunstung  auf.  Man  sagt
dann:  Die  Luft  ist  „gesättigt“.,  Je  größer  aber  die  Wärme  der  Luft,  desto
mehr  Wasserdampf  kann  sie  aufnehmen.  Kühlt  sich  die  Luft  ab,  so  vermag  sie
oft  den  Wasserdampf  nicht  mehr  ganz  zu  behalten;  sie  scheidet  dann  einen  Teil
aus,  und  dieser  verdichtet  sich  zu  Tropfen.  So  erklärt  sich  das  Schwitzen  der
Fenster,  das  Beschlagen  des  Trinkglases  u.  s.  w.

b.  Ahnlich  erklärt  sich  auch  die  Bildung  des  Taues.  In  klaren  Sommer-=nächten
  strahlt  die  Erde  viel  Wärme  aus.  Sie  kühlt  sich  daher  bedeutend  mehr
ab  als  die  sie  umgebenden  Luftschichten.  Dadurch  wird  der  der  Erde  zunächst
liegende  Wasserdampf  verdichtet  und  setzt  sich  als  Tautropfen  an  Gras  und
Blätter  an,  weil  sie  als  hervorragende  und  rauhe  Gegenstände  am  meisten
Wärme  ausstrahlen  und  sich  daher  am  schnellsten  abkühlen.  Ist  der  Himmel
bedeckt,  so  bildet  sich  kein  Tau,  da  die  Wolken  die  ausgestrahlte  Wärme  wieder
zurückstrahlen  und  sich  so  die  Erde  nicht  genug  abkühlt.

c.  In  kalten  Frühjahrs=  und  Herbstnächten  gefriert  der  Wasserdunst  und
wird  als  Reif  auf  Pflanzen,  Dächern  u.  s.  w.  sichtbar.

62.  Nebel  und  Wolken.  a.  Aus  Flüssen,  Seen,  Wäldern  und  sumpfigen
Wiesen  steigt  an  heißen  Tagen  fortwährend  Wasserdampf  empor.  Wir  sehen  ihn
nicht,  weil  Wasserdampf  unsichtbar  ist.  Am  Abend  verdichtet  die  kühlere  Luft
den  Wasserdampf  zu  äußerst  feinen  Tröpfchen  und  scheidet  ihn  aus.  (8  61.)  Er