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das  Glas  alles  Licht  hindurch  läßt.  Wir  unterscheiden  demnach  undurchsichtige,

durchscheinende  und  durchsichtige  Körper.

68.  Die  Geschwindigkeit  des  Lichts  beträgt  in  einer  Sekunde  etwa  320000  km.  Von
der  Sonne  gelangt  das  Licht  in  8  Minuten  zu  uns,  vom  Sirius  und  den  Sternen  erster
Größe  in  4  Jahren,  von  den  Sternen  zwölster  Größe  in  1500  Jahren  und  von  andern
erst  in  Millionen  von  Jahren.  Wir  sehen  also  den  Sirius  stets  nur  so,  wie  er  vor  4
Jahren  beschaffen  war.  Umgekehrt:  Ständen  wir  heute  auf  einem  Stern  zwölfter  Größe
und  könnten  die  Erde  von  dort  aus  sehen,  so  erschiene  sie  uns  jetzt,  wie  sie  etwa  zur  Zeit
des  Einbruchs  der  Hunnen  beschaffen  war.  Könnten  wir  dann  in  einer  Stunde  die  Erde
erreichen,  so  sähen  wir  ihre  Entwickelung  von  diesem  Zeitraume  an  bis  heute  und  durchlebten
  in  einer  Stunde  1500  Jahre.  »

69.  Wesen  des  Lichts.  Das  Licht  entsteht  durch  die  Schwingungen  des  Athers,  der
gewöhnlich  der  Weltäther  genannt  wird.  Das  ist  ein  feiner,  unsichtbarer,  unwägbarer  Stoff,
der  das  ganze  Weltall  und  alle  Körper  durchdringt.  Wenn  er  Licht  erzeugen  soll,  muß  die
Zahl  seiner  Schwingungen  in  einer  Sekunde  400—800  Billionen  betragen.

70.  Der  Schatten.  a.  Stellen  wir  uns  in  die  Sonne,  so  entsteht  ein
Schatten  von  uns.  Halten  wir  ein  Buch  vor  eine  Kerzenflamme,  so  entsteht
ebenfalls  ein  Schatten.  Die  Lichtstrahlen  können  nämlich  nicht  hinter  das  Buch
gelangen,  da  dieses  undurchsichtig  ist  und  das  Licht  sich  nur  in  geraden  Linien
verbreitet.  Es  entsteht  also  hinter  dem  Buche  ein  unbeleuchteter  Raum.  Dieser
unbeleuchtete  Raum  heißt  Schatten  (also  nicht  bloß  das  Schattenbild).

b.  Halte  einen  Bleistift  ruhig  auf  den  Tisch  und  bewege  dahinter  ein  Licht
hin  und  her!  Der  Schatten  des  Beleistiftes  bewegt  sich  ebenfalls  hin  und  her.
Wohin  fällt  der  Schatten,  wenn  wir  den  Bleistift  mitten  auf  den  Tisch  und  die
Kerzenflamme  auf  die  östliche  Seite  des  Tisches  stellen?  Bewegen  wir  das  Licht
rings  um  den  Tisch,  so  macht  der  Schatten  des  Bleistiftes  die  Bewegung  mit.
Am  Morgen  steht  die  Sonne  im  Osten.  Wohin  muß  dann  also  der  Schatten
fallen?  Wohin  fällt  der  Schatten  mittags?  abends?

C.  Lassen  wir  die  Lichtstrahlen  rechtwinklig  auf  ein  viereckiges  Stück  Pappe
fallen  und  fangen  dann  das  Schattenbild  der  Pappe  auf  einem  weißen  Bogen
Papier  auf,  so  zeigt  sich  der  Schatten  ebenfalls  viereckig.  Lassen  wir  die  Lichtstrahlen
  so  auffallen,  daß  sie  parallel  mit  der  Oberfläche  der  Pappe  laufen,  so
nimmt  der  Schatten  die  Gestalt  einer  geraden  Linie  an.  Die  Gestalt  eines
Schattens  richtet  sich  nicht  bloß  nach  der  Gestalt,  sondern  auch  nach
der  Stellung  des  schattenwerfenden  Körpers.  Wann  nur  ist  der  Schatten
einer  kreisrunden  Pappscheibe  rund?  Wann  der  Schatten  einer  Kugel?  Unfre
Erde  wirft  bei  Mondfinsternissen  (S.  163)  stets  einen  kreisförmigen  Schatten.
Was  folgt  daraus?  Der  Schatten  der  Bäume  ist  des  Morgens  und  Abends
bedeutend  länger  als  zur  Mittagszeit.  Die  Erklärung  für  diese  Thatsache  finden
wir,  wenn  wir  des  Abends  beim  Lampenschein  z.  B.  einen  Bleistift  auf  den
Tisch  stellen  und  dann  die  Lampe  zuerst  senkrecht  über  dem  Bleistifte,  dann  aber
immer  mehr  seitwärts  von  dem  Bleistifte  halten.  Je  mehr  das  Licht  von  der
Seite  gegen  den  Bleistift  fällt,  desto  länger  wird  sein  Schatten.

71.  Sehwinkel.  Ein  Habicht  erscheint  uns  hoch  oben  in  der  Luft  so  klein  wie  ein
Sperling.  Ahnliche  Wahrnehmungen  machen  wir  an  einem  Turmknopfe,  einem  hochgestiegenen
  Drachen  u.  s.  w.  Wir  können  uns  diese  Erscheinungen  nur  erklären,  wenn  wir  das
Wesen  des  Sehwinkels  kennen.  Denken  wir  uns  von  den  Endpunkten  des  umgekehrten
Bildes,  das  sich  auf  der  Netzhaut  des  Auges  von  dem  betrachteten  Gegenstande  bildet
(s.  „Das  Auge“,  S.  286)  2  Linien  nach  den  entsprechenden  Endpunkten  des  Gegenstandes
gezogen,  so  schneiden  sich  diese  im  Auge  unter  einem  Winkel,  den  man  den  Sehwinkel  nennt.
Da  der  Kreuzungspunkt  in  der  Augenlinse  immer  derselbe  bleibt,  so  entsteht  bei  größerer
Entfernung  des  Gegenstandes  ein  kleinerer  Sehwinkel  —  wie  wir  uns  das  an  einer  Schere
verdeutlichen  können  —  und  infolgedessen  auf  der  Netzhaut  ein  desto  kleineres  Bild.  Wie
erscheinen  Alleen  und  Eisenbahnschienen  bei  zunehmender  Entfernung  dem  Auge?

72.  Dauer  des  Lichteindrucks.  Eine  schnell  herumgeschwungene  glühende  Kohle  oder
Cigarre  erscheint  dem  Auge  als  ein  feuriger  Kreis.  Der  Lichteindruck,  der  auf  der  Netzhaut