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entstanden.  Erinnere  dich  an  das  Funkeln  der  Tautropfen!  Dieses  Funkeln
entsteht  nämlich  dadurch,  daß  die  Sonnenstrahlen  in  den  Tautropfen  gebrochen
und  so  in  ihre  einzelnen  Farbenstrahlen  zerlegt  werden.  Statt  der  Tautropfen
haben  wir  beim  Regenbogen  die  Regentropfen  einer  Wolke  vor  uns.  Die  Sonnenstrahlen
  werden  in  jedem  Tropfen  zweimal  gebrochen.  Die  erste  Brechung  geschieht
  bei  ihrem  Eintritt  in  den  Tropfen.  Die  gebrochenen  Strahlen  werden  hierauf
  von  der  Hinterwand  des  Tropfens  zurückgeworfen  und  beim  Austritt  aus
dem  Tropfen  abermals  gebrochen,  wodurch  sie  endlich  in  unser  Auge  gelangen.
Der  Regenbogen  kann  nur  dann  von  uns  gesehen  werden,  wenn  wir  die  Sonne
im  Rücken  und  die  Regenwolke  vor  uns  haben.

b.  Wie  aber  entsteht  die  Bogenform  mit  den  7  Farbenringen?  —  Die  sieben
verschiedenfarbigen  Tropfenschichten  senden  uns  je  nur  eine  einzige  Art  der  Farbenstrahlen
  zu,  die  andern  Farbenstrahlen  werden  ihrer  abweichenden  Richtung  wegen
vom  Auge  nicht  gesehen.  Nun  können  uns  aber  nur  diejenigen  Tropfen  gleiche
Farbenstrahlen  zusenden,  die  zu  uns  und  der  Sonne  gleiche  Stellung  haben.  Das
ist  nur  bei  den  Tropfen  der  Fall,  die  in  einem  Kreise  liegen.  So  erklärt  sich
die  Bogenform.

87.  Farben.  Wie  kommt  es,  daß  der  Ziegelstein  unserm  Auge  rötlich,  das  Gras
grün  u.  s.  w.  erscheint?  —  Schon  früher  (S.  315)  haben  wir  gesehen,  daß  uns  die  Körper
dadurch  sichtbar  werden,  daß  sie  die  auf  sie  fallenden  Lichtstrahlen  zurückwerfen.  Nun  besitzen
  aber  die  meisten  Körper  die  Fähigkeit,  an  ihrer  Oberfläche  das  auf  sie  fallende  Licht
in  seine  Farben  zu  zersetzen  und  nur  einige  bestimmte  Farbenstrahlen  zurückzuwerfen,  die
andern  aber  zu  vernichten  oder  zu  „verschlucken“.  Weiße  Körper  werfen  alle,  schwarze  gar
keine  Farbenstrahlen  zurück.  Vollkommen  schwarze  Körper  kann  man  nicht  sehen.  Freilich
giebt  es  solche  nicht,  und  die  vorhandenen  schwarzen  Körper  erscheinen  daher  schattenhaft.
Da  schwarzes  Zeug  ziemlich  alle  Lichtstrahlen  und  mit  ihnen  zugleich  die  Wärmestrahlen
verschluckt,  so  ist  es  wärmer  als  helleres  Zeug.  Schnee  und  weiße  Wände  blenden  bei
Sonnenschein,  weil  sie  fast  alle  Lichtstrahlen  zurückwerfen.

88.  Morgen=  und  Abendröte.  Sieh  durch  Wasserdunst  gegen  eine  Flamme!
Der  Wasserdunst  erscheint  gelblichrot.  Ebenso  verhält  es  sich,  wenn  man  durch
Wasserdunst  gegen  die  Sonne  blickt.  Zugleich  erscheint  auch  die  Sonne  dann
selbst  rotgelb  (wie  an  nebligen  Tagen).  Der  Wasserdunst  läßt  nämlich  nur  die
roten  und  gelben  Sonnenstrahlen  durch,  alle  übrigen  werden  von  ihm  zurückgehalten.
  Bei  geringer  Verdichtung  des  Dunstes  gelangen  besonders  die  roten,
bei  stärkerer  Verdichtung  die  gelben  Strahlen  in  unser  Auge.  —  Aus  diesen
Thatsachen  erklärt  sich  die  Entstehung  der  Abend=  und  Morgenröte.  Gegen  Abend
kühlt  sich  nämlich  die  Luft  ab.  Dadurch  verdichten  sich  die  Wasserdämpfe  (S.  313).
Die  Strahlen  der  Sonne  haben  dann  ihren  Weg  durch  viele  Dünste  zu  nehmen.
Daher  lassen  die  Dünste  fast  nur  die  roten  und  gelben  Strahlen  durch.  So
entsteht  die  Abendröte.  Am  schönsten  zeigt  sie  sich,  wenn  der  Wasserdampf  aus
der  eigentlichen  Dampfform  in  Nebel  übergeht.  Hat  sich  der  Wasserdampf
bereits  in  dichten  Nebel  verwandelt,  dann  läßt  er,  besonders  wenn  er  in  überreichen
  Mengen  vorhanden  ist,  nur  die  gelben  Strahlen  durch.  Das  Abendrot
wird  blasser.  Es  gilt  als  Vorbote  baldigen  Regens.  Dagegen:  „Abendrot  —
Gutwetterbot.“  —  Das  Morgenrot  entsteht  in  gleicher  Weise.  Jedoch  ist  es  meist
nicht  so  lebhaft  als  das  Abendrot.  Das  Wasser  verdunstet  nämlich  am  Morgen
langsamer  als  am  Abend.  Der  Ubergang  aus  der  Dampfform  in  die  Nebelform
tritt  gewöhnlich  erst  dann  ein,  wenn  die  Sonne  bereits  ziemlich  hoch  am  Himmel
steht.  Ihre  Strahlen  haben  daher  morgens  einen  kürzern  Weg  durch  die  Dampfschichten
  zu  durchlaufen.  Nur  wenn  die  Luft  feucht  ist,  verdichten  sich  die  Wasserdämpfe
  morgens  zeitig  genug,  und  es  entsteht  dann  eine  lebhaftere  Morgenröte.
Diese  kündet  ebenfalls  gewöhnlich  Regen  an.