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11.  Leuchtgas.  Um  uns  ein  solches  Gas  zu  erzeugen,  stecken  wir  ein
Stückchen  Steinkohle  in  den  Kopf  einer  thönernen  Pfeife  und  verschließen  den
Kopf  oben  mit  Lehm.  Alsdann  legen  wir  den  Kopf  in  die  Ofenglut  und  zwar
so,  daß  die  Röhre  aus  der  Ofenthür  hervorragt.  Halten  wir  nun  nach  wenigen
Minuten  ein  brennendes  Schwefelholz  an  die  Offnung  der  Röhre,  so  entzündet
sich  das  aus  der  Röhre  herausströmende  Gas  und  brennt  mit  schöner,  heller
Flamme.  (Über  Herstellung  des  Leuchtgases  im  großen  vgl.  S.  2561)  Das  Leuchtgas
  ist  eine  Verbindung  von  Kohlenstoff  und  Wasserstoff  und  wird  daher  auch
Kohlenwasserstoffgas  genannt.  Den  Kohlenstoff  erkennen  wir,  wenn  wir  Kreide
in  die  Flamme  halten,  den  Wasserstoff,  wenn  wir  eine  trockene  Glasscheibe  darüber
halten.  (Inwiefern?  S.  334.)  Auch  das  Sumpfgas  besteht  aus  Kohlenstoff  und
Wasserstoff.  Es  findet  sich  besonders  im  Schlamm=  und  Sumpfboden  und  bildet
sich  hier  aus  verwesenden  Pflanzenstoffen.  Bohrt  man  in  den  Schlamm  mit
einem  Stabe  ein  Loch,  so  steigt  es  in  Blasen  in  die  Höhe.  Dieses  Sumpfgas
ist  dasselbe  Gas,  das  vom  Bergmanne  in  den  Kohlengruben  als  „cschlagende
Wetter“  so  sehr  gefürchtet  wird.  (S.  255.)

12.  Kohlenoxydgas.  Wenn  das  Ofenrohr  geschlossen  wird,  bevor  Holz
und  Kohlen  vollständig  verbrannt  sind,  so  können  die  Bewohner  des  Zimmers
dadurch  leicht  den  Tod  finden.  Fehlt  es  nämlich  bei  der  Verbrennung  an  der
nötigen  Zufuhr  von  Sauerstoff,  so  verglimmen  die  Brennstoffe  sehr  langsam,  und
es  bildet  sich  das  sehr  giftige  Kohlenoxydgas,  im  gewöhnlichen  Leben  „Kohlendunst“
  genannt.  Namentlich  wird  dieses  Gas  häufig  dadurch  erzeugt,  daß  man
die  „Ofenklappe“  (an  der  Röhre,  die  den  Ofen  mit  dem  Schornsteine  verbindet)
zu  früh  verschließt,  um  den  Zug  abzusperren  und  so  die  Wärme  aus  dieser  Röhre
nicht  entweichen  zu  lassen.  Das  sich  dann  bildende  Kohlenoxydgas  dringt  durch
die  Ofenthür  ins  Zimmer,  und  da  es  geruch-,  geschmack=  und  farblos  ist,  so  macht
es  sich  durch  nichts  kenntlich,  bringt  aber  bald  Bewußtlosigkeit  und  Tod  hervor.
Daher  verschließe  man  die  Ofenklappe  nie,  bevor  man  sich  überzeugt  hat,  daß
aller  Brennstoff  auch  wirklich  verbrannt  ist.  —  Durch  luftdicht  schließende  Ofenthüren
  erreicht  man  in  neurer  Zeit  viel  besser  und  ohne  Gefahr  denselben  Zweck,
den  man  durch  das  frühzeitige  Schließen  der  „Ofenklappe“  erstrebt,  nämlich  das
längere  Warmbleiben  des  Ofens.

13.  Säuren.  a.  Thu  in  ein  Glas  Wasser  etwa  10  Tropfen  Salzsäure!
Alsdann  tauche  einen  Streifen  blaues  Lackmuspapier  (sog.  „Probierpapier",  in
der  Apotheke  zu  haben!)  in  die  Mischung!  Es  färbt  sich  rot.  Das  geschieht
auch,  wenn  wir  das  Papier  in  Essig,  Wein,  saure  Milch,  Citronensaft,  Apfelsaft
u.  —  w.  tauchen.  (Essig  besteht  aus  Essigsäure  und  Wasser,  Wein  enthält  viel
Weinsäure,  saure  Milch  Milchsäure,  Citronensaft  Citronensäure.)  Säuren  haben
die  Eigenschaft,  blaues  Lackmuspapier  rot  zu  färben.

bo.  Wenn  man  Kupfer  mit  Essig  besprengt,  so  verbindet  sich  die  Essigsäure
mit  dem  Kupfer,  und  es  bilden  sich  grüne  Flecke,  gewöhnlich  „Grünspan"“  genannt,
  auf  dem  Kupfer.  (Vergl.  auch  S.  3331!)  Auch  mit  andern  Säuren
(Wein-,  Apfel-,  Butter=  und  Fettsäure)  verbindet  sich  das  Kupfer,  so  daß  auf
diese  Weise  sehr  verschiedenartige  Kupfersalze  entstehen  können.  Unkundige  pflegen
alle  diese  Kupfersalze  kurzweg  als  „Grünspan“  zu  bezeichnen.  Sie  sind  sämtlich
äußerst  giftig.  Besonders  bilden  sich  Kupfersalze  beim  Kochen  der  Speisen  in
kupfernen  Gefäßen.  Es  ist  daher  bei  Anwendung  des  kupfernen  Geschirrs  große
Vorsicht  nötig.  Namentlich  muß  man  sich  hüten,  die  gekochten  Speisen  in  den
kupfernen  Gefäßen  erkalten  zu  lassen.  (Warum?)  —  Da  in  unsern  silbernen  (und
besonders  neusilbernen)  Löffeln  auch  Kupfer  enthalten  ist,  so  ist  es  immer  gefährlich,
  sie  in  sauern  Speisen  liegen  zu  lassen.