—  336  —

e.  Einige  Säuren  benutzt  man  zum  Scheuern  metallener  Geräte  (kupferner
Kessel,  Mörser  u.  s.  w.),  die  in  der  Luft  leicht  oxydieren  (d.  h.  eine  Verbindung
mit  Sauerstoff  eingehen).  Eine  Lösung  von  verdünnter  Schwefel-,  Salz=  oder
Essigsäure  (auch  saures  Bier)  löst  die  oxydierte  Schicht  auf  und  macht  die  Geräte
leicht  blank.  Der  Glanz  erhält  sich  jedoch  nicht  lange,  wenn  nicht  mit  Schlemmkreide,
  Wiener  Kalk  u.  s.  w.  nachgeputzt  wird.  Die  Säuren  zerstören  auch  Farben
und  Fettflecke.  Mit  Kleesalz  oder  auch  mit  Citronensäure  kann  man  Tintenflecke

aus  der  Wäsche,  mit  Schwefelsäure  Fettflecke  aus  dem  Zeuge  entfernen.

14.  Kohlensäure.  a.  Wir  tauchen  einen  brennenden  Holzspan  in  eine  Flasche  mit
Sauerstoff  und  verkorken  sie  sofort.  Sobald  der  Span  ausgebrannt  ist,  hängen  wir  in  die
Flasche  ein  mit  Wasser  angefeuchtetes  Stück  blaues  Lackmuspapier.  Das  Papier  rötet  sich.
Es  ist  also  jedenfalls  Säure  in  der  Flasche  enthalten.  Diese  Säure  ist  aber  gasförmig.
Das  Gas  ist  dadurch  in  der  Flasche  entstanden,  daß  sich  beim  Verbrennen  des  Holzspans
die  Kohle  mit  Sauerstoff  verbunden  hat.  Man  nennt  diese  Verbindung  Kohlensäure.  Sie
wirkt  eingeatmet  sehr  schädlich.  Eine  Flamme  erlischt  darin.

b.  Blase  deinen  Atem  längere  Zeit  durch  einen  Strohhalm  in  ein  Glas  Wasser  und
tauche  dann  blaues  Lackmuspapier  hinein!  Es  färbt  sich  ebenfalls  rot.  Die  Luft,  die  wir
ausatmen,  ist  nämlich  zum  Teil  Kohlensäure.  Daraus  erklärt  sich  auch,  wie  durch  das
Beisammensein  vieler  Menschen  in  einem  kleinen  Zimmer  die  Luft  darin  bald  verdirbt.

.  Kohlensäure  bildet  sich  außerdem  bei  Verwesung  von  tierischen  und  pflanzlichen
Stoffen  sowie  bei  Gärung.  Dicht  verschlossene  Keller,  in  denen  Wein  oder  Bier  gärt,  darf
man  deshalb  nicht  betreten,  ohne  sie  vorher  zu  lüften.

d.  So  gefährlich  es  also  ist,  die  Kohlensäure  einzuatmen,  so  kann  man  sie  doch  ohne
Gefahr  in  den  Magen  bringen.  Sie  verleiht  sogar  dem  Wasser  und  Bier  den  frischen,  erquickenden
  Geschmack  und  macht  sich  in  diesen  Flüssigkeiten  in  Gestalt  kleiner  Bläschen  bemerkbar.
  Beim  „Sauerbrunnen“  sehen  wir  die  Kohlensäure  in  Form  von  Perlen  aufsteigen.

15.  Schweflige  Säure  und  Schwefelsäure.  a.  Streiche  ein  Streichholz  an!  Es  entsteht
  (durch  Verbrennen  des  Schwefels)  eine  bläuliche  Flamme  und  ein  stechender  Geruch.
Der  Schwefel  verbindet  sich  nämlich  mit  dem  Sauerstoffe  der  Luft,  und  es  bildet  sich  ein
neuer  luftförmiger  Körper,  die  sogenannte  „schweflige  Säure“.  Man  benutzt  sie  zum  Reinigen
  der  Zeuge  von  Fruchtflecken  (Weinflecken,  Kirschflecken  u.  a.),  zum  Bleichen  von  Seide,
Wollstoffen,  Strohhüten  u.  s.  w.

b.  Von  der  schwefligen  Säure  unterscheidet  man  die  „Schwefelsäure“.  Sie  enthält
mehr  Sauerstoff  als  die  schweflige  Säure.  Man  stellt  sie  in  Bleikammern  her.  Zunächst
verbrennt  man  in  einem  großen  Ofen  Schwefel.  Die  dadurch  entstandene  „schweflige  Säure“
leitet  man  durch  einen  Kanal  in  Bleikammern.  Das  sind  Räume,  die  aus  Bleiplatten
zusammengefügt  sind.  (Blei  wählt  man,  weil  dies  von  der  Schwefelsäure  am  wenigsten
angegriffen  wird.)  Auf  dem  Boden  der  Bleikammer  stehen  Gefäße  mit  Salpetersäure.  Auch
wird  beständig  Wasserdampf  in  die  Kammer  geleitet.  Die  schweflige  Säure  entzieht  nun
der  Salpetersäure  Sauerstoff,  verbindet  sich  mit  dem  Wasserdampfe  und  bildet  so  einen  neuen
Körper,  die  „Schwefelsäure".  Der  Rest  der  Salpetersäure  ersetzt  seinen  Verlust  an  Sauerstoff
  sofort  wieder,  indem  er  beständig  den  Sauerstoff  der  atmosphärischen  Luft  an  sich  reißt.

c.  Die  Schwefelsäure  hat  ein  großes  Bestreben,  sich  mit  Wasser  zu  verbinden.  Gieße
etwas  Schwefelsäure  auf  ein  Stück  Holz!  Es  erhält  ein  schwarzes  Aussehen,  wie  wenn
es  verkohlt  wäre.  Die  Schwefelsäure  entzieht  nämlich  dem  Holze  den  Wasser=  und  Sauerstoff
  und  läßt  nur  den  Kohlenstoff  zurück.  Reibt  man  eine  blinde  Kupfermünze  mit  einem
Läppchen,  das  mit  verdünnter  Schwefelsäure  angefeuchtet  ist,  so  wird  sie  blank.  Man  gebraucht
  deshalb  Schwefelsäure  auch  zum  Putzen  metallener  Geräte.  (Uber  Schwefel  s.  S.  2651)

16.  Stärke.  a.  Zerreibe  einige  rohe  Kartoffeln  auf  einer  Reibe!  Die  geriebene
  Masse  übergieße  unter  stetem  Umrühren  mit  etwas  kaltem  Wasser!  Alsdann
  seihe  die  breiartige  Masse  durch  ein  Seihtuch  oder  durch  ein  engmaschiges
Sieb  und  laß  nun  die  hindurchgeflossene  milchige  Flüssigkeit  eine  Stunde  ruhig
stehen!  Bald  klärt  sich  die  Masse.  Oben  sammelt  sich  klares  Wasser.  Gießt  man
dieses  ab,  so  erhält  man  einen  weißen,  dichten  Bodensatz.  Das  ist  Stärke.  Solche
Stärke  läßt  sich  auch  von  Weizen,  Mais,  Roggen  u.  s.  w.  gewinnen.

b.  Besonders  wichtig  ist  die  Stärke  als  Nahrungsmittel.  Ehe  sie  in  den
Magen  gelangt,  beginnt  ihre  Verwandlung  in  Zucker.  Das  geschieht  namentlich
mit  Hilfe  des  Speichels.  Ohne  diese  Verwandlung  ist  die  Stärke  nicht  gut  verdaulich.
  Die  stärkehaltige  Pflanzennahrung  darf  deshalb  nicht  zu  schnell  verschluckt