— 697 wundet und das im Boote befindliche Gewehr ge- Deulsch · Neu · Guinea. Bericht 8. M. S.„Möwe“. Gelegentlich der letzten Anwesenheit S. M. S. „Möwe“ bei Tamara wurde ein Offizier im Dampf- beiboot nach Berlinhafen geschickt und zwar zu Ver- messungszwecken und um sich von der Nothwendigkeit des Anlaufens von Berlinhafen zu überzeugen. Der Stationsvorsteher Herr Lüster war nicht anwesend, sondern als einziger Europäer ein Zimmer- mann. die Eingeborenen vollständig friedfertig und harmlos, und lag weder eine Befürchtung von Uebergriffen seitens derselben vor, noch waren gegen solche irgend welche Vorsichtsmaßregeln getroffen. Seit Uebernahme der Verwaltung durch die Re- gierung hat auch der stellvertretende Gouverneur keinerlei Requisitionen für das Anlaufen von Berlin- hafen eingereicht. . Aus diesem Grunde hat S. M. S. „Möwe“ ge- legentlich der letzten Reise nach Neu-Guinea Berlin- hafen nicht angelaufen. Bericht der Expedition 8. M. S. „Möwe“. Ueber eine Expedition der deutschen Polizeitruppe an Bord S. M. S. „Möwe“ berichtet der Kaiserliche Gouverneur aus Herbertshöhe, den 8. August 1899, Folgendes: Kurz nach meinem Eintreffen in Herbertshöhe theilte mir der Kommandant S. M. S. „Möwe“, Herr Kapitän Dunbar, mit, daß er in nächster Zeit mit der „Möwe“ auf einige Monate zum Docken nach Sydney gehe. Er sei bereit, falls erforderlich, einer alsbaldigen Requisition zur Erledigung drin- gender Angelegenheiten noch vorher Folge zu geben. Eine Rücksprache mit dem Käeiserlichen Richter Dr. Schnee ergab, daß an einigen Punkten des Schutzgebietes ein sofortiges Eingreifen durchaus wünschenswerth sei. Es wurde daher von mir an den Kommandanten S. M. S. „Möwe“ das nach- stehende Ersuchen gerichtet: „Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich ergebenst zu ersuchen, zum Schutze der auf der Ostseite Neu- Mecklenburgs befindlichen Europäer mit S. M. S. „Möwe“ gegen einige dortige Eingeborenenstämme vorzugehen, welche in letzter Zeit verschiedene Mord- und Raubanfälle begangen haben. In Panakondo (Ostseite Neumecklenburgs, südlich der Gardener- Inseln) wurden im Februar d. Is. 10 Bukas und 1 Neupommer, welche von dem weißen Händler in Kapsu zu Handelszwecken in einem Boote die Küste hinabgesandt waren, von den Eingeborenen ermordet. Die Letzteren erbeuteten dabei 2 Winchester-Gewehre und 2 Revolver mit Munition. Im Juni d. Is. wurde ein weiteres Boot desselben Händlers von den Eingeborenen von Putput (nördlich von Kapsu) angegriffen, wobei ein Buka lebensgefährlich ver- Nach den Aussagen dieses Letzteren waren raubt wurde. Falls nicht bald gegen die Ein- teborenen vorgegangen wird, sind weitere Mordthaten auch gegen Europäer zu befürchten. Ferner stelle ich das ergebenste Ersuchen, in den Admiralitäts-Inseln zum Schutze der dort befind- lichen Europäer die Flagge zu zeigen. Wie bereits in dem diesseitigen Schreiben vom 13. April d. Js. dargelegt, sind die drei Händler, welche sich früher in den Admiralitäts-Inseln niedergelassen hatten, in den Jahren 1893 und 1894 durch die dortigen Eingeborenen ermordet worden. Die beiden seit vorigem Jahr dort befindlichen Händler haben bereits mit den Eingeborenen Kämpfe zu bestehen gehabt. Es find jetzt mehrere Schiffe nach den Admiralitäts- Inseln unterwegs, welche dort nach Perlschalen fischen und mit den Eingeborenen Handel treiben wollen. Es erscheint dringend nothwendig, daß bald eine bewaffnete Macht dort gezeigt und, sofern die an Ort und Stelle vorzunehmende Untersuchung der letzten Kämpfe die Nothwendigkeit eines Einschreitens zum Schutz der Europäer ergeben sollte, gegen die Eingeborenen vorgegangen wird. Wie Euer Hochwohlgeboren bekannt, ist für die nächste Zeit keine anderweite Möglichkeit des Ein- schreitens in Neumecklenburg und den Admiralitäts- Inseln gegeben. Im Fall einer Verzögerung sind an beiden Punkten schlimme Folgen zu gewärtigen. Ich bitte, mich und den Kaiserlichen Richter Schnee sowie 20 Mann der Polizeitruppe an Bord zu nehmen.“ Herr Kapitän Dunbar stellte darauf zum 29. Juli die „Möwe“ zur Abfahrt bereit. Die Mitnahme von Herrn Dr. Schnee erschien nöthig, da ich weder die Leute der Polizeitruppe genügend kannte, noch mich mit ihnen in wünschens- werther Weise verständigen konnte; ferner da mir Auftreten und Gepflogenheiten der Südsee-Insulaner unbekannt waren und die Expedition von einem Beamten begleitet sein mußte, dessen Kenntniß der Verhältnisse der Eingeborenen ein richtiges Auftreten und Eingreifen gewährleistete. 20 Mann Polizei- truppe als Expeditionskorps erschien ausreichend, weil ein Kampf gegen größere geschlossene Stämme nicht in Frage stand. - Die Polizeitruppe wurde instruirt, daß zunächst im Allgemeinen friedlich mit den Eingeborenen ver- handelt werden sollte und daß Niemand zu schießen habe ohne ausdrücklichen Befehl, falls er sich nicht in wirklicher Nothwehr befände. Auf Frauen und Kinder dürse überhaupt nie geschossen werden. Der Reisegesellschaft schlossen sich als Vertreter von Firmen, die an der Expedition besonderes In- teresse hatten, die Herren Thiel aus Matupi (Hernsheim & Co.) und Schulz aus Mioko (Deutsche Handels= und Plantagen-Gesellschaft) an. Am 29. Juli gegen 4 Uhr dampfte die „Möwe“ von Herbertshöhe ab, und am 31. um 9 Uhr morgens trafen wir bei den Vorinseln der Admi-