— 137 ihnen kein Leid geschähe. Nach und nach kehrten die Einwohner zurück und zeigten uns den Weg zu den ausgedehnten, großen Farmen, von wo täglich die Lebensmittel geholt wurden. Der Ort Joko liegt auf einem hohen, flachen Rücken des Berglandes, der nach Norden zu steil, nach den übrigen Seiten allmählich abfällt. Gutes Trinkwasser ist auf zwei Seiten nah. Die großen runden Häuser sind nach Fullaart durch Strohwände in kleinere Gruppen getheilt. Ein Graben umfaßt in weitem Umfang den Ort. Die Höhenlage und ein steter Luftzug machen den Aufenthalt für Euro- näer gesund. Hier laufen alle großen Straßen zu- sammen, und zwar die Straßen nach Ngaundere über Bonjere—Jerandi, die Straße nach Tibati über Cheme, die Straße nach Banjo über Jakum— Ngambe und der große Weg nach der Ngillastadt über Talatin. Es ist daher der gegebene Ort zur Anlage einer starken Militärstation. Den Einwohnern wurde gleich bekannt gegeben, daß hier eine Station angelegt werden sollte, doch wurde ihnen erlaubt, vorläufig wohnen zu bleiben, da der Neubau erst bei Eintreten der Trockenheit begonnen werden könnte. Sie schienen sehr erfreut darüber zu sein, weil damit jede Be- druckung von Tibati ausgeschlossen war, und hatten nunmehr nur die Besorgniß, daß das Vorhaben wieder ausgegeben würde. . Nach kurzer Zeit erschien der Häuptling von Joko mit der gesammten Bevölkerung. Er brachte einen Elefantenzahn als Geschenk und war glücklich, als ihm dauernder Schutz zugesagt wurde. Tags darauf erbat der von Tibati abgefallene Häuptling Tina den Schutz der Regierung, der ihm zugesagt wurde. Von nun an kamen beinahe täglich kleinere Wute- bäuptlinge, die den Schutz der deutschen Regierung erbaten. Unter anderen kamen auch die Häuptlinge von Bonjere und Jagandi, welche Ortschaften am direkten Wege nach Ngaundere am Sanaga liegen, und meldeten ihre Unterwerfung. Alle diese Häupt- linge verpflichteten sich, keinen Krieg ohne Einwilli- gung der Station Joko zu führen, die Handelswege zu reinigen und in gutem Stand zu halten. Die Ausführung würde stets kontrolirt. Die Häuptlinge von Wenke, Cheme und Mascharin sandten als Zeichen ihrer Botmäßigkeit Gesandte, die ich sämmtlich auf das Freundlichste empfing. Ja sogar von dem Emir ron Jola erschien am 25. Mai ein Gesandter und überbrachte mir ein Schreiben seines Herrn. Auch der Häuptling Ngane- aus der Ngtllastadt schickte Boten und ließ mir sagen, er würde die geforderte Kriegsentschädigung zahlen und bitte mich, ihn dem- nächst als Ngilla einzusetzen. Am 10. Juni kamen Gesandte des Sultans von Tibati und zeigten dessen völlige Unterwerfung an. Er wolle Alles zahlen, was ich ihm auferlegen werde. Die Gesandten wurden mit dem Bescheid entlassen, der Sultan habe 200 große Elfenbeinzähne und 500 Stück Buckelrinder zu zahlen und er solle gleich einen Bevollmächtigten zum weiteren Abschluß hierher senden. Von seinem persönlichen Erscheinen nahm ich in Anbetracht seiner großen Furcht Abstand, stellte es aber frei. Bereits am 15. Juni kam eine zweite Gesandtschaft aus Tibati, welche der Sultan abgeschickt hatte, aus Besorgniß, die erste werde nicht eintreffen. Ihr wurde das Gleiche mitgetheilt. Ich beschloß nunmehr, so lange mit der ganzen Truppe in Joko zu bleiben, bis der größte Theil der Zahlung eingegangen sei, da ich die Stations- besatzung für zu schwach hielt, um einen nachhaltigen Druck auszuüben. - Den 28. Juni kam mit der Post wiederum ein Gesandter des Häuptlings Ngane aus der Nhygilla— stadt, der mir seine Unterwerfung versicherte. Da dieser Mann den Aufenthaltsort des früheren Feld- hauptmanns von Ngilla, Aimene, kannte, so wurde eine stärkere Patronille unter Führung eines farbigen Unteroffiziers abgesandt, um Timene-Wunga und seine Leute aufzuheben. Dieselbe kehrte nach einigen Tagen zurück. Sie hatte zwölf Dimenelente erschossen und ein Pferd erbeutet. Kimene selbst war jedoch mit Anhang entklommen. Am 9. Juli kam wiederum ein Tibatimann, der um Nachsicht wegen Verzögerung der Zahlung bat. Durch dieses wiederholte Hinhalten aufmerksam ge- macht, traf ich alle Maßnahmen für ein erneutes Vorgehen gegen Tibati. Es zeigte sich denn auch bald, daß diese Gesandtschaften nur bezweckten, uns hinters Licht zu führen, und ich sah mich daher ver- anlaßt, Tibati eine Zahlungsfrist zu stellen, widrigen- falls ich die Feindseligkeiten wieder eröffnen würde. Um einen größeren Druck auszuüben, marschirte ich am 27. Juli mit Leutnant Buddeberg, Ober- arzt Kerksieck, Sergeant Jonczyk und 160 farbigen Chargen und Soldaten nach Cheme, wo ich am 30. eintraf. Cheme ist drei Tagemärsche von Tibati entfernt. Hier fand sich am 2. August eine Gesandt- schaft des Sultans und eine solche der übrigen an- gesehenen Fullas ein, welche um Gnade baten und ungesäumte Zahlung versprachen. Außerdem sagte die Gesandtschaft der Fullas aus, alle Fullas würden den Sultan verlassen, wenn er sich nicht unterwerfe. Am 4. August kamen wiederum Leute aus Tibati. Diese versicherten, die Bevölkerung von Tibati würde den Sultan ausliefern, wenn er nicht zahle. Wenn auch dieses nicht wörlich zu nehmen war, so bestand thatsächlich unter den Fullas und Kaburras eine starke Unzufriedenheit gegen den Lamido wegen seiner viel- fachen Gewaltthätigkeiten. Diese hatte darin Ausdruck gefunden, daß viele Leute mit ihrem Anhang Stadt und sogar Land Tibati verlassen hatten. Da ich befürchten mußte, daß ein längeres Zau- dern nur als Schwäche ausgelegt werde, beschloß ich, zum zweiten Mal in Tibati einzumarschiren, um dadurch meine Forderungen zu erzwingen. Ich brach daher am 23. August von Cheme auf, nachdem ich vorher die Expedition gefechtsmäßig formirt hatte, und zwar: 2