— 189 — indeß befördert die Rhederei es unentgeltlich; Wasser wird kostenfrei verabfolgt, doch müssen die Trink- gefäße selbst beschafft werden; es genügen in dieser Beziehung aus Sackleinwand hergestellte Tröge, die von dem Verschiffer später weiter verwandt werden können. Etwaige kleine Verschläge foll der Ver- schiffer gleichfalls selbst anfertigen lassen. Bei dem Ankauf von Wollschafen und Angora, namentlich bei den ersten größeren Importen, sollte man thunlichst nur das beste Material beschaffen, und zwar nicht nur an männlichen Zuchtthieren, sondern auch an Muttervieh. Zudem ist die Möglichkeit vorhanden, daß infolge des jetzigen Kriegszustandes mancher sein Vieh stark zu vermindern wünschen wird und daher die Preise eher niedriger denn höher sein werden, als die von mir angegebenen. Außer der Besetzung einer Farm mit dem nöthigen Viehstock kommen für einen rationellen Farm- betrieb noch die Einzäunung, die Wasserversorgung und vor Allem die Betriebsleitung in Frage. Die Einzäunung einer Farm und die Durch- theilung derselben durch Drahtzäune erhöht die ersten Einrichtungskosten allerdings nicht unbedeutend, bringt aber so viele Vortheile mit sich, daß man bei einem größeren Unternehmen unter allen Umständen von vornherein darauf Bedacht nehmen sollte. Es bedarf keiner weiteren Erörterung, daß Straußenzucht ohne Einfriedigung überhaupt undenkbar ist, aber auch für die Schafzucht empfiehlt sie sich in hohem Maße. Für letztere sind am empfehlenswerthesten Draht- zäune, die von unten bis zu einer solchen Höhe auf- wärts geflochten sind, daß Raubthiere nicht hinein- dringen können, während oben starker Stacheldraht ein etwaiges Hinüberspringen verhindert. Ein so eingezäuntes Weidefeld macht das Hüten der Schafe gänzlich überflüssig, wodurch erheblich an Lohn und Unterhalt für Hirten gespart wird. Außerdem ge- deihen die Schafe aber, wenn sie nicht über große Flächen hin= und hergetrieben werden, viel besser und können auch des Nachts draußen liegen, was ungleich gesunder ist, als wenn sie in Kraalen eng zusammengepfercht werden. Sie werden auf diese Weise vor Uebertragung von Krankheiten aller Art bewahrt. In der Kapbkolonie, im Freistaat und vor Allem in Australien bewährt und rentirt sich die Einfriedigung des Weidefeldes vorzüglich. Daß auch das Uebertreten nachbarlichen oder durchge- triebenen Viehes sowie die Verseuchung des Feldes durch dasselbe auf diese Weise erfolgreich verhindert wird, braucht nur angedeutet zu werden. Die Aus- gaben werden reichliche Früchte tragen. Dasselbe gilt von den auf die Wassererschließung und Wasserversorgung verwandten Geldern. Wer auch nur flüchtig die von mir oben bezeichneten Länderstrecken durcheilt hat, bekommt bereits durch die große Zahl von Windmotoren, Baggiespumpen, kleineren Dämmen und sonstigen Stauanlagen ein deutliches Bild davon, wie viel in dieser Beziehung in Südafrika geschehen ist. Fast auf jeder größeren Farm findet man ein bis zwei Windmotoren, hier und da auch die vielfach sehr gerühmten Petroleum- motoren und mehrere kleinere Dimme. Ein Beweis dafür, wie sehr eine intensive Bewirthschaftung in dieser Beziehung die Farm zu verbessern und eine ergiebige Ausnutzung des Weidefeldes herbeizuführen vermag, bilden wiederum die vorerwähnten Farmen des July Jackson, auf denen sich zur Zeit ein großer und 14 kleinere Dämme, ferner sechs Wind- pumpen befinden, die fast sämmtlich erst von ihm errichtet worden sind, während früher nur aus den natürlichen, offenen, oft schmutziges Wasser ent- haltenden Wasserstellen getränkt wurde. Nur ein größerer Damm und eine Windpumpe mit drei- zölligen Leitungsröhren wurde zur Frrigation, alle übrigen zum Tränken des Viehes benützt. Dies ermöglichte eine Erhöhung des Viehstockes auf etwa das Doppelte und bewahrt außerdem den Besitzer in sehr trocknen Jahren vor den sonst unvermeid- lichen Verlusten. Nebenbei sei hier bemerkt, daß ein Irrigationswindmotor an Ort und Stelle auf 70 T, die kleineren mit ein= bis zweizölligen Röhren auf 40 & und weniger zu stehen kommen. Da die Grundwasserverhältnisse in Deutsch-Südwestafrika im Allgemeinen nicht schlechter, vielfach sogar bei Weitem besser sind als in der Kapkolonie, so wird sich dort bei systematischem Vorgehen dasselbe erreichen lassen. Gute Tränkevorrichtungen aus Holz oder Cement, die sich leicht reinhalten lassen, sind ebenfalls von Wichtigkeit. Schließlich sollte bei jedem größeren Betriebe von Kleinviehfarmen die Anlage einer Vorrichtung zum Waschen des Viehes gegen die in Deutsch-Südwestafrika unter den gewöhnlichen Ziegen sehr grassirende Räude (scab) von vorn- herein ins Auge gefaßt werden, da durch das sofortige energische Eingreifen beim Auftreten dieser Krankheit großen Verlusten vorgebeugt werden kann. Nach mir gewordenen Mittheilungen sollen übrigens die australischen Heerden von der Räude frei sein. Bei größeren Farmunternehmungen, die nicht von einem einzelnen Eigenthümer betrieben werden, kommt schließlich Alles auf den Leiter derselben an; nur wenn es gelingt, einen durchaus zuverlässigen, praktisch erfahrenen und mit den südafrikanischen Land= und Viehzuchtverhältnissen wohl vertrauten Mann zu gewinnen, wird ein Erfolg gesichert sein. Allerdings wird man tüchtige Kräfte auch ent- sprechend bezahlen müssen. Nach den an ver- schiedensten Stellen eingezogenen Erkundigungen sind solche unter 10 000 Mk. per Jahr nicht zu ge- winnen. Deutsch-Ueu-Guinea. Die Marianen. Einem Bericht des Kaiserlichen Bezirksamtmanns Fritz in Saipan entnehmen wir: