— 2835 — an das Kaiserliche Gouvernement in Kamerun be— richtet. Wir entnehmen dem Berichte das Folgende: Am 18. September fuhr ich mit der Gesellschafts- barkasse G. N. K. III mit dem Gärtner Rudatis und 81 Trägern, die mit Karabinern M/71 bewaffnet und mit je 25 Patronen ausgerüstet waren, von Kamerun nach Mundame, wo ich wegen des starken Stromes im Mungo erst am 20. mittags ankam: am folgenden Tage marschirte ich von Mundame auf der Balistraße ab und erreichte, nachdem ich der Kaiserlichen Station Johann Albrechtshöhe einen Besuch abgestattet hatte, am 26. September Manjeme (Manjimen). Bis hierher hatte mich Herr Gebhardt, ein Angestellter der Gesellschaft Nordwest-Kamerun, mit etwa 20 Trägern begleitet, um die Faktorei, die ich hier begründete, weiter einzurichten. Am 29. Sep- tember brach ich auf, um direkt nach Nssakve an den Croßschnellen zu marschiren; ich verließ die Bali- straße und westlich, durch hohen Urwald marschirend, erreichte ich am Abend die große Ortschaft Ssekang, wo ich die Elefantenjäger Wadiman und Bismarck von Manga Bell traf; die vielen Weyleute, die hier in der ganzen Gegend als Jäger und Händler fast in jedem Dorfe zu finden sind, üben einen gewissen Emfluß auf die Bevölkerung aus und nutzen dieselbe nach jeder Richtung hin aus. Interessant war mir, hier mitten im Urwald eine von den beiden Jägern angelegte Reisplantage zu finden. Bei diesem Marsch passirte ich zum ersten Mal den Oberlauf des Mana Ajo, der hier Baké genannt wird; ich habe den bisher unbekannten Lauf dieses bedeutenden Zuflusses des Mangu (Croß) im Allge- meinen festgestellt, da ich ihn im Laufe der Expe- dition noch wiederholt gesehen und noch dreimal überschritten habe. Von Ssekang marschirte ich direkt nördlich, immer durch ungeheuer wasserreichen Urwald, auf fast ebenem Gelände und ohne merkliche Terrainschwierigkeiten; ich lagerte in folgenden großen Ortschaften: am 1./2. Oltober in Balo, = 2./3. -Abbaß, = 3./4. := Bakut am Aja (vorzügliche Hängebrücke über den Fluß), = 4.5. 6 RNkogo am Aja. Die Ortschaften liegen etwa fünf bis sechs Stunden voneinander entfernt, und in allen fand ich Wey- jungens, Lagos-, Accra= oder Sierra Leone-Händler. Am 5. Oktober überschritt ich auf einer vorzüg- lichen Hängebrücke den 60 bis 70 m breiten, reißen- den und anscheinend schiffbaren Aja (Baklé) und er- reichte nach kurzem Marsch bei Babong die große Straße von Rio del Rey nach Nssakve und von Babong aus in zwei Tagemärschen, während deren ich die Ortschaften Inukun, Ajaukwe, Neu-Rssalpe passirte, das Feldlager der Croßschnellen-Expedition Nssakpe und unsere Faktorei Rssakpe, die, 20 Minuten von dem Feldlager entfernt, da liegt, wo früher das Dorf Nssakpe gestanden hat. Von Rssakpe aus bereiste ich die in der Nähe der deutsch-englischen Grenze gelegenen Ortschaften und Salzquellen und kartographirte die ganze Gegend sorgfältig. Die sogenannten Croßschnellen existiren nicht bezw. sie sind während der Regenzeit nicht zu sehen, und die englischen Dampfer sind vor kurzer Zeit über die Croßschnellen hinweg viele Meilen weit hinaufgefahren; ein englisches Kanonenboot hat in der Nähe von Nssanakang (Nssangandep), das heißt oberhalb der Croßschnellen, Schießübungen abgehalten. Nssanakang ist ein sehr wichtiger Handelsplaß und wegen der dort befindlichen starken Salzquelle für uns von größter Bedeutung. Von den in jener Gegend befindlichen Salzquellen habe ich die von Assakpe, Nssanakang, Benjan besucht. Der Salzgehalt ist nach meiner Ansicht sehr stark und in allen gleich hoch. Die Ausbeutung wird keine Mühe und nicht allzu große Kosten verursachen, wenn nicht die Ein- geborenen selbst Schwierigkeiten machen. Während der Regenzeit stehen alle drei Salzquellen, da sie in Flußbetten zu Tage treten, unter Wasser; um trotz- dem die Salzgewinnung weiter betreiben zu können, lassen die Eingeborenen große Thongefäße an langen Stricken in die Quelle hinein, warten einige Minuten und ziehen dann die mit reiner Salzlösung gesüllten Gefäße wieder herauf. Das Salz wird durch Ver- dampfen des Wassers gewonnen und dann in kleinen Päckchen in den Handel gebracht. Die Emgeborenen beschäftigen sich hier so sehr mit der Salzindustrie, daß sie nur kleine Farmen anlegen und selbst Lebens- mittel gegen Salz eintauschen. Nachdem ich die Salzquellen bei Benjan besucht hatte, überschritt ich am 20. Oktober wieder den Aja (70 bis 80 m breit) mit einem großen Kanu, etwa ein bis zwei Tage oberholb von seiner Einmündung in den Croß-Mangu; gleichzeitig mit meiner Kara- wane kam ein großes Kanu mit Calabar-Händlern an der Fähre an — ein Beweis, daß der Fluß schiffbar ist und daß hier schon ein lebhafter Handel stattfindet. Die User des Aja sind sehr hoch und steil, von prachtvollem Urwald bestanden. Von Nkum, am rechten User des Mana-Aja, besuchte ich das große Dorf Mbakem, in dessen Nähe auch Salzquellen sein sollen; von Mbakem ging der Marsch nordwärts durch die Ortschaften Ere und Tawo, wo wir sehr gut ausgenommen wurden, und nach ziemlich an- strengendem Marsch in bergigem Urwaldgelände kam ich am 22. in Ossidjinge am Croß an. Drei oder vier große Ortschaften liegen hier am Fluß zu- sammen; beide Ufer sind stark bevölkert und gut angebaut. Auch hier fand ich viele Calabarleute. Am folgenden Tage überschritt ich nach endlosem Kanu-Palaver den 70 bis 80 m breiten Croß-Mangu; zuerst versuchten die Eingeborenen, mich von meinem Vorhaben, direkt nördlich nach Bali zu marschiren, abzubringen und auf die Balistraße nach Banyang (Desang-Tale), das ich in drei bis vier Tagen hätte erreichen können, zu leiten; sie gaben an, daß die 6