— 275 nach dem Innern 31 031 Lasten Waaren mit 42 201; Karawanenleuten abgegangen. Wie hieraus ersichtlich, findet die Fortschaffung der Handelswaaren mit ge- ringen Ausnahmen immer noch durch Träger statt. Von Bagamoyo zur Kingani-Ebene ist jetzt ein etwa 7 km über Sandboden führender Weg fertig- gestellt, und im Ueberschwemmungsgebiet des Flusses ist bts zu diesem ein 2600 m langer Damm ge- schüttet. Auf der ganzen etwa 10 km langen Strecke bis zum Fluß sind sieben Brückenbauten erforderlich, von denen vier vollendet sind und die Regenzeit gut überstanden haben. Am jenseitigen Ufer ist ein etwa 1500 m langer Damm mit drei bis vier Brücken erorderlich. Bis zur nächsten großen Regenzeit werden diese Arbeiten vollendet sein. Die weiter führenden beiden Karawanenwege sind neu ausgehauen und gesäubert, so daß sie auch Waarentransport durch Lastthiere ermöglichen. Auch die Karawanenwege hinter Saadani sind wieder in Stand gesetzt. Der be- gonnene Straßenbau nach Dar-es-Salämistim Berichts- jahre 15 km weit fertiggestellt und wird bis April 1901 die Grenze des Bezirks Dar-es-Saläm erreichen. Um eine bessere Gerichtsbarkeit und Verwaltung des Bezirks sowie eine geordnete Steuereinziehung durchtühren zu können, wurde der Bezirk auch im Innern in Alidate eingetheilt und diese je einem Akida unterstellt. Die bisherigen Jumben, deren Macht und Ansehen dadurch wesentlich geschmälert wurde, haben sich zum größten Theil an diese Ein- richtung bereits gewöhnt und schätzen sie besonders des- wegen, weil es den Akiden gelungen ist, den Räubereien der Karawanen mit Erfolg entgegenzutreten. Aus der Stadtkasse von Bagamoyo werden außer den allgemeinen Kommunalausgaben auch die Unter- haltung eines Waisenhauses, in dem 36 Waisenkinder Beköstigung, Kleidung und Unterricht erhalten, sowie der Unterhalt von durchschnittlich 30 erwerbsunfähigen armen Leuten, für welche seitens der Stadt acht Armenhäuser erbaut sind, bestritten. Die Sicherheit und Ruhe ist im Berichtsjahre, abgesehen von einem Falle von Widersetzlichkeit eines Jumben an der Westseite der Nguruberge, nicht ge- stört worden; selbst in dem von dem aufgelösten Bezirk Saadani übernommenen Theile Useguha, dessen Jumben bis vor etwa zwel Jahren noch als unsicher bezeichnet werden mußten, sind keinerlei Störungen vorgekommen. Ramerun. Üamensänderung. Zeaoeckmäßigkeitsgründe haben es angezeigt er- scheinen lassen, für den Sitz des Gouvernements eine von dem Namen des Schutzgebietes unterschiedliche Bezeichuung zu wählen. Demgemäß hat von jetzt an die Ortschaft „Kamerun" den Namen „Duala“ zu führen, wobei dieser Name gemäß den Bestim- mungen über die Rechtschreibung der Ortsnamen in den Schutzgebieten mit einem l zu schreiben ist. Expedition des Gouverneurs nach den Eroßschnellen. (Hierzu eine Karte.) Wie bekannt, hat Gouverneur v. Puttkamer zu Anfang dieses Jahres eine Expedition nach den Croßschnellen unternommen. Ueber diese Reise be- richtet Herr v. Puttkamer nunmehr, wie folgt: Nssakpe, den 31. Januar 1901. Am Sonnabend, den 12. d. Mts., verließ ich Busa, um eine Inspektionsreise in das Rio del Rey- gebiet anzutreten. Der Merkwürdigkeit halber lasse ich nicht unerwähnt, daß ich den Weg von Buöa nach Victoria zum ersten Mal in einem mit einem Tene- riffapony bespannten Dogcart zurückgelegt habe; nach Fertigstellung der im Bau befindlichen massiven Brücken über den Limbefluß, jedenfalls noch vor Eintritt der diesjährigen Regenzeit, wird der Weg auch für größere und schwerere Fuhrwerke be- nutzbar sein und dem öffentlichen Verkehr übergeben werden, wobei es selbstverständlich ist, daß einzelne Stellen immer noch des Ausbaues und der Nach- besserung bedürfen. In Victoria war ich am 13. von Reisevorbereitungen und Erledigung von Re- gierungsgeschäften in Anspruch genommen und schiffte mich am 14. morgens 7 Uhr auf dem Dampfer „Helene Woermann“ ein, mit dem ich am Mittag desselben Tages um 1 Uhr in Rio del Rey eintraf. Bis hierher begleitete mich der stellvertretende Be- zirksamtmann Dr. Meyer, welcher im dortigen Bezirk Lokaltermine abzuhalten hatte. In Rio del Rey traf ich meine mit „Nachtigal“ vorausgesandte Expedition an, bestehend aus Oberleutnant (jetzt Hauptmann) der Kaiserlichen Schutztruppe Glauning, Polizei- inspektor Biernatzki mit 11 Mann Polizei, Polizei- meister Brückner, dem als ehemaligen Oberlazareth-- gehülfen die Apotheke anvertraut war, 144 Trägern nebst Lasten und zwei Maulthieren mit Köchen, Waschleuten, Dienern und Ordonnanzen, — im Ganzen etwa 170 Farbige. Die Zeit vom 14. bis 17. d. Mts. war der Inspizirung der Station und der Erledigung größerer Palaver gewidmet, und wurde das Gros der Expedition in Marsch gesetzt; am 18. fuhr ich mit der Dampfbarkasse der Gesellschaft Nordwest- Kamerun durch eine Reihe unnnterbrochener Mangrove- Wasserläufe nach dem kleinen Ododopdorf Mossun- Gussili, wo das feste Land beginnt und Lager be- zogen wurde. Am 19. erster Marschtag durch hohen Bergwald, reich an Schluchten, Wasserläufen und Hindernissen aller Art, welche hier wie später von den kräftigen Maulthieren recht gut genommen wurden. Diesen Charakter behält der Weg bis Nssakpe und zu den Croßschnellen, ist übrigens fast überall von den umliegenden Dörfern in einer Breite von meh- reren Metern gut gereinigt, ja theilweise sogar mit brauchbaren Brücken versehen, ein greifbarer Erfolg der außerordentlich zweckmäßigen Thätigkeit der vor- jährigen Strafexpedition des Hauptmanns v. Besser. Das Quartier Ekonattu, ein größeres Ododopdorf, zeichnet sich durch originelle Bauart der Häuser aus;