— 447 hat sie aber unter keinen Umständen. In Gegenden wie diese, also solchen, in denen viele Flußläufe und grasreiche Gelände anzutreffen sind, kann der An- siedler auf 3000 ha eine Wirthschaft ins Leben rufen, die ihm nicht allein eine Existenz, sondern auch schnelles Fortkommen sichert. In der Kapkolonie sind die Farmen ja nie größer als etwa 3000 ha, und ein Vergleich zwischen den dortigen als gut be- kannten Distrikten mit den hiesigen fällt keineswegs zum Nachtheil der letzteren aus. Hauptsache bleibt es stets, daß die Farmen richtig gewählt und dem- entsprechend vermessen werden. Unbedingt noth- wendig aber ist es, daß der Ansiedler, sobald er die Wahl getroffen und die Farm sein eigen nennt, cigenhändig die Sache in Angriff nimmt, d. h. unter eigener Aufsicht arbeiten läßt, denn nur auf diese Weise läßt sich das Richtige treffen. Mit der lokalen Regierung haben wir alle Ur- sache zufrieden zu sein, denn ihr Bestreben geht dahin, den Hindernissen Rechnung zu tragen und etwaigen Wünschen der Oeffentlichkeit nach Kräften entgegenzukommen.“ —□. .— Deutsch-Reu-Guinra. Reise des Gouverneurs v. Bennigsen nach den Rarolinen und palau- Inseln. Gouverneur v. Bennigsen hat in der Zeit vom 4. Februar bis 23. März d. Is. eine Dienstreise nach den Karolinen und Palau-Inseln unternommen, über die er, wie folgt, berichtet: . Am 4. Februar verließ ich Herbertshöhe, um mit dem „Stephan“ über Nusa nach Ponape zu fahren. In Nusa überzeugte ich mich von dem erfreulichen Fortgang der Stations= und Wegebauten und der Kokospalmenpflanzung. Bis zum 1. April werden 10 000 Pflanzen seitens der Station gesetzt sein. Die kleinen Palmen gedeihen ausgezeichnet. Die Pflanzungskosten sind äußerst gering. Ponape ward am 10: morgens erreicht. Bei unserer Ankunft lagen im Hafen S. M. S. „Cormo- ran“, der Postdampfer der Jaluitgesellschaft „Oceana“, die Bark des Händlers Hitschfield und zwei nord- amerikanische Walfischfänger. Diese beiden Walfisch- sänger, die einzigen, welche im Laufe des Jahres die Insel Ponape angelaufen hatten, waren allen Anforderungen der deutschen Verwaltung ohne be- sonderen Druck in loyaler Weise gerecht geworden. Dieser Umstand wird dadurch erklärt, daß durch Briese eines Häuptlings von Ponape die warnende Nachricht nach St. Francisco gelangt war, daß ein deutsches Kriegsschiff mit dem Auftrage, Uebergriffe der Besatzungen von Walfischfängerbooten zu verhin- dern und erforderlichenfalls die Befolgung der deut- schen Vorschriften mit Gewalt zu erzwingen, sich in den östlichen Karolinen aufhalten werde. S. M. S. „Cormoran“ war vor Kurzem mit Herrn Vizegouverneur Dr. Hahl im Rukarchipel ge- wesen, und Erhebliches war dort für die Herstellung der Ruhe in dieser Inselgruppe erreicht worden. Das wichtigste Ergebniß dieser Expedition war die Ueber- führung und Bestrafung der japanischen Händler wegen Waffenschmuggels gewesen (Kol. Bl. S. 318). Auf der Insel Ponape herrschte tiefster Frieden. An eine Entwaffnung der Eingeborenen, welche große Vorräthe an Gewehren und Schießbedarf noch aus spanischer Zeit besitzen, ist aber vorerst nicht zu denken. Die strenge Durchführung des Verbots, Waffen und Munition an die Eingeborenen zu verkaufen, in Ver- bindung mit den zu erhoffenden dauernden friedlichen Verhältnissen wird aber nach und nach dazu führen, daß die Eingeborenen den Besitz von Feuerwaffen und Munition weniger hochschätzen, als bisher, und schließlich der Abgabe der für sie überflüssig gewor- denen Waffen besonderes Widerstreben nicht mehr entgegensetzen. Der Gesundheitszustand der europäischen Beamten in Ponape und deren Frauen war ausgezeichnet, hingegen genossen das Regierungslazareth und die Sprechstunden des bei den Eingeborenen sehr ge- schätzten Dr. Girschner nach wie vor reichlichen Zu- spruch seitens der Eingeborenen. Malaria ist auch während der Regenmonate nicht zur Behandlung ge- kommen, so daß nach den bisherigen Erfahrungen Ponape als malariafrei angenommen werden kann. Am 22. morgens trafen wir vor Yap ein und sahen dort zu unserem Erstaunen und Schrecken den Lloyddampfer „München" auf dem linksseitigen Riffe der Hafeneinfahrt festsitzen. Die „München“ war, auf der Fahrt von Herbertshöhe nach Hongkong in den Hafen unter Führung eines als zuverlässig gel- tenden farbigen Lootsen hineingehend, innerhalb der schmalen Hafeneinfahrt von einer schweren Regenboe überrascht worden und, da sie für diese Einfahrt überhaupt reichlich groß ist, auf das Riff gedrückt worden. Menschenleben waren nicht verloren ge- gangen. Die Beamten waren wohlauf. Die Verwaltung hatte seit der Zeit der Uebernahme bei den Einge- borenen stets Vertrauen und das weitgehendste Ent- gegenkommen gefunden. Die Bevölkerung ist intelli- gent, friedliebend und stets gern bereit, die von dem bei ihnen sehr beliebten Bezirksamtmanne zu Hafen- und Wegebauten verlangte Arbeit zu leisten. Die über die ganze Insel unter Leitung des Bezirksamts gelegten Wege sind zum Theil wahre Kunstbauten. Leider haben innerhalb der letzten Jahre zwei Tai- fune, lang anhaltende Dürre und eine von Manila eingeschleppte Blattkrankheit der Kokospalme die Kopraproduktion beeinträchtigt. Der Regenfall war in den letzten Monaten reichlich, und die früher nur in Perioden von etwa fünf Jahren wiederkehrenden Taifune werden nun hoffentlich ein paar Jahre aus- bleiben, so daß die früher schon einmal 1000 Tons Kopra pro Jahr betragende Ausfuhr Yaps wieder erreicht wird.