Auf diese Weise wird die Erde derart bewegt, daß nach fünfmaligem Behacken die Pflanzen in der Mitte des Furchenrückens stehen; ist dies der Fall, so fährt man mit dem Behacken fort, aber ohne Erde zu bewegen. Drei bis fünf Leute behacken 1 Hektar pro Tag. Das Behacken wird erst dann eingestellt, wenn der Umfang der Pflanzen diese Arbeit erschwert. Das Pflücken findet drei= bis viermal statt. Es wird mit der Hand ausgeführt. Die Baumwolle einer jeden Hülse muß gesondert und vorsichtig ab- gezogen werden, so daß kein Teil der Hülse mit abgeht, wodurch die Baumwolle verdorben werden würde. Der Pflücker trägt ein großes Hemd, welches er in Schurzform an den Hüften befestigt. In dieses legt er die gepflückte Baumwolle. Wenn das Hemd gefüllt ist, entleert er die Baumwolle in einen Sack und fährt so sort. Die Baumwollpflücker sind Knaben, welche beim ersten Pflücken mit 1,7 Pf. für 1 kg Samenbaumwolle, doppelt so hoch beim zweiten Pflücken und mit 4¼ Pf. pro Kilo beim dritten Pflücken bezahlt werden. Das erste Pflücken beginnt im Süden des Nil- deltas ungefähr Ende August oder Anfang September, im Norden ungefähr drei Wochen später. Das zweite Pflücken findet ungefähr einen Monat nach dem ersten stait und das dritte Pflücken wiederum drei Wochen später. Der Durchschnittsertrag an Samenbaumwolle ist 7½ Kantars (1050 kg) pro Hektar, aber 20 bis 25 Kantars (2800 bis 3500 kg) pro Hektar sind nicht ungewöhnlich. Die Zahl der Fruchtkapseln an einem Strauch kann von 6 bis zu 300 oder mehr betragen. Diie Säcke mit Baumwolle, welche unterwegs gesammelt worden ist, werden abends in das Lager- haus getragen, wo sie behufs Ablöhnung der Pflücker gewogen werden. Die Baumwolle wird ausgebreitet, damit kein Gärungsprozeß eintritt. Selbstentzün- dung der Baumwollfasern scheint durchaus nicht un- bekannt zu sein. Da die zuerst gepflückte Baumwolle die beste ist, sollten die Ergebnisse der verschiedenen Pflückzeiten sorgfältig getrennt gehalten werden. Wenn die letzte Ernte eingebracht ist, werden die Stauden meist herausgerissen und als Feuerholz verwendet. Wenn man aber die Stauden 60 cm über dem Boden abschneidet und Wurzeln und Stumpf im Felde stehen läßt, so kann man ein Jahr später abermals eine kleine Ernte minderer Qualität erzielen. Wenn die Stauden ausgerissen werden, können Klee, Weizen, Gerste oder Bohnen im Felde gesät werden. Die Baumwolle nimmt das Feld für die Dauer von acht bis neun Monaten in Anspruch. Der Fellache gint seine Baumwolle nicht. Ent- weder verkaust er die Samenbaumwolle, oder er läßt sie durch eine Gesellschaft ginen, welche den Baumwollsamen als Bezahlung für das Ginen be- hält. Wenn für das Ginen bezahlt wird, so ver- langen die Gesellschaften 1 Mk. 40 Pf. für das Ginen von 140 kg Samenbaumwolle oder sie nehmen 116 — dafür 36 Liter Baumwollsamen, der einen Wert von ungefähr 1,06 Mk. repräsentiert. Aus dem Baum- wollsamen wird in Agypten Ol hergestellt. Die großen Gesellschaftsetablissements sind, wie auf das Ginen der Baumwolle, auch auf das Auspressen des Baumwollsamenöls eingerichtet. Baumwolle darf, wenn sie trocken gehalten wird, bis zum Ginen zwei Wochen liegen bleiben. Das Ginen wird durch „Knife gins“ 7) bewerk- stelligt. Dieselben sind etwas über 1 m breit und kosten vollständig 450 Mk. Zum Betrieb sind 3½ bis 4 Pferdekräfte erforderlich. Sie ginen etwa 140 kg Samenbaumwolle pro Stunde, was etwa 44 kg Lintbaumwolle gibt. Es ist einleuchtend, daß im Lagosgebiet das Ginen entweder durch die Re- gierung oder durch Gesellschaften wie in Agypten besorgt werden müßte. Die Mit Affifivarietät trägt 1417 bis 1785 kg Samenbaumwolle pro Hektar. Jeder Kantar von 140 kg Samenbaumwolle ergibt 89 kg Samen, 44 kg Lintbaumwolle; 7 kg müssen für Verlust ge- rechnet werden. Der Durchschnsttsertrag pro Hektar kann daher mit 1600 kg Samenbaumwolle, oder 1016 kg Samen und 508 kg Lintbaumwolle ange- nommen werden. Die Abassivarietät ist pro Kantar etwa 1 Dollar *) weniger wert als die Mit Affifi- varietät. Wenn die Baumwolle nach dem Ginen sehr trocken ist, so wird sie mit Wasser besprengt, welches eine Temperatur von 76½ " C. hat. Das ist eine sehr schwierige Arbeit, welche mit größter Sorgfalt ausgeführt werden muß. Das Pressen der Baum- wolle geschieht mit hydraulischen oder Dampfpressen. Eine Dampfpresse kostet komplet 61 300, eine hydrau- lische Presse 20 400 Mk. Die Kosten des Pressens einschließlich Sackzeug und Bändern betragen 68,8 Pf. pro Kantar zu 140 kg. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die in Lagos kultivierte Baumwolle andere Feinde haben wird, als diejenigen sind, welche dieselben Pflanzen in Agypten schädigen. Die hauptsächlichsten ägyptischen. Schädlinge sollen hier erwähnt werden, einmal um zur Vorsicht bei Einführung dieser neuen Kultur zu mahnen, wie auch, um von vornherein, soweit mög- lich, das Eindringen von Krankheiten der Baum- wollpflanze zu verhindern. 1. In Agypten kommt eine Blattlaus auf den Blättern der Baumwollpflanzen vor. An der Aus- sonderung dieses Insekts wächst ein kleiner Pilz, dessen dunkle Staubfäden die Baumwolle schädigen. Die Fellachen wenden Holzasche als Gegenmittel an. 2. Eine Motte legt ihre Eier auf den Blättern unterhalb der Epidermis ab, und die Raupen dieses Insekts nähren sich von den Blättern und jungen *) Es ist wohl eine Art Waljzengin gemeint. *“) Wenn der ägyptische Medjidiedollar gemeint ist, was aus dem englischen Text nicht hervorgeht, so beträgt der Wertunterschied 2 Mk. 12 ½ Pf.