— 156 Alter erklärlich, daß man den künftigen Beruf des einzelnen, insonderheit seine innerliche Veranlagung und Entwickelung für den Dienst an der Jugend oder an der Gemeinde noch nicht klar voraussehen konn, darum sollen die ersten Lehrjahre der Mittel- schule noch nicht der direkten Vorbereitung auf ein Gehilfcnamt dienen, sondern zur Grundlegung einer festen realen Bildung ausgenutzt werden, selbstver- ständlich in dem Maße, daß die innerliche Vertiefung in Gottes Wort in gleicher Weise fortschreitet. Das erste Vierteljahr galt fast ausschließlich den Vor- arbeiten, die nötig waren, um die zunächst noch recht verschiedenartigen Elemente auf eine einheitliche Stufe zu bringen. Dies war am Schluß des Jahres im wesentlichen erreicht. Wir haben jetzt in der Mittel- schule eine kleine, innerlich angefaßte, äußerlich fleißige und fröhliche Schar, aus der unter Gottes Beistand manch tüchtige Kraft für unsere Arbeit hervorgehen kann.“ Auch eine Verkündigungsreise in Deutsch-Ostafrika von Pastor Peters erzählt von dem wachsenden Ver- trauen der Eingeborenen zu den Missionaren und von dem allgemeinen guten Eindruck, den die Ver- kündigung des Wortes Gottes macht. Aus Nkoaranga am Meru (Deutsch-Ostafrika) berichtet Miss. Krause in dem „Leipziger Evangel.- lutherischen Missionsblatt“: Zur Weihnachtsfeier waren Männer und Jungen in großer Anzahl erschienen, so daß unser Gottes- häuschen gedrückt voll war und viele auf dem Gange hocken mußten. Muß man gleich hier inmitten eines wilden, heidnischen Volkes auf so viele Weihnachts- freuden verzichten, welche die Heimat bietet, auf die schönen Gotteshäuser, auf den weihevollen Klang der Orgel, auf das Zusammensein mit einer andächtigen Gemeinde u. a., so wird dies alles doch mehrfach aufgewogen durch die unvergleichliche Weihnachtsfreude, wenn man sieht, wie auch in tiefer, heidnischer Finsternis das Licht des Herrn hervorbrechen will wie die Morgenröte, und wie vor eigenen Augen das Wort des Propheten sich ersüllt: „Und die Heiden werden in deinem Lichte wandeln.“ — Das alte Jahr ist zur Rüste gegangen, und wir können Gott nicht genug loben und danken für alles das, was er uns in ihm erwiesen hat. Als wir im Februar des vergangenen Jahres hierher zogen, mag mancher für das neue Missionsunternehmen gebangt haben, doch der Herr hat es gelingen lassen und uns beschirmt vor aller Not. Wo vor zehn Monaten noch ein wüster, undurchdringlicher Busch war, ist jetzt eine kleine Missionsstation entstanden, wo auch der schwarze Mann gern weilt. —5 In Stuttgart besteht ein besonderer Verein für evangelische Mission in Kamerun, dessen Aufgabe ist, die dortige Baseler Mission zu unterstützen. Dieser Verein hat jetzt seinen sechzehnten Jahres- bericht erscheinen lassen, der auch über den jetzigen Stand der Baseler Mission in Kamerun Auskunft gibt. Der im Jahre 1902 an Basel abgelieferte Beitrag beläuft sich auf 49 235 Mk. 18 Pf. Be- sonderer Dank für die gewährte Unterstützung wird dem König und der Königin sowie der Herzogin Wera von Württemberg, dem Großherzog von Baden und dem württembergischen evangelischen Konsisto- rium ausgesprochen. Von der letzten Weihnachtsfeier in Lome (Togo) schreibt P. Kost im „Steyler Missionsboten“: „In diesem Jahre begingen wir zum ersten Male das Weihnachtssest in der neuen Herz-Jesu-Kirche. Welch ein Gegensatz gegen früher! Alles konnte sich auf das prächtigste entfalten, und die schönen goti- schen Gewölbe erglänzten von dem Widerscheine der zahlreichen Lichter, welche die Lome-Christen zu Ehren des göttlichen Kindes geopfert hatten. Daß die ganze Kirche bis auf den letzten Platz besetzt war, ließ sich erwarten. Höchst befriedigt und erbaut ver- ließ nach Beendigung des Gottesdienstes die große Zahl der Besucher das Gotteshaus, und alle waren einig darin, daß die Lome-Christen dem lieben Gott und den Wohltätern großen Dank schulden für die schöne geräumige Kirche, und daß die Feier der Weihnacht in den früheren Jahren in der alten Kapelle nicht entfernt an die diesjährige Festesfeier heranreiche. — Kurz vor dem Feste, am Sonntag den 21. Dezember, empfingen 28 Männer und Knaben und 18 Frauen und Mädchen die Tause.“ In demselben Blatte berichtet P. Lauer aus Porto Seguro (Togo): „Am 19. Dezember wurde zum ersten Male in der Außenstation Anjorokope das Sakrament der Taufe in feierlicher Weise gespendet. Vor etwa 11K/ Jahren hatte der erste Unterricht daselbst be- gonnen. Bei der Nachricht hiervon drückten mehrere hiesige Einwohner ihre Verwunderung darüber aus, daß wir in diesem Ort, der ein Hauptherd der Gift- mischer sei, eine Schule errichten wollten. Außerdem ist in Anjorokope der Tempel des Blitzfetisches, dessen Macht sich bis zu dem drei Stunden entfernten Porto Seguro erstreckt. Das Volk von Anjorokope scheint indes weit besser zu sein als sein Ruf. Von Anfang fanden wir an dem Häuptling einen einsichtsvollen Mann, der mit Freuden auf unseren Plan einging und seine Mithilfe bei Errichtung der Schule in Aussicht stellte, zumal alle Familien mit ihm ver- wandt seien. Seinem Einfluß ist es auch zu ver- danken, daß schon bald seine Leute eine nach hiesigen Verhältnissen schöne Schule erbauten, die am 9. April eingeweiht werden konnte. Der Eifer der Kinder im Schulbesuch stand nicht zurück hinter dem Fleiß der Alten beim Schulbau. Bei den Katechesen fand man aufmerksame und willige Zuhörer. 22 Knaben im Alter von 8 bis 16 Jahren wurden, nachdem