W 329 20 etwa 50 mit Speeren und Schwertern bewaffneten Eingeborenen. Unser Weg führte zunächst durch die Pflanzungen der Eingeborenen, dann im Fluß- bett des Adler-Flusses stromaufwärts. Er ging dann abbiegend meist in nordwestlicher Richtung durch dichten, sumpfigen und von schweren Regen völlig aufgeweichten Busch. Nachmittags kamen wir durch die verlassenen früheren Pflanzungen der Logamu-Leute und marschierten später im Bachbette eines in den Adler mündenden Neben- ilüßchens. Schon den ganzen Tag über hatten wir zahlreiche frische Spuren bemerkt, die vor uns herliefen. Von den Logamu-Leuten wurde mir erklärt, die Spuren stammten von einem Kund- schaftertrupp der Lahé-Womba, die offenbar die Gelegenheit zu einem neuen Überfall auf ihr Dorf hätten erspähen wollen. Meine Hoffnung, die offenbar kurz vor uns hermarschierenden Leute einzuholen, erfüllte sich leider nicht. infolgedessen gegen Sonnenuntergang im Fluß- bett Lager bezogen. Obwohl wir uns ganz dicht in der Nähe der Niederlassungen der Lahs-Womba befanden — wir konnten während der Nacht deut- lich das Geschrei vom Tanzfeste hören —, zündeten wir Feuer an und kochten ab, weil unser Lager nach Angabe der Logamu-Leute niedriger lag als das Dorf der Lahs-Womba. Am andern Morgen Zing es eine Stunde im Flußbett auswärts, als wir ganz nahe die Trommeln der Lahs hörten. Von den Logamu-Leuten wurden mir die Zeichen dahin ausgelegt, die Lahs riefen zur Arbeit in den Pflanzungen. Das Flußbett verengte sich; bei einer Biegung erreichten wir die ersten Hütten, das Dorf war gerade verlassen, die Feuer brannten noch vor den Hütten. Diese selber waren nichts weiter wie armselige Alangschober, wie sie der Eingeborene in wenigen Augenblicken zum Zwecke vorübergehender Nächtigung baut. Ohne uns aufzuhalten, wateten wir im Flußbett weiter; halb im Laufschritt ging es durch eine kleine Trrecke gerodeten Busches, und dann begann der Anstieg auf einen kleinen Alanghügel, der leider bbensosehr den Blicken ausgesetzt war, wie er selber eine vorzügliche Aussicht ins Tal und in die Ferne bor. Wir befanden uns auf den westlich des Adler gelegenen Ausläufern der Rawlinson-Berge. Auf dem nächst höheren Alanghügel (uns gegen- über) bewegte sich ein Trupp von etwa fünfzehn ingeborenen, die, obwohl wir uns rasch ins Gras niederwarfen, verdächtige Geräusche wahrg haben mußten. Da wir zweifellos bemerkt waren, 1 5 ich Feuer geben. Ein kurzes, sehr heftiges Schnellfeuer genügte, um die Eingeborenen zur schleunigsten Flucht zu veranlassen. Mit An- pannung der äußersten Kräfte wurde die Ver- solgung wieder ansgenommen, leider erfolglos; auch Tote oder Verwundete wurden nicht gefunden. Es wurden. Wenn man bedeukt, daß die Polizeitruppe schon eine gute Strecke im Laufschritte vorgegangen war, daß sie im äußersten Tempo bei praller Sonnen- hitze den kerzengrade ansteigenden Pfad im Alang hatte emporklimmen und dann, noch mit den Trag- lasten bepackt, hatte Feuer geben müssen, dann wird der Mißerfolg erkärlich erscheinen. Ich hatte anfangs auf das passierte Dorf zurückgehen wollen, entschloß mich dann jedoch, nach dem Markham-Tal zu marschieren, da mir von meiner letzten Expedition her das Vorhanden- sein von Dörfern der Lahé-Womba auf dem linken Markham-Ufer bekannt war und ich diese unbemerkt zu erreichen hoffte. Der weitere Vormarsch brachte uns bald auf den Kamm der sogenannten Mark- ham-Berge, der eine so interessante und pracht- volle Aussicht gewährte, daß wir mit allen Stra- pazen der Expedition versöhnt waren. Rückwärts ferne glänzte das Meer mit den deutlich sicht- baren Mündungen des Adler und Markham, rechts vor uns stand in imposanter Kette der Gebirgszug der Rawlinson-Berge, links vor uns in bläulichem Dunst am fernen Horizont grüßten die Herzogberge, zwischen beiden Gebirgsketten schimmerten zu unseren Füßen die Flußbetten des Adler und Markham, die man bis zu ihrer Ver- einigung (oder vielmehr bis zu ihrer Trennung, denn es ist ein einheitlicher Fluß, der dem Meere in zwei großen Armen entgegengeht) deutlich ver- folgen konnte. Gerade vor uns aber öffnete sich das Tal des Markham-Adler-Flusses, jene sagen- hafte Ebene im Innern, jene große Steppe, die bis zum Ramu-Flußgebiet reichen soll und den Schauplatz der geheimnisvollen Erzählungen alter Neu-Guinea-Buschleute bildet. Der Abstieg ins Markham-Tal war steil und äußerst beschwerlich. Am äußersten Seitenarm des Markham wurde kurze Mittagsrast gehalten. Der Sicherheit halber hatte ich einen Posten aus- gestellt, und wir waren gerade daran, unser fru- gales Mahl zu beginnen, als ein Schuß fiel. Ich eilte alsbald zu dem Posten und sandte eine Pa- trouille von sechs Mann vor. Der Posten hatte, wie sich später ergab, auf drei des Weges kommende Eingeborene geschossen, obwohl er sich hätte ver- bergen können. Durch die Patrouille wurde dann festgestellt, daß sich ein größeres Dorf der Ein- geborenen in der Nähe befand. Die Eingeborenen, welche sich in den Pflanzungen befanden, waren natürlich durch den Schuß alarmiert und hatten schleunigst die Flucht ergriffen. Ein Erfolg konnte nicht mehr erzielt werden. Ich trat daher den Weitermarsch nach dem Markham an. Erst mit Sonnenuntergang konnte die ermüdete Truppe Lager beziehen. Der Marsch, der am nächsten Morgen den Markham am linken Ufer abwärts führte, war für