W 161 20 ich sehr ermüdet ins Lager zurück und setzte den Marsch erst am andern Nachmittag fort, nachdem wir für alle Fälle zwei große Wassersäcke gefüllt hatten. Wir verfolgten das an unserem Lager- platz mündende Revier und bogen nach ungefähr 12 km in ein Nebenrevier nach Westen ab, wo wir zwei Schilfstellen und ein stark brackiges Regenwasserloch fanden. Diese Schilfstellen waren, wie sich später herausstellte, Klein= und Groß-Aub. Am nächsten Morgen verfolgten wir das Revier weiter, das immer enger und steiler wurde, bis wir vor einem steilen Aufstieg standen, den die Maultiere allerdings spielend nahmen. Dagegen kamen die Kamele nicht mehr vorwärts. stürzten und waren nicht hochzubringen, während die andern nicht mehr weiterklettern wollten. Wir holten nun die Maultiere zurück und brachten mit diesen die Last hinüber. Dann zogen, schoben und trieben wir die entlasteten Kamele einzeln bis auf die Höhe, wozu wir vier Stunden brauch- ten. Der Abstieg war leichter und schnell über- wunden. Doch waren die Kamele durch den Aufstieg so angestrengt, daß ich sie mit den beiden Reitern und einem Eingeborenen zurückließ, wäh- rend ich selbst mit den beiden andern Eingebo- renen weiter zum Oranje ritt, wo ich nachmittags ankam. Die Kamele trafen erst abends ein. Hier lief von Nordwesten eine breite Fläche zum Oranje, auf der wir auf eine wenig aus- gefahrene Pad stießen, die zum Oranje führte. Die Berge traten weit zurück; ungefähr 3 km vor dem Oranje erhoben sich bis zum Fluß mächtige, unbewachsene Sanddünen, in denen jede Wagenspur aufhörte. Das Oranjegebüsch gewährte uns etwas Schutz gegen den Sandsturm. Wir waren alle derartig erschöpft, daß wir wieder einen Ruhetag nötig hatten, den wir auch zum Reparieren der stark mitgenommenen Kamel- sättel und vor allem unserer Kleider gebrauchten. Aber wo befanden wir uns? Ich sagte Sendlingsdrift, Pitt bezeichnete den Bergrücken, der ungefähr 6 km flußabwärts an den Oranje trat, als Loreley. Wir ritten an diesen Berg heran; ich habe dabei einige Aufnahmen gemacht. Bei Loreley mußte nach der Kriegskarte der nördlichste Punkt des Oranje sein. An diesem Berge, wo wir uns befanden, machte der Oranje eine scharfe Biegung nach Süden (s. Bild Jakals- water). Steil fiel der Berg zum Fluß ab, an dem dichtes, undurchdringliches Gebüsch stand. Nach dem Kompaß konnte ich auch nicht feststellen, ob diese Stelle oder die erste, die wir bereits umgangen hatten, nördlicher läge. Ich suchte nach einem Fußweg durch die Berge, die aber so zerklüftet waren, daß ich den überanstrengten Kamelen eine nochmalige Kletterei nicht zumuten wollte. Als mir Pitt auch noch versicherte, daß Zwei er jetzt wirklich wieder Bescheid wüßte und mich über Namus nach Sendlingsdrift führen würde, hielt ich diesen Berg auch für Loreley, entschloß mich, Pitt zu folgen, und ritt zum Lagerplatz zurück. Wäre ich eine halbe Stunde weiter in die Berge gegangen, dann hätte ich gesehen, daß diese bald einer weiten Fläche Raum gaben, und daß der Oranje in großen Windungen weiterfloß, die, weil auf der Kriegskarte angegeben, mich sofort orientiert hätten. Am 29. Oktober rückten wir mit zwei ge- füllten, großen Wassersäcken vom Oranje ab. Pitt führte zuerst die gleiche Pad, die wir herunter- gekommen waren, wieder zurück und bog nach 20 km in nordwestlicher Richtung ab. Am nächsten Morgen zeigte er mir in einer engen Felsschlucht ein Wasserloch, das nach seiner Angabe Groß-Aub sein sollte; von hier nach Namus wäre es nicht mehr weit, mittags könnten wir schon in Namus sein. So folgten wir ihm weiter; es wurde Mittag, ohne daß wir Namus erreichten. Immer weiter ging es revieraufwärts, bis wir endlich gegen Abend die Höhe erreichten, die zu einer breiten Fläche steil abfiel. Bei diesem Aufstieg stürzte nur ein Kamel; während des Abstiegs zur Ebene zerbrachen uns aber leider die letzten Flaschen Rotwein. Als wir auf halbem Wege zu Tale waren, sahen wir in der Ebene eine Staubwolke, die sich schnell nach Norden zu bewegte. Ich lief sofort vollends hinunter, bestieg ein Maultier und galoppierte auf die Staubwolke los, aus der schließlich der Bezirksamtmann von Lüderitzbucht hervorkam. Dieser kehrte eben von einem In- spizierungsritt nach Angwigarub-Sendlingsdrift zurück und ein gütiges Geschick führte ihn mir hier in den Weg. Er orientierte mich und be- schrieb mir Obib. Wir befanden uns also auf der Pad Witpüts—Numeis—Obib, ungefähr in der Nähe von Gamgarib. Nach kurzem Aufent- halt trennten wir uns; der Bezirksamtmann setzte seinen Weg nach Witpüts fort, während ich der Pad nach Numeis folgte. Nach Angabe des ge- nannten Beamten liegt Numeis am Schnittpunkt der Pads Witpüts—Obib und Witpüts— Send- lingsdrift und hat wenig Wasser. Da es deshalb für mich nicht in Betracht kam, ritt ich nachts daran vorbei und traf am Morgen in Obib ein. Obib liegt in einer Felsschlucht, 200 m öst- lich der Pad, die hier von der im allgemeinen südlichen Richtung eine kleine Biegung nach Osten macht. Am Eingang zur Felsschlucht sieht man verlassene Werftplätze. Obib hat Grabwasser, das reichlich zuläuft. Das Tränken der Tiere war etwas umständ- lich, da das gegrabene Wasserloch so eng ist, daß