— 511 20 Die koagulierten Teile bleiben beim Durchgießen der Milch durch ein Tuch auf demselben zurück und werden zum Sernamby getan. Die schon koagulierte Milch, sowie der von den Bäumen abgesammelte Gummi (Sernamby) wird zum halben Preise be- rechnet. Die Milch wird bei der Ablieferung mit Marken bezahlt, die beim Wareneinkauf in der Venda, dem Verkaufslokal der Pflanzung, sowie bei den Geschäftsleuten der Umgebung als Bargeld in Zahlung genommen werden. Am Ende jeder Woche werden die Marken auch auf der Pflanzung selbst gegen Bargeld umgewechselt. Die Arbeiter, welche die Milch weiter verarbeiten, stehen im Tagelohn und erhalten 1000 bis 1500 Reis pro Tag, andere Feldarbeiter 600 bis 1000 Reis. Handwerker, wie Zimmerleute usw., bekommen bis zu 5000 Reis pro Tag. Die Gummimilch liefert je nach der Feuchtigkeit der Witterung und der Eigenart der Bäume 50 bis 60 v. H. trockenen Gummi, so daß aus 2¼ 1 Milch etwa 1¼ kg trockener Gummi gewonnen wird. Der auf das Kilo Gummi entfallende Arbeitslohn stellt sich demnach auf etwa 1500 Reis. Der Ertrag des einzelnen Baumes an trockenem Gummi ist schwer festzustellen, da während der sechsmonatlichen Arbeitszeit nicht alle Bäume täglich gezapft werden. Nach Schätzung des Leiters der Pflanzung beträgt er etwa ½ Pfund per Baum, und die Lebensdauer eines Baumes kann bei regel- mäßiger, vorsichtiger Zapfung auf 10 bis 14 Jahre angenommen werden. Da die Zapfung erst mit dem sechsten Jahre beginnt, ist die Ertragsfähigkeit auf 6 bis 8 Jahre beschränkt. Während dieser Zapfzeit entwickelt sich aber so viel junger Nach- wuchs zu zapffähigen Bäumen, daß die Produktions= fähigkeit auf gleicher Höhe erhalten werden kann. Auf den Manicobapflanzungen im Staate Cearáä+ wird meistens noch etwas andere Bodenkultur ge- trieben, gewöhnlich werden Mandioca, Mais, Bohnen, Kaffee und Zuckerrohr angepflanzt. Während Man- dioca, Mais und Bohnen nur dem eigenen Bedarf oder dem des Arbeiters dienen, werden Kaffee und Zuckerrohr oder der aus dem Zuckerrohr gewonnene Branntwein (Cachaca) auch verkauft. Auf der „Brazilian Plantation-Estate Ltd.“ wird die Ver- arbeitung von Zuckerrohr in größerem Maßstabe betrieben; die Produktion beträgt dort jährlich etwa 75 000 1 Branntwein (Cachaca). Die Art der Herstellung ist die gleiche wie im Staate Pernam- buco; davon wird noch die Rede sein. Die von mir besuchten Manicobapflanzungen im Staate Ceará werfen, soweit sie sich im Besitze ausländischer Gesellschaften befinden, meist keine oder nur eine geringe Rente ab, trotzdem die hohen Preise des Gummis unter normalen Verhältnissen wohl einen Gewinn lassen müßten. Teilweise liegt dies daran, daß die Anlage sich zu teuer stellt, weil nicht ökonomisch gewirtschaftet, teilweise auch daran, daß die Pflanzung bei ihrer Umwandlung in eine Gesellschaft zu hoch bewertet wurde. So wird z. B. von der „Brazilian Plantation-Estate Ltd.“ erzählt, daß diese Pflanzung seiner Zeit für 150 000 Milreis angekauft und daß sie bei ihrer Umwandlung in eine Gesellschaft mit 180 000 S bewertet worden ist. (Schluß folgt.) Die Baumwollindustrie in Oittel-Europa. Von dem Spezialagenten des Department of Commerce and Labor W. A. Graham Clark ist kürzlich in Washington eine Druckschrift unter dem Titel „Cotton Fabrics in Middle Europe: Ger- many, Austria-Hungary, Switzerland“ erschienen, welche dem amerikanischen Repräsentantenhause vorgelegt worden ist. In der Schrift sind be- sonders eingehend die Verhältnisse der deutschen Baumwollindustrie geschildert und durch Berichte der amerikanischen Konsuln in den beteiligten Hauptindustrieplätzen erläutert worden. — — Baumwollentkörnung der Ernte 1908 in den Vereinlgten Staaten von Amerika. Die Zensusabteilung des Bundesamts für Handel und Arbeit in Washington hat am 20. März 1909 ihren Bericht über die Menge der bis Ende Februar durch die Entkörnungsan— stalten der Vereinigten Staaten von Amerika ge— gangenen Baumwolle der Ernte 1908 heraus- gegeben, welcher annähernd die ganze Saison umfaßt, jedoch Anfang Mai durch einen Schluß- bericht ergänzt werden wird. Das Durchschnittsgewicht der Baumwollballen im Baumwollerntejahre 1908/09 beträgt diesem Berichte nach 505,8 amerik. Pfund gegen 502,2 im Vorjahre und 510,9 im Jahre 1906/07. Um einen sicheren Vergleich des Ernteergeb- nisses zu ermöglichen, ist das Gewicht der Ernte in Ballen von 500 Pfund umzurechnen, wonach sich das diesjährige Ergebnis auf schätzungsweise 13 563 942 Ballen (je zwei zylindrische gleich einem würfelförmigen gerechnet) stellt gegen 11 375 461 Ballen im Vorjahre und 13 595 498 Ballen 1906/07. Zu dieser Gesamtmenge lieferten in 1000 Ballen: Alabama 1372, Arkansas 1056, Ge- orgia 1977, Louisiana 486, Mississippi 1702, Nordkarolina 661, Oklahoma 705, Süd-Carolina 1193, Tennessee 359, Texas 3908, andere Staaten 136. Sämtliche Zahlen schließen Linters (die den Samenkörnern anhängenden Fasern, welche erst in den Olmühlen von denselben entfernt werden und in diesem Jahre eine Menge von annähernd 400 000 Ballen ausmachen dürften) ein.