B863 2 Von diesen Klassen verdient Nr. J besondere Beachtung. Nach Angabe einiger bedeutender Holzimportfirmen Deutschlands sollen für den UÜberseehandel nur Stämme in Betracht kommen, die über 60 cm Durchmesser haben, also die der Klasse I. Da nun für den Export fast ausschließ- lich nur der Stammschaft, nicht das in der Krone enthaltene Derbholz von Bedeutung ist, so wurde in einer besonderen Zusammenstellung noch die Schaftmasse der Stöckeklasse 1 berechnet. Die Länge der Schäfte vom oberen Ende des Wurzel- anlaufs bis zum Kronenansatz bzw. bis zu etwaigen Fehlstellen, die den Nutzwert des Schaftes beein- trächtigen könnten, wurde im Wald mit dem Höhenmesser ermittelt; zur Berechnung der Schaft- masse bedurfte es aber noch des Mittendurch- messers des Holzkörpers, und da dieser nicht direkt zu messen war, mußten für seine Berechnung noch erst besondere Unterlagen beschafft werden. Der Durchmesser eines Stammes nimmt normalerweise — Ausnahmen kommen vor — von der Basis nach der Krone zu ab. Weiß man, wieviel die Durchmesserabnahme auf einen laufenden Meter Stammlänge beträgt, so kann man aus einer Basismessung den Durchmesser in jeder beliebigen Höhe des Schaftes wenigstens annähernd errechnen. Zur Ermittlung dieser durchschnittlichen Durch- messerabnahme boten die Schlagflächen bei Bekili in der Mukonje-Pflanzung günstige Gelegenheit. Der Forstassessor Freiherr v. Riedesel hat dort an 64 Stämmen die erforderlichen Messungen vorge- nommen, und der hieraus errechnete durchschnitt- liche Verlustprozentsatz von 1,36 cm auf einen laufenden Meter wurde, soweit nicht für einzelne Holzarten spezielle Ergebnisse vorlagen, für die Schaftmassenberechnung benutzt. Die erste Probefläche wurde in sekundärem Urwald, 2 km westlich Kumba am Wege Kumba— Buea, aufgenommen. Die ermittelte Masse betrug 457 fm. Den Hauptanteil an der Masse hatte, wie vorauszusehen war, die Stammkklasse I mit 81 v. H. In dieser Klasse befinden sich wahr- scheinlich alte Uberhälter, die ehemals bei der Urbarmachung der Fläche stehengeblieben waren, vielleicht auch einige von den wenigen Stämmen, denen es gelingt, sich durch das Unkraut hindurch emporzuarbeiten. Charakteristisch für das Wesen des sekundären Waldes ist, daß die Klasse VI 89,5 v. H. aller Stämme enthält. Es ist dies der junge Nachwuchs, der durch das dichte, üppig wuchernde Unkraut nicht in die Höhe, zu voller Entwicklung kommen kann. Ein großer Teil hiervon ist durch die Last der Schlinggewächse krumm gezogen, abgebrochen oder erstickt. Nur der Schirmbaum ist in allen sechs Klassen ver- treten, ein Beweis dafür, daß er fast allein von den auf der Fläche vorhandenen 94 Holzarten imstande war, des Unkrauts Herr zu werden. Wesentlich anders gestalteten sich die Ergeb- nisse bei der nächsten Probefläche, die in primärem Urwalde an steilem Berghang in der Nähe der Station Johann-Albrechtshöhe ausgenommen wurde. Die Masse betrug hier 894 km, wovon aber auf die erste Klasse nur 55 v. H. entfallen. Trotzdem beträgt die Masse der Nutzschäfte 410 km. Klasse VI enthält hier nur 52 v. H. aller Stämme. An sog. Edelhölzern war in der weiteren Umgebung der Station nicht mehr viel zu finden. Njabi und Buscheiche sind durch die Lieferungen für die Tischlerei in Buea bereits fast ganz ver- schwunden, und das Ebenholz wird von den Ein- geborenen, die es in kleinen Blöcken an die Faktoreien liefern, systematisch ausgerottet. Mit Hiebsverboten wird bei der schwierigen Kontrolle nicht viel auszurichten sein, es muß vielmehr die künstliche Nachzucht dieser Holzarten mit allen Mitteln betrieben werden. Von Johann-Albrechtshöhe begab sich die Expedition auf die Mukonje-Pflanzung, wo gerade die Fällungsarbeiten in vollem Gang waren, und nahm auch dort zwei Probeflächen auf, wieder eine im sekundären, die andere im primären Walde. Hier zeigte sich deutlich, daß der sekun- däre Wald infolge früherer Besiedlung entstanden ist, denn nach dem Niederlegen traten überall Gruppen von Olpalmen, die nicht mitgehauen wurden, hervor. Dies Gebiet ist offenbar recht dicht besiedelt gewesen, und deshalb haben auch die Reste primären Waldes anscheinend früher durch gelegentliche Holzentnahme Einbuße erlitten. So erklärt sich wohl die verhältnismäßig geringe Masse der Probefläche im primären Urwald von Bekili von 581 fm Derbholz. Es wäre verkehrt, aus diesen vier Probe- flächen schon weitgehende, allgemeine Schlüsse ziehen zu wollen. Aber sie geben einen gewissen Anhalt für die Schätzung. Man wird im sekun- dären Walde dieses Gebietes mit etwa 300 fm pro Hektar rechnen können, wovon rund 150 fm auf die exportfähige Schaftmasse entfallen, während für den primären Wald die Zahlen etwa 700 bzw. 300 betragen. Eine Schätzung, wie groß der Anteil des Waldes überhaupt am Gesamt- gebiet ist und in welchem Flächenverhältnis pri- märer und sekundärer Wald zueinander stehen, wird am besten der Bezirksleiter vornehmen können. Für die Bewirtschaftung des Waldes wird man den Schluß ziehen können, daß ein Nachhalt- betrieb am einfachsten und billigsten beim primären Urwald durchzuführen ist. Im sekundären Walde wird die Bekämpfung und Fernhaltung des Un- krautes ein ständiges zahlreiches Arbeiterpersonal erfordern und daher viele Kosten verursachen.