W 1094 20 durchschneiden die Grenzlinien das Gebiet eines Stammes und sind noch dazu den Eingeborenen völlig unbekannt. Natürlich hat die deutsche Re- gierung die Anfrage zustimmend beantwortet, und die Einrichtung bewährt sich gut. In allen Kommissionen, die jetzt mit Festlegung der end- gültigen Grenzen beauftragt sind, sind sich beide Regierungen über die Nützlichkeit und Notwendig- keit klar geworden, so weit angängig, natürliche Grenzen zu finden. Ein anderes Beispiel. Als der Aufstand der Hottentotten ausbrach, fochten englische und deutsche Truppen Seite an Seite, um gemeinsam den Häuptling Morenga zu unterwerfen und zu ver- bannen. Durch die wirksame Hilfe der britischen Kolonialverwaltung gelang es, Simon Copper, einen Hottentotten-Kapitän, dessen ursprüngliche Jagdreviere hauptsächlich auf deutschem Boden lagen, festzuhalten und auf ein bestimmtes be- schränktes Gebiet zu setzen, das für ihn und seinen Stamm in Britisch-Betschuanaland reserviert wurde. Als anderseits in Britisch-Südnigeria eine britische Abteilung, die zur Unterstützung einer Grenz- regulierungs-Expedition ausgeschickt worden war, mit den Munschis in Schwierigkeiten geriet und in Gefahr war, von einer überlegenen Anzahl der Eingeborenen angegriffen zu werden, kam das deutsche Kommando sofort zu Hilfe und ver- hinderte schwerwiegende Folgen. Der komman- dierende deutsche Offizier hatte den Befehl, auf deutschem Boden zu bleiben; aber als er seines Nachbars Lage erkannte, zögerte er nicht, dem Befehl entgegen zu handeln, durchdrungen von dem Gefühl der Solidarität und guten Kamerad- schaft. Er wurde im Kampfe verwundet und mehrere seiner Leute wurden getötet. Nun, meine Herren, alles dieses, obwohl gut und edel auf der einen wie auf der andern Seite, geschah nicht aus moralischen Rücksichten, sondern in Aner- kennung des Prinzips der Gleichheit der Inter- ossen aller weißen Nationen; es geschah, weil wir wußten, daß aufrührerische Eingeborene, welche die Grenzen überschreiten, eine Gefahr bedenten, sowohl für die Nation, die sie bekriegen, als für diejenige, mit der sie zufällig im Frieden leben und daß ein Sieg Eingeborener über eine weiße Truppe sofort auf die Sicherheit aller übrigen zurückwirken würde. Aber lassen Sie mich Ihnen gleich hier sagen, daß es bei Staatsgeschäften der Nationen genau ebenso ist wie bei Geschäften Privater. Jedes Geschäft, das der ethischen Grundlage entbehrt, ist scharfer Kritik unterworfen, und gute Verwaltung und gute Nachbarschaft werden immer Hand in Hand gehen, wie in den Fällen, von denen ich spveben berichtete. Das Hissen der Flagge eines Kolonisators bedentet für ihn wie für die übrige Welt, daß er nicht allein Besitz ergreift vom Grund und Bodrr. sondern daß er auch bereit ist, den Schus N Einwohner zu übernehmen, daß er nicht allen neue Untertanen erhält, sondern auch neue Schüt linge, und daß sein neues Gebiet nicht allen- eine Quelle des Vorteils, sondern auch eine Slüäne des Vertrauens sein soll. In höherem Sinne u diese anerkannte Vormundschaft der europöäischer Nationen über eine ihnen untergeordnete Rasße die innerliche Rechtfertigung zum Kolonifieren. Der erste Schritt zur Erfüllung dieser Verpflichtung beruht, wie ich vorhin schon ausführte, in der Befestigung des Friedens unter der Flagge und der Errichtung einer unparteiischen und unbeeins#uß baren Rechtspflege. In zweiter Linie gilt es, de allgemeinen Verhältnisse der neuen Untertanea kennen zu lernen. Der afrikanische Eingeboreme, der zum ersten Male mit der Zivilisation in Be rührung kommt, ist verhältnismäßig unerfahrer, und während ihm die Zivilisation unzweifelte Vorteile bringt, drohen ihm doch anderseits de durch auch Nachteile. Am verhängnisvollsten wirkt dabei auf den Eingeborenen der Alkohol. Die unminelbore Nachbarschaft der verschiedenen Kolonien und die Abwesenheit natürlicher Grenzen macht den Kam# gegen diese Geißel zu einem gemeinsamen Inter- esse aller Kolonisatoren. Ich freue mich, sager zu können, daß, während einige andere Nanonen in der Erkenntnis der Notwendigkeit dieses Kampie- zurückgeblieben sind, England stets bereit gewe##r ist, auch in diesem Punkt mit meinem Vaterland Hand in Hand zu gehen, in voller Anerkenn#uns der Tatsache, daß nicht allein unsere Vormund schaft über die Eingeborenen uns eine lolcr Pflicht auferlegt, sondern auch wirtschaftliche Ver- sicht, die uns gesunde Arbeiter unter den En. geborenen erhalten soll, zu ihrem eigenen und unserem Vorteil. Denn den größten Teil des tropischen Afrikas kann der Weiße nicht allein wirtschaftlich erschließen. Seine Persönlichkeit und seine größeren Kenntnisse mögen viel dazu dei- tragen, bessere Methoden einzuführen und damn bessere und höhere Erträge zu erzielen. Chne seine Führung, sei es nun die der Beamten, d# Pflanzer oder der Kaufleute, wird vom Schwarzen sehr wenig erreicht werden; der größte Teil der wirklichen Arbeit, der niedrigen Arbeit, jedech muß von ihm, dem Schwarzen, ausgeführt werden. und das besonders in einem Lande, wo das g#er- wöhnliche Arbeitstier wegen der Tsen#geia nicht gezüchtet oder gehalten werden kann, und wo es nur wenig künstliche Verkehrsminel gitl. Ohne einen gesunden und kräftigen Arbeiternand können wir nicht kolonisieren, und deshalb babe# wir alle das gleiche Interesse, den Gebrauch ven Alkohol zu beschränken — eine Bewegung, ½#