W 1100 e aus dem Bahnbau selbst zweifellos folgenden Steigerungen der Zolleinkünfte reichlich Deckung finden wird. Südwestafrika. Die bisherige Entwicklung des Eisenbahnwesens in Südwestafrika entspricht, wenn auch nicht überall dem ersten Anlasse nach, der Aufgabe, dem Lande die Wege vom und zum Weltmarkte zu öffnen, zu verkürzen und zu verbilligen. Ganz folge- richtig und naturgemäß sind die Verkehrsstraßen von jedem der beiden einzigen hierfür zur Ver- fügung stehenden Küstenplätze Swakopmund und Lüderitzbucht in das Land vorgestreckt worden; in geschichtlicher Reihenfolge: 1. Die fiskalische Mittelbahn Swakop- mund —Windhunuk, 382 km lang, die Lebens- ader des mittleren Damaralandes, die, aus der Not der Rinderpest geboren, nachmals im großen Hereroaufstande trotz all’' ihrer Unvollkommenheit geradezu die Rettung der deutschen Herrschaft geworden ist. 2. Die private Nordbahn, nämlich a) die Otavibahn Swakopmund — Tsumeb (566 km) mit dem Zweige Onguati — Karibib (14 km) und b) der Seitenlinie Otavi — Grootfontein (91 km) für das nördliche Hereroland; diese Linien sind zur Verwertung der Land= und Berg- werksrechte ihrer Eigentümerinnen, der Otavi- Minen= und Eisenbahngesellschaft (zu a) und der South-West Africa Comp. Ltd. (zu b) erbaut worden, haben aber schon heute große Bedentung für die Allgemeinheit. 3. Die fiskalische Südbahn Lüderitzbucht — Keetmanshoop (366 km) mit der Zweigbahn Sceeheim—Kalkfontein (180 km) als Ein- und Abzugskanal des Namalandes, entstanden in der schweren Zeit des letzten Hottentottenaufstandes und seiner Nachwehen. Die Bahnen zu 1 und 2 haben die Feldspur (60 cm), die zu 3 die Kapspur (1,067 m). geographische Gestalt des Landes im Verein mit dem Umstande, daß das Siedlungs- gebiet fern von der Meeresküste liegt und von dieser durch einen breiten unwirtlichen Streifen getreunt ist, führt hier eher als in unseren anderen Die Kolonien zu dem Erfordernis, die Juerbahmu durch Längsbahnen miteinander zu verbinden. beinem Erfordernis, dem heute eine höhere B. deutung zukommt als der Fortsetzung der Quet. bahnen in der Richtung auf die Binnengrenzen des Landes. Während nun die Nord= und die Mittelbahn untereinander durch die Linie Onguati —Karibib zusammenhängen, liegt zwischen ihnen und der Südbahn ein über 500 km langes bahynloses Gebiet. Dieses mit einem Schienenwege zu er schlirßen, ist die nächste und wichtigste Aufgabe der Eisenbahnpolitik in Südwestafrika. Taneben erwächst die Notwendigkeit, die mit großen Vor- rechten ansgestattete Nordbahn entsprechend ihrer volkswirtschaftlichen, politischen und strategicchen Bedeutung durch Verstaatlichung mehr als bisber unter den Einfluß der Kolonialverwaltung #u bringen. Die Nordsüdbahn Windhuk — Keetmans= hoop soll das Damara= und das Namaland strategisch, politisch und wirtschaftlich einander nähern und die beiden Landeshälften, die deme nur locker zusammenhängen, zu einer Einhen verschmelzen. Daneben erwächst ihr die Ausgabe der örtlichen Sicherung und Erschließung ihres Einflußgebietes. Die Bahn ist auf 528 km Länge und auf 40 000 000 Kosten veranschlagt und soll am 1. April 1912 benntzbar und ein Jahr später völlig fertig sein. Der erste sichtbare Erfolg des Bahnbaues wird die alsbaldige Heimsendung zweier Kom- pagnien der Schutztruppe sein, die diese Ver ringerung ertragen kann in der Gewißheit de- baldigen Besitzes der neuen Bahnlinie. Man darf hoffen, daß nach Eröffnung der Linie weileic Verminderungen folgen können. Gleichzeitig mit dem Neubau sollen die Ar beiten zum Umbau der bestehenden Linie Karibib—Windhuk188 km) ausge führt werden, um dieser Strecke die Vorteile der leistunge- fähigeren Spurweite der Südbahn und der Nord südbahn zuzuführen. Der Bauaufwand hurfür ist auf 11 000 O00 veranschlagt worden. Die alte wie die neue Linie sollen die Kab#ur erhalten.