W 147 2ÖC Im Alter von 8 bis 10 Jahren tritt die Palme in ihre ertragreichste Produktionszeit. Die Frucht der gewöhnlichen Palmensorte hat eine olivenähnliche ovale Form. Die Unterseite ist eingedrückt durch die eng auf der Frucht- spindel stehenden, benachbarten Früchte; sie sind 3 bis 5 cm lang und haben an ihrer dicksten Stelle einen kreisförmigen Querschnitt von 2 bis 4 cm Durchmesser. Während des Wachstums sehen sie dunkelgrün aus, später nehmen sie eine dunkelviolette Färbung an, die allmählich rot- orange wird. Diese Färbung behalten die Früchte vom unteren Ende bis zur Spitze bei; die Spitze bleibt oft dunkelviolett, auch dann, wenn die Früchte überreif sind. Schneidet man eine reife Frucht durch, so findet man außen zuerst eine dünne orangerote Haut, dann stößt man auf ein Gewebe, dessen Zellen eine fetthaltige Masse enthalten. Zwischen diesen Zellen, die in der Längsrichtung der Frucht angeordnet sind, liegen Fasern, und zwar um so dichter, je näher man an den Kern kommt. Der Kern ist von einem dichten Filz solcher Fasern vollständig umschlossen. Auch das Innere seiner sehr harten Schale enthält solche Fasern. Das Innere der Frucht ist in drei und zwei Abteilungen geteilt; viel häufiger enthält es aber nur eine einzige. In den Abteilungen ruhen die Samen, die Palmkerne, die nach Europa aus- geführt werden, und dort ein in der Seifen= und Stearinindustrie sehr geschätztes Ol liefern. Die oben erwähnten Fasern, welche den größten Teil des Fruchtfleisches ausmachen, bilden die bei der Gewinnung des Palmöles verbleibenden Rückstände. 2. Varietät mit weichen Kernen. Die Eingeborenen bezeichnen sie mit dem Namen „Dégbakun.“ Infolge der Ahrlichkeit der Blätter und der Form der Blüten kann man sie nur schwer von der gewöhnlichen Art unterscheiden. Ein leichter Unterschied scheint darin zu bestehen, daß die Früchte eine länglichere Form und hellere Färbung haben. Das Charakteristische dieser Ab- art ist, daß sie einen Kern hat, dessen weiche Schale man leicht mit den Zähnen aufbeißen kann. Schneidet man diese Frucht quer durch, so findet man zunächst eine dünne Haut, darunter ein Gewebe mit ölgefüllten Zellen; die Fasern, die bei der gewöhnlichen Art sich in großer Anzahl im Fruchtfleisch vorfinden, sind bei dieser Art weniger zahlreich. Die Schale des Kernes ist dünner; die Kerne werden größer. Diese Form hat also vor der gewöhnlichen zwei Vorteile: 1. sie hat weniger Fasern und mehr Ol im Fruchtfleisch; 2. die Schale des Kernes ist dünner, der Kern selbst ist schwerer. Die Eingeborenen schätzen diese Form sehr, da ihr Ol klareres Aussehen und einen besseren Ge- schmack hat, als dasjenige der gewöhnlichen Art; sie verarbeiten die Früchte gesondert und ver- wenden das Ol zu ihrem persönlichen Gebrauch. Leider ist diese Art recht selten; man findet sie nur in der nächsten Umgebung der Dörfer. Die Eingeborenen in der Gegend von Portonovo behaupten, daß sich diese Va- rietät durch Samen nicht fortpflanzen läßt. Im Versuchsgarten von Portonovo wurden 500 Früchte gepflanzt, von denen nur 6 ausgekommen sind. 3. Varictät ohne Kerne. Wie Nr. 2 ist auch diese Form ihrem Aus- sehen nach von der gewöhnlichen nur schwer zu unterscheiden. Die weiblichen Blütenstände scheinen stets klein zu sein. Auch die Früchte sind bedeutend kleiner als diejenigen der beiden vorhergehenden Varietäten; als größte Länge kann man 3½, als größten Durchmesser 2½ cm annehmen. In der Farbe unterscheiden sie sich kaum von den Früchten der gewöhnlichen Art. Durchschneidet man eine Frucht, so findet man Fasern zunächst nur in sehr geringer Zahl; doch werden sie zahlreicher je tiefer man in die Frucht hineinschneidet. Die Kerne dieser Abart haben keine Schale; sie sind kugelförmig, sehr klein und nur von einem dichten Netz von Fasern umhüllt. Die Eingeborenen schätzen diese Abart der Elaeis guineensis, die sie in der Djé-Dsi-Sprache „Dédolan“ nennen. Sie gibt nicht viele Früchte und diese verwenden die Eingeborenen nicht zur Bereitung von Palmöl, sondern sie nehmen sie für sich als Nahrung. 4. Fetischvarietät. Von den Eingeborenen „Fadé“ (Orakelpalme) genannt. Sie hat ganze Blätter, die nur da ge- kräuselt sind, wo sonst die Fiederblättchen ansetzen. Ihr seltenes Vorkommen und ihr für das Auge gefälliges Aussehen haben die Fetischleute ver- anlaßt, sie für ihre Kultuszwecke in Anspruch zu nehmen. Die Blütenstände sind kleiner und runder als diejenigen der gewöhnlichen Art; die Früchte sind gleichfalls kugelförmiger und im allgemeinen dunkelviolett mit leichter orangefarbiger Schattie- rung an ihrem unteren Ende. Das Ol der Früchte dieser Palme wird nur von Fetischleuten aufbereitet und dient ausschließlich zu Fetisch= zwecken. Anbau, Pflege und Ernte der OÖOlpalme. Die Olpalme wird in bestimmten Gegenden am Mono und in der Umgebung von Onidah ge-