W 232 20 losem Sande. Die Kamele sträubten sich zunächst, hinabzusteigen. Nach vielen Mühen gelang es, die Tiere zum Strande hinunterzuführen. Sie setzten sich dabei hinten nieder und kamen teil- weise rutschend am Strande an. Ein Kamel war auf halbem Hange hingefallen; da ein Aufrichten an dem steilen Hange ausgeschlossen war, mußte es liegend hinuntergezogen werden. Ein Erklettern des Hanges mit Tieren ist vollkommen unmöglich; uns selbst gelang es nur auf Händen und Füßen zu dem gestürzten Kamel zu kommen. Es erscheint deshalb ausgeschlossen, in dieser Gegend mit Tieren den Rückmarsch nach Osten anzutreten. Wir kamen bei Ebbe an den etwa 10 bis 12 m breiten Strand und marschierten am Strande entlang nach der S. Franziskus-Bucht, an deren tiefsten Ecke die Wasserstelle Naribis (Muschel) liegt. Der Strand ist hier bei Ebbe etwa 20 m breit; dicht an der Düne war ein kleines Wasserloch gegraben, das wir erweiterten und ausbauten. Das Wasser ist vollkommen klar, nicht brackig und floß so reichlich nach, daß die seit dem 11. nicht mehr getränkten Kamele zweimal getränkt und alle Wasserbehälter nachgefüllt werden konnten. Von dem beim Graben ausgeworfenen Sand wurde ein Damm um die Wasserstelle auf- geworfen, um sie möglichst vor der Flut zu schützen. Gegen Mittag trat die Flut ein, vor der wir uus mit den Kamelen auf einen etwas höher liegenden Teil des Strandes zurückziehen mußten. Ein um diese Erhöhung aufgeworfener kleiner Damm bewahrte uns vor dem Naßwerden. Sättel und Gewehre wurden an dem Dünenhang hochgelegt und die Kamele dicht an die Düne herangeführt. Der um die Masserstelle aufge- worfene Damm hatte für diesmal der Flut wider- standen, doch wird das Wasserloch wohl bald wieder durch das Meer zugeschwemmt werden. Von welchem Rivier das Süßwasser, das unter der Düne heraussickert, herkommt, konnte nicht festgestellt werden. Hier trafen mehrere Eingeborene mit drei Kamelen von Norden einz; sie sollten in Spencer- bucht für eine Diamantexpedition Proviant holen. Bei unserem Weitermarsch nach Norden mußten die Kamele zunächst im Wasser laufen und blieben bei jeder herannahenden Welle stehen. Ein Ab- warten der Ebbe war zu unsicher, da die von Norden kommenden Eingeborenen erklärten, daß wir während der Nacht unbedingt an den „schwar- zen Felsen“ sein müßten, da sonst der Strand zu eng sei, um während der Nachtflut einen trockenen Platz zu gewähren, und es unmöglich schien, dies- seits des schwarzen Felsens auf die Düne hinauf- zukommen. Ich mußte deshalb möglichst früh ab- marschieren, um auf jeden Fall den schwarzen Felsen vor der Flut zu erreichen. Nachdem die Flut nachgelassen hatte, machte der Marsch am Strande zunächst keine Schwierigkeiten, bis wir gegen Abend an See-Klippen kamen. Hier hatte die Brandung an dem sehr engen Strand meter- hohe Gischt abgelagert, durch die wir hindurch mußten. Da die Bodenbeschaffenheit des unter der Gischt befindlichen klippigen Untergrundes nicht zu erkennen war, wurde abgestiegen. Wir wateten bis zum Leibe in der alles durchnässenden Gischt und tasteten uns mit den Füßen durch die Klippen vorwärts. Besonders schwierig wurde es während der Dunkelheit, in der sowohl Mensch wie Tier in Wasserlöcher traten, hinfielen und in Gischt verschwanden. Hier fingen einige Kamele an, zu versagen. Sergeant Kadur erhielt den Befehl, diese Kamele mit einigen Leuten nachzu- bringen und möglichst den schwarzen Felsen vor 1 Uhr nachts zu erreichen. Nach sehr anstrengen- dem Marsche durch die Gischt erreichten wir abends den schwarzen Felsen, fanden jedoch hinter ihm nicht genügend Platz für die Kamele. Es wurde deshalb weitermarschiert; auf einer ersteigbaren Düne machten wir endlich, vollkommen durchnäßt, Nachtruhe. In der Nacht wehte ein scharfer, feuchtkalter Wind, unter dem besonders die Kamele zu leiden hatten. Da kein Holz vorhanden war, konnte auch kein Feuer angemacht werden. liber den Marsch der zurückgebliebenen Leute meldete Sergeant Kadur später, daß drei Kamele von der Brandung fortgerissen worden seien, kurz ehe sie nach Mitternacht den schwarzen Felsen erreichten. Unsere Leute hatten die Kamele mit großen Schwierigkeiten durch die Gischt hindurch- bekommen; als während der Nacht die Flut immer mehr stieg, marschierten sie bis zum Leibe im Wasser. Die Wellen schlugen über den Köpfen zu- sammen. Die Kamele vorwärts zu bekommen, hatte große Mühe gemacht; aber auf jeden Fall sollte der schwarze Felsen erreicht werden. Bis dicht an den Felsen kamen die Kamele alle mit — da legten zwei sich hin und wollten nicht mehr aufstehen. Kadur brachte zunächst die anderen Kamele in Sicherheit und stieg mit den Reitern in das Wasser zurück, um die Kamele aufzuheben;: sic brachen jedoch jedesmal in den Knicen wieder zusammen und konnten auch nicht aufstehen, als die Wellen über sie hinweggingen. Man mußte sic deshalb liegen lassen, um selbst aus der Bran- dung herauszukommen. Während der sehr stür- mischen Nacht sind die Tiere von der Brandung fortgerissen worden. Zwei Reiter und ein Eingeborener waren an den unter der Gischt nicht sichtbaren Klippen zu- rückgeblieben, weil schon dort ein Kamel hinge- fallen war. Die Verbindung war in der Dunkel- heit verloren gegangen und beim Getöse der sehr heftigen Brandung nicht wiederherzustellen. Die