W 463 20 Deckung hatte, vollständig aufgerieben worden. Ein unbesonnener Schuß von seiten der Ein- geborenen oder meiner Soldaten hätte der Kolonne sehr gefährlich werden können. Ich trug keine Waffen, um den Leuten meine friedlichen Absichten darzutun. Der größte Teil der Leute war mit guten Zündhütchengewehren, der Rest mit Stein- schloßgewehren bewaffnet. An ein Beschlagnehmen der Zündhütchengewehre konnte ich bei meiner geringen Macht natürlich nicht denken. Durch die feindliche Haltung der Njassa-Leute ließ ich mich aber nicht abhalten, meinen Marsch in der geplanten Weise fortzusetzen. Am 1. Juli morgens wurde der Weitermarsch angetreten. Da in diesem Gebiete gar kein Ver- kehr herrscht, waren die Wege so verwachsen, daß ein Weiterfinden ohne Führer unmöglich gewesen wäre. Auf mein Verlangen nach einem Führer stellten sich eigentümlicherweise der angebliche Häuptling und der Mann zur Verfügung, der mir Tags zuvor beim Betreten des zweiten Ortes das Gewehr entgegengehalten hatte. Ich wurde mißtrauisch, ich glaubte, daß man mich nach einem Hinterhalte verschleppen wollte. Denn die Ort- schaft Njassa ist sehr groß, es sollen gegen drei- ßig Dörfer sein. Auf meinem Marsche kam ich noch durch eine Anzahl Orte von Niassa und erreichte dann die Landschaft Ekowong (ebenfalls Essamangun), wo ich gegen Mittag im Häuptlingsdorfe Lager bezog. Alle Männer und Jungen trugen Gewehre, die aber bei meinem Erscheinen nach und nach ver- steckt wurden. Die Haltung der Leute war nicht feindlich, aber im höchsten Grade frech. So sagte z. B. der Häuptling: So ein paar Soldaten wie ich hätte, wären nichts, soviel hätte im spanischen Gebiete jeder Kaufmann, und es liege nur an ihmn, ob ich durch sein Gebiet käme oder nicht. Geld als Bezahlung für Verpflegung wurde ein- fach zurückgewiesen. Schwierigkeiten für den Weitermarsch wurden mir nicht gemacht, und so erreichte ich, die Ortschaft Ngom passierend, am 3. Juli Nguambang. Dies war mein west- lichster Punkt. Von hier wandte ich mich nordöstlich, Essa- mangun und andere Ntum-Ortschaften durchziehend, und kam am 6. Juli an den Ntem bei der Ort- schaft Njabesan. Nach dem gewonnenen Einblick ist der große Kampobogen, vor allem aber die Südgrenze sehr stark bevölkert, jedoch fühlen sich die Bewohner von Ngoa bis Nguambang zu Spanien gehörig, was sie auch offen aussprechen; die Station Kampo kennen sie nur dem Namen nach, denn alle Eingeborenen gehen zur Erledigung ihrer Handelsgeschäfte nach Bata. Zu berücksichtigen ist nämlich, daß der Hauptteil ihrer Stammes- genossen, und der Oberhäuptling der Essamangun im spanischen Gebiet ansässig sind. Die Essamangun sind ebenfalls Ntum -Leute, liegen aber mit ihren ganzen Bruderstämmen und den Mwei in Fehde. Denn wo ich hin- gekommen bin und gefragt habe: auf die Essa- mangun war man nirgends gut zu sprechen. Bei allen Erzählungen wurden fast immer die Zeichen des Kopfabschneidens gemacht. Kein Ntum und Mwei ist zu bewegen, durch dieses Gebiet zu gehen, er käme auch gar nicht durch. Die Essa- mangun sind ein ausgesprochenes Raubgesindel. Kommt eine Kolonne, mit der sie glauben fertig zu werden, so wird sie einfach angegriffen und ausgeraubt; wer nicht hat entfliehen können, wird umgebracht. Am 6. Juli überschritt ich den Ntem bei Njabesan. Mit dem Überschreiten des Ntem ver- ließ ich zugleich das Ntum-Gebiet, denn Njabesan, am rechten Ufer liegend, ist eine Mwei-Ortschaft. Am 7. Juli erreichte ich Nemajong, wo ich bereits am 1. Juni war, als ich von Bindem aus durchs Mwei-Gebiet marschierte. Von Nemajong ging ich südöstlich und kam, den Nso-Fluß überschreitend, wieder in Ntum- Gebiet. Nach dreitägigem Marsche erreichte ich die Straße Kampo — Nemajong (hier ist das Nemajong am Mwila-Fluß gemeint), bog aber einen Tagemarsch vor Nemajong in die nach Süden führende Straße Bindem — Abumasok— Akonanji ein, da ich den für die Errichtung der Station in Betracht kommenden Ort Abumasok in Augenschein nehmen mußte. Bei meiner An- wesenheit am 25. Juni in dem seit etwa zwei Jahren verlassenen Orte Belun war es aus Mangel an Fahrgelegenheit über den gegen 200 m breiten Ntem nicht möglich gewesen, Abu- masok zu besichtigen. Abumasok kann wegen seiner tiefen Lage und des nur sehr schwachen Verkehrs wohl kaum als Stationsplatz in Frage kommen. Von Abumasok marschierte ich über Misele in zwei Tagen nach Ambam, wo ich am 18. Juli wieder eintraf, und womit der Hauptteil der Ntum- Reise seinen Abschluß gefunden hat. Das von mir bereiste Ntum-Gebiet ist durchweg Waldland mit mittleren Bodenerhebungen. Ur- wald in primärer Form tritt fast nur noch an nicht gut zugänglichen Stellen, wie Sümpfen, Flußufern und Höhen hervor. Sonst trifft man nur Buschland an, in dem schnellwachsende Holz- arten dominieren. Dieses Buschland zeugt davon, daß das ganze Gebiet früher noch viel stärker bevölkert gewesen ist als heute. Nach den Berichten der Ein- geborenen hat früher eine Abwanderung nach