G 58 20 Für die ständige Ausstellung hat das Komitee bereits eine Reihe bedeutender Maschinen= und Gerätefabriken gewonnen. Die auszustellenden Maschinen und Geräte bleiben zum Teil Eigentum der Aussteller; zum Teil sind sie auch dem Ko- mitee zur freien Verfügung gestellt. Eine Platz= miete für die ausstellenden Firmen gelangt nicht zur Erhebung. Unter den Ausstellungsgegenständen seien u. a. genannt: Pflüge verschiedener Systeme, wie Uni- versal-, Schwing-, Hack-, Häufel= und Stelzrad- pflüge, Eggen, Baumwollkultivatoren, verschiedene Geschirre für Maultiere und Ochsen, Maschinen und Geschirre für den Molkereibetrieb, verschiedene Geräte für den landwirtschaftlichen Betrieb, Baumspritzen u. a. Eine Halle von etwa 20 m Länge und 15 m Breite hat das Gouvernement dem Komitee für die Ausstellung kostenlos zur Verfügung gestellt. Bestellungen auf Maschinen und Geräte müssen natürlich von dem Interessenten direkt bei dem Aussteller oder bei einer in der Kolonie ansässigen Handelsfirma erfolgen. Das Komitee kann nur in Ausnahmefällen die Vermittlung übernehmen. * Mit der Ausbreitung des Baumwollbaus in Deutsch = Ostafrika Schritt haltend, haben das Komitee und Interessenten im Laufe der letzten Jahre eine Reihe von Baumwollentkörnungs- anlagen in Deutsch-Ostafrika eingerichtet, und zwar naturgemäß vorwiegend au der Küste und längs der Eisenbahnen, weil dort günstige Trans- portbedingungen vorhanden sind. Gleich günstige Transportbedingungen finden sich am Viktoriasee, der bekanntlich durch die Ugandabahn mit Mom- basa verbunden ist. Infolge des zunehmenden Baumwollanbaus im Bezirk Muansca hat sich die Hinaussendung einer Kraftentkörnungsanlage auch dahin als not- wendig erwiesen. Die erforderlichen Maschinen sind Anfang August nach Muansa verladen worden. Die Anlage besteht aus einer hydraulischen Ballen- presse mit Nachfüllvorrichtung und doppeltem Preß- pumpwerk, zwei Walzengins und einer Sattdampf- Hochdrucklokomobile von 15 PS. Die Kosten der Anlage belaufen sich frei Muansa auf etwa 17.000 bis 18 000 4. Der Betrieb der Ginanlage wird durch das Komitee erfolgen. Die Ausstellung der Anlage und der Betrieb geschieht unter der Leitung des vom Komitee hinausgesandten Technikers unter Kontrolle des Bezirksamts Muansa. Die zunehmende Baumwollproduktion in Deutsch-Ostafrika, die pro 1910 voraussichtlich ein Quantum von 1500 bis 2000 t Baumwollsaat liefern wird, hat das Komitee zur Prüfung der Frage veranlaßt, ob es nicht an der Zeit ist, die Verarbeitung von Baumwollsaat an Ort und Stelle in Deutsch-Ostafrika zu Baumwollsaatöl und -kuchen in Erwägung zu ziehen. Nach den eingeholten Kostenanschlägen würde eine Anlage, die in der Lage ist, 2t Baumwoll= saat in zehn Arbeitsstunden zu verarbeiten, nach Ostafrika gelegt und ausgestellt rund 40 000 /# kosten. Weiteres Material hat das Komitee von der British Cotton Growing Association erhalten, die in dieser Frage bereits praktische Erfahrungen in Afrika gesammelt hat. Eine Anlage, die von der British Cotton Growing Association in Lagos auf- gestellt ist und 4 t pro Tag verarbeitet, hat auf- gestellt etwa 55 000 .4 gekostet. Die Leistung der Olmühle in Lagos belief sich bei 7 t Saat auf 6½ t Kuchen und ½t Ol. Ol und Kuchen wurden nach England zum Verkauf gesandt und ergaben bei der Verarbeitung von 700 t Baum- wollsaat einen Nettoverlust von rund 35 000 Bei den Lagos-Olkuchen waren übrigens die Kosten für Fracht und Spesen höher als der erzielte Erlös. In Uganda, wo die British Cotton Gro- wing Association durch die Uganda-Company eine gleiche Anlage wie in Lagos aufgestellt hat, soll das Unternehmen ebenfalls nicht nutzbringend arbeiten. Diese Tatsache hat das Komitee veranlaßt vorläufig von der Aufstellung einer Baumwoll saatölmühle in Deutsch-Ostofrika abzusehen und weitere Erfahrungen der British Cotton Growing Association und der Uganda-Company, die ihr Material liebenswürdigerweise zur Verfügung stellen werden, abzuwarten. Kapok. Auch die Kapok= und Kalotropis-Frage war Gegenstand der Verhandlungen. Unter den kolonialen Faserstoffen hat der Kapok in der letzten Zeit immer mehr an Inter#- esse gewonnen. Auf Grund seiner Elastizität, dit ihn zu Polstermaterial geeignet macht, und u Grund seiner Fähigleit, bei großer Leichtigle nur wenig Wasser aufzunehmen, wodurch er si besonders für Rettungsgürtel eignet, ist sein Absah gebiet bereits groß geworden und anscheinen noch bedeutend ausdehnungsfähig. Kapok wird bisher in ansehnlichen Mengen in Holländisch-Indien, zum Teil auch plantagen, mäßig, gewonnen, daneben auch in Deuts Ostafrika, wo die Ausfuhr 1909 etwa 20 t betrut