633 20 für den Weitermarsch Führer zu erhalten. Beim Lagern auf freiem Felde aber ruft man das Mißtrauen der Bewohnerschaft leicht wach, denn man bleibt nie unbemerkt, und es ist bei diesem Modus für beide Teile erheblich schwerer, die gegenseitigen Absichten bei einer Annäherung richtig zu erkunden. Die Leute kamen uns meist auf große Entfernungen schon entgegen, die Dörfer liegen alle so, daß sie einen weiten Ausblick ge- statten. Wir hatten von der Gegend jenseits des Sopa, die sehr stark bevölkert ist, fast immer Be- gleitung von einigen 40 Mann bei uns. Die Begrüßung besteht aus den Rufen ohe, ohe, hal hal hal und wird reichlich angewendet, so daß sie uns bald zum Überdruß wurde und uns schließlich viel Arger verursachte. Ein Trupp Leute kam z. B. an. Schon auf eine Entfernung von 50 m begann das ohe usw., das wir pflicht- schuldigst erwidern mußten. 10 m weiter das gleiche und beim Zusammentreffen dann erst recht. Nun liefen sie ein Stückchen voraus, drehten sich um und das che begann von neuem. Rutschte von uns jemand aus, sofort folgte von allen ein aufmerksames ohe. Die Zwischenpausen wurden zu Rufen in die umliegenden Dörfer verwendet, das immer ein einzelner besorgte, und zwar in so jämmerlicher Weise, daß es sich anhörte, als sei ihm Vater und Mutter gestorben. Hatte sich einer heiser geschrien, dann löste ihn ein anderer ab. Da- zwischen stießen neue Trupps zu uns, und das ohe nahm kein Ende, bis wir endlich, oft erst nach Stunden, glücklich im Dorfhause saßen. Das Abschiednehmen erfolgte in gleicher Weise, war aber zum Glück erheblich kürzer. Am anderen Tage erreichten wir nach einem angenehmen Marsche, der auch zumeist über Gras- berge ging, das Dorf Tubi am Bulong schon nachmittags 4 Uhr. Es liegt 1130 m hoch, und die Temperatur war morgens ½8 Uhr 24 Grad Celsius im Sonnenschein. Hier trafen wir einen eingeborenen Missionsgehilfen vom Sattelberg, eer mit anderen auf Kulungtufu stationiert ist und hier öfters einige Zeit verweilt, um die Sprache zu erlernen. Es ist dies sicher eine be- wunderungswürdige Leistung von einem Papua- christen. Er kochte uns frische Bohnen, die er von Kulungtufu mitgebracht hatte, wo auch europäische Bohnen, Kartoffeln usw. vorzüglich gedeihen. Wir hatten nun den Bulong erreicht, welcher nach unserer Annahme der letzte Fluß sein mußte, der diesseits des Gebirges in die See mündet; wir konnten im höchsten Falle nur noch den Oberlauf des Adlerflusses zu kreuzen haben. Der- selbe reicht aber, wie wir später feststellten, bei weitem nicht bis hier herauf. Hier ist es endlich auch am Platze, etwas über die geolo- gischen Verhältnisse zu bemerken, die ziemlich einfach liegen. Das ganze Gebirge ist Kalk; Korallen sind noch bis 700 m anzutreffen. Nur einmal trat an einem kleinen Nebenflusse des Bulong, dem King, Granit anstehend zutage. Eratische Blöcke oder Moränenspuren waren nicht zu be- merken, desgleichen fehlten auch alle Anzeichen für eine vulkanische Tätigkeit. Der Bulong führt zwar kleine Granitstücke und auch einige Steine plutonischen Ursprungs mit, allein das Bett selber liegt in Kalk, und dieser bildet auch den Haupt- bestandteil seines Geschiebes. Kalk war auch in der Folge vorherrschend, wir trafen ihn auf 3000 m an, und man geht kaum fehl, wenn man für die höchsten gesichteten Kuppen von 4000 bis 5000 m auch das gleiche annimmt. Die Färbung der durch das Fernglas beobachteten Felsen bestätigt dies. Erdbeben scheinen im Innern selten zu sein, und das große Beben von 1906 hat offenbar in diesen Bergen keine Wirkung gehabt; die steilen Felswände waren der Ober- flächenoxydierung nach schon viel älter, und auf den Fußgeröllhalden steht auch schon bedeutend älteres Gehölz. Wir überschritten den Bulong morgens um ½10 Uhr auf 980 m Höhe und erreichten nach- mittags 1 Uhr das Dorf Kuntunge auf 1800 m Höhe, nachdem wir unterwegs in einem kleineren Dorfe einmal kurze Rast gehalten hatten. Bis hierher war Grasland mit niedrigem, vereinzelt stehendem Gebüsch; es gab hier sehr viele Him- beeren, die zwar bei weitem nicht den Geschmack der europäischen Arten aufweisen, aber immerhin noch wohlschmeckend genannt werden dürfen und namentlich sehr erfrischend sind. Zahlreiche Felder sind überall bemerkbar, auch kleine Dörfer konnten allenthalben wahrgenommen werden. Die Früh- temperatur betrug 21 Grad, und nachts fanden wir es schon ziemlich kalt. Unser Dolmetscher hat uns als solcher eigentlich wenig Freude bereitet, er war in bezug auf Marschroute immer der gleichen Ansicht wie die jeweiligen Eingeborenen, und diese wich meistens von der unserigen recht erheblich ab. Wollten wir den Leuten einmal unsere Meinung in etwas entschiedener Weise kundgeben, dann redete er sich darauf hinaus, daß er die Sprache nicht mehr verstände. Die Sache funktionierte aber sofort vortrefflich, wenn es sich darum handelte, ein Schwein zu erwerben, dann schwadronierte er, was das Zeug hielt und gab Maße an, die das Tier haben sollte, deren sich ein rechtschaffener Ochse nicht hätte zu schämen brauchen. Aber sonst war er ein ganz williger und anstelliger Bursche, der etwas im Tragen leistete, dabei schleppte er stets für einige Tage Lebensmittel im voraus mit sich herum, die ihm