545 20 bildet er einen so gleichmäßig abfallenden Pfad, daß man ihn mit Ausnahme nur weniger kür- zerer Strecken mit geringer Mühe zu einem für Maultiere und Pferde gangbaren Saumpfad aus- bauen könnte. Wir gingen nun auf der Ostseite der Insel weiter und erreichten bei Katendan die Bezirks- grenze zwischen Süd= und Nord-Neumecklenburg. In Panakundu verließen uns unsere bisherigen Begleiter, und wir marschierten zu Fuß auf der sogenannten Boluminski-Straße weiter nach Fissoa. Auf dieser Wegestrecke gibt es außer einer Missionsstation keine Niederlassungen von Europäern. Die Straße ist breit ausgeschlagen, und die Bäche sind alle mit Holzbrücken versehen; man kann den Weg daher sehr gut im Wagen oder zu Pferde zurücklegen. Für den Fuß- wanderer ist er besonders bei srischer Beschotte- rung mit scharfem Korallensande, wie wir sie an- trafen, eine Qual. Von Fissoa bis Käwieng ist die Straße mit leichteren Lastwagen und Automobilen befahrbar. Die Pflanzungen Nord- Neumecklenburgs liegen nun auf dieser Wegestrecke in kurzen Abständen nebeneinander. Es sind meist Unternehmungen von 100 bis 300 ha Größe. Wir besuchten die Pflanzungen Fissoa, das Unternehmen von Metzner und Enders, dasjenige von Assunto Constantini und die Neuanlage von Nauer in Lakuremao. In dem dortigen Rasthaus trasen wir dann mit dem Leiter des Bezirks, Bezirksamtmann Boluminski, zusammen. Von diesem erfuhren wir, daß die „Sumatra“, die uns ursprünglich am 14. Februar in Käwieng abholen sollte, nicht dorthin kommen, sondern am folgenden Tage uns in Lakuremao abholen würde. Es hatte also keinen Zweck, weiter zu marschieren, und zu unserem großen Bedauern konnten wir daher die weiteren Unter- nehmungen, die gerade ihres Alters wegen be- sonders interessant gewesen wären, nicht besuchen. Die „Sumatra“ traf pünktlich ein, und durch das Entgegenkommen des Kapitäns fuhr der Dampfer dicht unter der Küste nach Käwieng zurück, so daß wir dort das Gestüt und die Re- gierungsplantage, wenn auch sehr flüchtig, sehen konnten. Der Dampfer lief dann die Fischer- und Gardnerinseln an, wo wir zum Besuche der Pflanzung Teripax an Land gingen. Auf dem Wege nach Rabaul leruten wir dann noch die neue Pflanzung der Matandeduk-Gesell- schaft sowie den Platz eines chinesischen Händlers kennen, der zugleich auch eine Kokospflanzung angelegt hat. Am 16. Februar waren wir wieder in Rabaul. Zwei Tage später fuhren Dr. Gehrmann und ich in Begleitung des Gouverneurs auf dem Dampfer „Prinz Sigismund“ nach Kaiser- Wilhelmsland ab. Auf der Fahrt nach Friedrich-Wilhelmshafen liefen wir die Fran- zösischen Inseln an und gingen in Peter- hafen an Land. Hier hat die Neu-Guinea- Kompagnie einen Anbauversuch mit Kakao in großem Maßstabe (250 ha) unternommen. Die Zeit erlaubte es leider nicht, diese Anlagen ein- gehend zu besichtigen. Der Gouverneur beab- sichtigte in Friedrich-Wilhelmshafen dienstliche Ge- schäfte zu erledigen und dann die Kaiserin- Augustafluß-Expedition nach ihrem Bestim- mungsort zu bringen. Hierdurch war uns Ge- legenheit gegeben, einerseits den Plantagendistrikt an der Astrolabebay kennen zu lernen und ander- seits die im Dienste des Kolonial-Wirtschaftlichen Komitees in der Nähe von Friedrich-Wilhelms- hafen mit dem Einsammeln von Gutta und Kautschuk beschäftigten Malaien bei ihrer Arbeit aufzusuchen. Wir besichtigten die Pflanzungen der Neu-Guinea-Kompagnie in Modilon und Jomba und fuhren mit der Pinasse des Bezirks- amts nach Alexishafen. Dort hat die katholische Mission vom heiligen Herzen Jesu ihre Haupt- niederlassung. Sie hat in neuerer Zeit eine um- fassende wirtschaftliche Betätigung begonnen. Von großem Interesse war für uns der Besuch der in der Nähe im großen Stile angelegten Reisfelder. Die Reiskultur ist vor wenigen Jahren hier auf- genommen worden in der Absicht, den großen Bedarf der Mission selbst durch eigne Kultur zu decken und allmählich auch den Reisbau bei den Eingeborenen einzuführen. Die ganze Anlage befindet sich noch im Versuchsstadium; zur Zeit war man damit beschäftigt, eine von einem Motor angetriebene Reismühle aufzustellen. Mustergültig ist auch das Sägewerk der Mission. Es arbeitet mit modernen Maschinen und deckt seinen ganzen Bedarf aus den benachbarten Wäldern. Durch die Aufstellung von Holzbearbeitungsmaschinen ist das Werk in der Lage, den ganzen Bedarf der Mission an Brettern und Möbeln selbst herzu- stellen. Während die Mission doch sonst sehr viel für die Verbreitung des Handwerks unter den Eingeborenen tut und vor kurzem sogar eine Seilerei zur Herstellung von Tauwerk und Seilen eingerichtet hat, siel es mir auf, daß in der Tischlerei so wenig Eingeborene als Lehrlinge beschäftigt werden. Inzwischen traf der Regierungsdampfer „Komet“ mit der Sepik-Expedition an Bord in Friedrich-Wilhelmshafen ein. Am 27. Februar konnten wir auf dem „Komet“ die Weiterreise nach dem Augustafluß antreten und gingen noch an demselben Abend im Fluß vor Anker. Mir lagen bei dem Dorfe Kopar 2, wo am nächsten Morgen Eingeborene als Dolmetscher an Bord genommen wurden. Der Fluß hatte zur