W 407 20 Maßnahmen werden bei dem seltenen Auftreten der Glossina palpalis nicht ohne Erfolg bleiben. Wie an vielen Orten des Schutzgebietes sind auch hier die Blattern sehr häusig, und ihnen fallen nach Aussage der Eingeborenen die meisten Menschen zum Opfer. Die weitaus häufigste Er- krankung der Bevölkerung ist die Filarienkrankheit, die das männliche Geschlecht stark bevorzugt. Sie tritt so häusig auf, daß man in einzelnen Dörfern kaum einen erwachsenen Mann findet, dessen Scrotum nicht elefantiastisch vergrößert wäre. Bei den Frauen ist die Krankheit ungleich seltener und bleibt in der Regel auf die Elefan- tiafis der unteren Extremitäten beschränkt; die Genitalien werden seltener befallen. Die Häufig- keit der Krankheit ist durch die ungeheuere Menge der Moskitos ohne weiteres erklärt. Der Wasser- reichtum des Landes, und zwar der Reichtum an stagnierenden Gewässern, bietet ihnen die günstigsten Lebensbedingungen. Einmal liegen in den neu- erworbenen Landstrecken die Quellgebiete beider Logoneströme, die sich als sumpfige Wiesen kenn- zeichnen, ferner werden auf den flachen Plateaus, wo Brauneisenstein und tonige Böden anstehen, die Wassermengen der Regenzeit noch lange zurück- gehalten und bilden sumpfige, feuchte Niede- rungen; endlich stagnieren zu beiden Seiten der großen Stromläufe in ihrer Überschwemmungs- done noch Wassertümpel das ganze Jahr hindurch. Neben der Filariakrankheit treten andere Krankheiten kaum in die Erscheinung. Sandflöhe sind bis jetzt in das Zwischenlogonegebiet, weil dieses für den Haussahandel bisher unzugänglich, noch nicht eingeschleppt, ebensowenig die Über- träger des Rückfallsiebers. Venerische Erkran- kungen mit umfangreichen Ulzerationen wurden öfters beobachtet. Die nach einer französischen Angabe in Kondjella auf deutschem Gebiet auf- tretende Beriberi konnte zur Zeit nicht festgestellt werden. Endlich sind noch die Sandfliegen zu erwähnen, eine winzige, den Simuliden ange- hörige Stechmückenart, die nicht patogen sind, die aber wegen ihrer ungeheuren Menge und ihrer schmerzhaften Stiche für den Europäer zu einer lästigen Plage werden können. Die gewöhnlichen Moskitonetze gewähren keinen Schutz gegen sie. Meine Tätigkeit erstreckt sich neben der all- gemeinen Krankenbehandlung auf die Feststellung der Verbreitung der Schlaftrankheit und ihrer berträger, auf die Anfertigung von Blutpräpa- raten krankheitsverdächtiger Eingeborener und aller erreichbaren Tiere. Impfreisen in die um- liegenden Dörser wurden östers unternommen und waren, soweit die Scheu der Eingeborenen überwunden werden konnte, von Erfolg begleitet. 1* Das westliche Muni-Dreieck. Über das westliche Muni-Dreieck berichtet der Leiter der Monda—Dschua-Grenzexpe- dition, Hauptmann Abel, am 17. Februar d. Is. aus seinem Lager Enkoröton (Nkorö) am En- düja (Noyay) folgendermaßen: Die Küste bilden zum Teil kilometerweit ins Innere gehende Mangrovensümpfe mit vorgela- gerten Mudbänken. In den Mangrovensümpfen liegen auf einzelnen inselartigen Erhebungen die Dörfer. Außer dem Mondaberg, der aus ver- witterter Lateritschlacke besteht, sind diese Inseln angeschwemmter Sandboden. Die Inseln sind mit dichtem Urwald bedeckt; zu seinen Beständen ge- hören auffallend zahlreiche Baumwollbäume und Olpalmen. 10 bis 50 m breite, 3 bis 10 mr tiefe Kreeks erstrecken sich weit ins Land. Erwa 5 km Luftlinie von der Küste ändert sich der Charakter des Landes. Der Boden geht hier in Sandstein mit Schiefer= und Kalksteinlagerungen über, der von Lateritlehm überlagert wird. Ununterbroche- ner primärer Urwald beginnt in leicht gewelltem Hügelland, die Olpalme verschwindet vollkommen und ist bisher nicht wieder angetroffen worden. Der Urwald bildet nicht ein undurchdringliches Pflanzengewirr, wie an vielen Stellen Kameruns, sondern zwischen den verhältnismäßig weit aus- einanderstehenden Urwaldriesen erhebt sich ein stangenartiges lichteres Unterholz, welches fast stets Ausblick auf 40 bis 50 m ermöglicht. Durch- zogen wird dieser Wald von zahlreichen scharf eingeschnittenen Flüssen und Bächen, so daß das ganze Gebiet als wasserreich bezeichnet werden muß. Ai Ende der Regenzeit wird das Gebiet zum Teil schwer passierbar sein. Besonders der Ab- schnitt zwischen Mwumme und Endja dürfte teilweise unter Wasser stehen. Am Endlja sindet sich wieder Lateritschlacke, während weiter östlich Urgesteine, anfangs Granit, dann Gneise anstehen. Irgendwelche Metalle sind nicht ge- funden, auch läßt nichts darauf schließen, daß außer nicht abbauwürdiger Eisenrinde Metalle oder Kohlen vorhanden find. An Kautschuklianen ist der Urwald noch reich, doch kann ich nicht beurteilen, in welcher Zeit die Kautschukliane verschwunden sein wird. Werte bietet das Land dann nur noch in seinen reichen Holzbeständen. Leider hört, wie schon gesagt, die Olpalme 5 km von der Küste voll- ständig auf. Die Vortragung ihrer Kultur weiter ins Innere dürfte die Hauptaufgabe unserer Ver- waltung sein, um im Lande dauernde Werte zu schaffen. Die Holzausfuhr ist für afrikanisches Gebiet, das nur auf seine natürlichen Verkehrswege an-