W 482 20 wird man unschwer einsehen, daß der Höchstbetrag, dessen Investierung für eine Bewässerungsanlage in jedem der angeführten Fälle wirtschaftlich zulässig er- scheint, sehr verschieden zu bemessen sein wird. Die relativ chböhste Kapitalsanlage läßt sich recht- fertigen für die Einrichtung von ganz kleinen Bewässe- Farmen mit reinem Weidebetriebe in trockenen Gegenden. Solche ihrem natürlichen Zustande sehr wenig folge der großen Unsicherheit der. Weideverhältnisse die normale Bestockungsmöglichkeit außerordentlich niedrig ist. Kleine Anlagen zur Sammlung und Ver- teilung des Oberflächenwassers haben oft zur Folge, daß die Bestockungsmöglichkeit der Farm verdoppelt oder verdreifacht wird oder daß eine ganz wertlose Farm in ein wertvolles Besitztum umgewandelt wird. real, welches man unter Bewässerung bringt, oder die Ouantität des in Dämmen aufge- speicherten Wassers, oder die Wassermenge, welche man durch Bohren erzielt, mag an sich sehr gering sein. Trotzdem kann durch sie der Wert der ganzen Farm ungeheuer erhöht werden. In solchen Fälln ist es unmöglich, allgemeine Regeln über die Höhe der wirt- schaftlich zu rechtfertigenden Kapitalsanlage für Be- wässerungszwecke festzulegen. Die Kosten der Anlage per Morgen bewässerten Landes oder per Volumen- einheit erschlossenen oder gesammelten Wassers sind kein Gesichtspunkt für die Beurteilung der wirtschaft- lichen Zweckmäßigkeit einer solchen Anlage; letztere kann vielmehr nur beurteilt werden durch Schätzung der Wertsteigerung, die die ganze Farm durch sie erfährt. ch will hier besonders von solchen Anlagen sprechen. beii denen die Bewässerung eingerichtet wird, um bedeutende ackerwirtschaftliche Erträge aus ohne Bewässerung unbrauchbaren Farmen zu erzielen oder um überhaupt intensive Farmwirtschaft zu erm glichen. die aber gänzlich von der Bewässerung abhängt Solche Anlagen werden geschaffen zwecks Anbau von Winterfutter oder anderen Feldfrüchten, um die Haltung böher gezüchteten Viehes oder eine bedeutend größere Bestockung zu ermöglichen, oder zwecks Schaffung künst- licher Dauerweiden oder von Luzernefeldern oder für den Anbau von Brodfrüchten. oder endlich, um die Produktion von hochwertigen Erzeugnissen, wie Tabak, Wein, Obst, Gemüse und dergl. zu ermöglichen. In allen diesen Fällen müssen den in den Bewässerungs- anlagen steckenden Kapitalien entsprechende Rein- erträge durch den Farmbetrieb gegenüberstehen, sonst geht das Unternehmen dem sicheren wirtschaftlichen Ruin entgegen. Ein Farmer, der beabsichtigt, eine Bewässerungs- anlage zu errichten, muß sich klar darüber sein, daß er das nötige Kapital bereitzustellen hat: a) für die Anlagen, die nötig sind zum Anstauen, Zusammen- leiten usw. sowie zum Heben, Zuleiten und Verteilen des Wassers; b) für die Herrichtung des Landes zur Bewässerung, d. b. Einebnen des Landes, Einteilung der Fläche, Herstellung von Beeten und Herstellung der Wasserverteilungsanlagen auf dem! Acker selbst; e) als Betriebstapital bis zur ersten Diese Kapitalien sind, soweit sie die- Regierung dargeliehen hat. mit 3¾ v. H., und iseweit es sich um private Geldgeber handelt, mit 6 u ver- zinsen. Die Zinsen, welche aahbben der Banzeit und der Zeit von der Vollendung der Anlage bis zur ersten Ernte erwachsen, müssen dem Kapital zuge- rechnet werden. Sobald die Anlage anfängt Gewinn zu bringen, entstehen auch gewisse laufende Ausgaben, nämlich Zinsen und Rückzahlungsauoten, die je nach den getroffenen Abmachungen eine längere oder kürzere Zahl von Jahren hindurch zu bezahlen sind. Man soll nicht glauben, daß Amortisation oder Kapital- Tilgungsquoten nur berechnet zu werden brauchen, wenn die Anlage gemäß den Bestimmungen des Frri- gation-Gesetzes mit Hilfe von Regierungsdarlehen ge- schaffen worden ist. Vielmehr müssen sie vom allge- meinen geschäftlichen Standpunkte aus in allen Fällen in ,diechnung gezogen werden, ganz gleich aus welcher le das Anlagekapital stammt. ußer den angegebenen dauernden Ausgaben müssen noch andere laufende Beträge bereit gestellt werden, um die Instandhaltung der Anlage und ihre Betriebskosten zu decken, die nicht nur durch die Beschaffung und Verteilung des Wassers, sondern auch durch den landwirtschaftlichen Betrieb auf den be- wässerten Flächen erwachsen. Bei Bewässerungs- anlagen, welche mittels Pumpen betrieben werden, sind diese elches mitteh besonders hoch, bedeutend höher als die erst erwähnten laufenden Ausgaben. Hier kann leicht der Fall eintreten, daß die Durch- schnittseinnahmen aus dem Bewässerungsbetriebe nicht genügen, um die Verzinsungs-, Rückzahlungs= und Betriebsausgaben zu decken, in welchem Falle das ganze Projekt unwirtschaftlich ist. eenn unkultiviertes Land, von dem anzunehmen ist, daß eine LBewässerungsanlage eingerichtet werden kann, zu hohem Preise aungekauft wird, dann kompli- ziert sich die arie erechnung noch bedeutend. Es herrscht heutzutage unzweifelhaft die Neigung vor, unkultiviertes Land viel zu hoch zu bezahlen, wenn wirklich oder angeblich, aber jedenfalls unerwiesener- maßen die Bewässerungsmöglichkeit vorliegt. Man berücksichtigt nicht, daß häufig nur bei Aufwendung von sehr bedeutenden Kapitalien eine Bewässerung und landwirtschaftliche Benutzung ermöglicht werden kann. Es ist schwer, solche Bewässerungsprojekte richtig u beurteilen, und eine gute Urteilskraft und große refahrung seitens des Unternehmers ist dafür er- forderlich. Im allgemeinen ist die richtige Basis, von welcher man bei der Beurteilung eines solchen Projektes aus- zugehen hat, der landwirtschaftliche Nutzungswert und die Bewertung des durchschnittlichen Rohertrages, welchen man per Vorder erzielen kann. Die dies- bezüglichen Kalkulationen dürfen nicht auf die gerade bestehende vorübergehende Marktlage basiert werden, ondern die Möglichkeit des Nachlassens der Preise ist n weitgehendem Maße zu berücksichtigen, ebenso wie das Vorkommen von trockenen Jahren und anderen Zu- fälligkeiten, denen der Ackerbau unterworsen ist. allen Dingen darf man nicht mit den Erträgen von Liebhaberartikeln rechnen, wie Straußenfedern, Kala- baschpfeifen und derartigen Sachen, welche nicht die stetige Nachfrage besitzen, wie Stapelartikel für Er- nährungs= oder Bekleidungszwecke. Voranschläge, welche auf die Produktion von Hammel-, Rind-, Schweinefleisch. Schinken, Wolle, Mohair, Getreide usw. basiert sind, sind viel zuverlässiger als solche, die mit der Produktion von Straußenfedern, Kalabaschpfeifen usw. rechnen. Das haben schon viele zu spät zum eigenen Schaden erkann Die Entscheidung zrt Frage, innerhalb wie vieler ahre das für eine Bewässerungsanlage aufgewendete Veiren getilgt werden kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Hat man aber 3. B. diesen Zeitraum auf 15 Jahre festgelegt, so muß die Einnahmeschätzung auf Grund der durchschnittlichen Marktlage, die während dieser Zeit zu erwarten ist, festgelegt werden, und da solche Vorausschätzungen häufig sehr unsicher sind, be- sonders bei Artikeln, auf deren Preisbildung die Mode Einfluß hat, ist ein bedeutender Sicherheitskoeffizient abzuziehen.