W 232 20 Berichte sind wir leider nicht in der Lage, die vom Feinde gemachten Angaben prüfen zu können, aber aus einigen hier und da durchgesickerten Nachrichten ist zu entnehmen, daß die Smutsschen Truppen in diesen Kämpfen an mehreren Stellen recht erhebliche Schlappen und hohe Verluste an Menschen und Material erlitten haben. Wie General Smuts selbst die Lage beurteilte, beweisen wohl am besten die Maßnahmen, die er zur Abwendung der seinen Truppen an dieser Stelle drohenden Gefahren schleunigst ergriff. In aller Eile wurde in Dodoma an der Zentral- bahn eine Kolonne unter Colonel Taylor zu- sammengezogen und ebenso die bei Morogoro in Ruhestellung und zur Auffüllung ihres Bestandes befindliche berittene Brigade der 2. Division vor- zeitig und nur etwa 1000 Gewehre stark nach Iringa in Marsch gesetzt. Bemerkenswert ist, daß diese Brigade auf dem Marsche dorthin bzw. innerhalb von sechs Wochen etwas mehr als 90 v. H. ihrer Pferde infolge von Krankheit verlor. Vom 8. bis 12. November soll es dann noch zu heftigen deutschen Angriffen gegen Malangali gekommen sein, die ebenso wie ein vom 14. zum 15. unternommener Nachtangriff bei Ssongea und ein Angriff bei Lupembe am 17. verlustreich ab- gewiesen worden sein sollen. Es ist denkbar, daß diese Angriffe zur Unterstützung der noch jenseits der feindlichen Linien etwa in der Richtung auf Malangali vermuteten Abteilung Hübener unter- nommen worden sind. Angesichts der zahlenmäßi- gen Überlegenheit des Gegners an und für sich und des Eintreffens seiner Verstärkungen, die es dem General Northey ermöglichten, seine Streitkräfte um Lupembe zu konzentrieren, scheint man auf deutscher Seite von weiteren Versuchen, der Ab- teilung Hübener Hilfe zu bringen, als aussichtslos Abstand genommen zu haben. Dem feindlichen Bericht zufolge gingen die deutschen Streitkräfte mit dem 19. November ostwärts auf eine Stellung zurück, die von Kidatu über Lofia, Mfua, Luke- geta, Makua's und Mfirika bis nordöstlich Ssongea den Bezirk von Mahenge deckte. So konnte General Northey in Verbindung mit General van Deventer die zur Einschließung der Abteilung Hübener erforderlichen Truppen freimachen, die zum Teil sogar auf Kraftwagen herangeführt wurden. Zur Vorbereitung seines später zu unterneh- menden allgemeinen Vorgehens beschloß General Smuts, die deutschen Streitkräfte zunächst über den Ruhudje und Ulanga (Kilombero) zurückzuwerfen. Zu diesem Zweck befahl er am 29. November General van Deventer, mit starken Kräften gegen Ifakara und weiterhin gegen den Luwegufluß vorzugehen, während General Northey von Lu- pembe in Richtung auf den Ruhudje und von Ssongea auf Mponda angreifen sollte. Der Beginn dieser Bewegungen mußte jedoch, wie General Smuts berichtet, infolge der ungün- stigen Witterung bis Ende Dezember aufgeschoben werden. Heftige Regenfälle machten alle Bewe- gungen ungeheuer schwierig und die Verpflegungs- möglichkeiten gestalteten sich äußerst unsicher. Noch unterm 19. Dezember meldete General van De- venter, daß er nicht in der Lage gewesen sei, diejenigen Verpflegungsvorräte anzusammeln, die man bei Iringa zu finden hoffte, und daß er seine ganze Division während des bevorstehenden Vor- marsches nicht verpflegen könne. Er hatte sogar einen Teil seiner Truppen an die Zentralbahn zurückschicken müssen und bei Iringa nur ein Detachement von drei Bataillonen Infanterie und einer Schwadron zurückbehalten. Die Generale van Deventer und Northey wurden angewiesen, sich dem auf den 24. Dezember angesetzten allgemeinen Vorgehen anzuschließen. Bevor wir uns den weiteren Ereignissen zu- wenden, sei uns mit Bezug auf eine weiter oben im Wortlaut angeführte Stelle des Berichts des Generals Smuts die Bemerkung gestattet, daß auch wir unserseits wohl annehmen dürfen, daß, wenn es der deutschen Führung möglich gewesen wäre, eine größere Anzahl von Truppen auf dem westlichen Kriegsschauplatz zu vereinigen, sie zweifellos die feindlichen Streitkräfte weit schärfer hätte anfassen können, als sie bazu unter den für sie noch bei weitem schwierigeren Umständen in der Lage war. In dem Gebiet zwischen dem Rufiji und der Zentralbahn, auf der Strecke von Daressalam bis zum Ruwu, kam es während des November und Dezember in der Gegend von Msanga-KAissangire zu kleineren Zusammenstößen. Wie bereits weiter oben erwähnt, war ein am 9. Oktober unter- nommener Versuch, die Kissangire besetzt haltende deutsche Abteilung von dort zu vertreiben, nicht nur gescheitert, sondern endete mit dem Rückzug des Angreifers auf Maneromango. Nach Ein- treffen der von der 1. Division von Tulo her entsandten Verstärkungen, bestehend aus einer Ab- teilung südafrikanischer Infanterie, den 57. Rifles und einem Zuge Gebirgsartilleric, besetzte der Gegner am 21. Oktober Msanga und schob am 6. November eine Abteilung in Stärke von 300 Gewehren und 2 Maschinengewehren nach Kongo, etwa 25,7 km westlich Msanga, während an letzterem Platze 450 Gewehre, 2 Geschütze und 4 Maschinengewehre verblieben. Um dieselbe Zeit hielten die Deutschen Mkamba und Kissangire besetzt und setzten sich gegen Ende des Monats noch in Kibesa, etwa 19 km südlich von Msanga, fest. Sie unterhielten eine lebhafte Patrouillentätigkeit in Richtung auf die Zentral- bahn, konnten die Bahn selbst jedoch nicht er-