sich  auf  die  Dauer  in  Frankreich  behaupten.  Darum  hatte
er  den  russischen  Krieg  aufs  gründlichste  vorbereitet.  Die  Krmee,
  die  er  gegen  Rußland  führte,  war  die  größte  und
schönste,  die  die  Welt  je  gesehen.  Fast  alle  Dölker  Europas
dienten  in  diesem  heere.  Dreußen  mußte  ein  hilfsheer  von
20000  Mann  stellen.  Es  stand  unter  dem  General  VDorck,  und
dieser  unter  dem  Marschall  Macdonald,  der  den  linken  Slügel
der  „Großen  KArmee“  befehligte.  Beim  Sentrum,  das  Napoleon
  selbst  führte,  standen  die  übrigen  preußischen  Truppen,
Bayern,  Schwaben,  Sachsen,  Westfalen  und  die  übrigen  Rheinbündner;
  auf  dem  rechten  Flügel  das  österreichische  Hilfskorps
  unter  dem  Fürsten  Schwarzenberg.  —  Die  Bewunderung,
  ja  das  Grauen  vor  dem  Kaiser,  der  wie  der  Kriegsgott
selbst  erschien,  lähmte  den  ganzen  Westen,  als  seine  heeressäulen
  hinter  der  russischen  Grenze  verschwanden.  Die  überwiegende
  Mehrzahl  der  Seitgenossen  ahnte  nicht,  daß  das
Weltreich  ein  Noloß  mit  tönernen  Füßen  war.  Und  Uapoleon
wußte  nicht  oder  wollte  nicht  wissen,  daß  er  einen  vulkanisch
durchwühlten  Boden  hinter  sich  ließ,  daß  das  preußische  Dolk
nur  auf  die  Stunde  der  Dergeltung  wartete.

Die  Katastrophe  in  Rußland.

Km  26.  Juni  1812  überschritt  Napoleon  den  Uiemen,  am
28.  Juni  zog  er  in  Wilna  ein.  Er  verhinderte  die  Dereinigung  der  beiden
  russischen  Hauptarmeen  unter  Barcla  de  Tolly  und  Bagration,
und  erst  als  Uapoleon  nicht  auf  St.  Detersburg,  sondern  geraden
Wegs  nach  Moskau  marschierte,  trafen  sich  die  russischen  heere
anfangs  Kugust  in  Smolensk.  Inzwischen  waren  die  russischen  Landwehren
  und  die  Kosakenhecre  ins  HLeld  gerufen,  feurige  Proklamationen
  hatten  den  Urieg  zum  heiligen  Mationalkrieg  erklärt.
Km  Hofe  Klexanders  I.  war  der  Sreiherr  vom  Stein,  in  dessen  Hand
die  Fäden  der  deutschen  Befreiungsbewegung  zusammenliefen,  die
Seele  des  Widerstandes.  Die  Stimmung  des  Volkes  war  derart,  daß
der  Zar  nicht  daran  denken  durfte,  nachzugeben.  —  Als  auch
Mapoleon  in  Smolensk,  am  Eingangstor  ins  alte  Rußland,  angelangt
  war,  hatte  er  durch  Hunger,  Krankheit,  Fahnenflucht,
Marsch=  und  Cefechtsverluste  von  der  hauptarmee  schon  100  000
Mann  und  80  000  Pferde  verloren.  Die  Disziplin  des  zusammengewürfelten
  Heeres  war  schon  in  bedrohlichem  Maße  gelockert.  In
der  ersten  großen  hauptschlacht  des  Feldzuges  vom  15.  bis  zum
18.  August  wurde  um  den  Besitz  von  Smolensk  blutig  gekämpft,
die  Stadt  von  den  Franzosen  in  Brand  geschossen.  Der  Plan  der

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