durch  Kapricen  geleitet,  aus  Leidenschaft  und  persönlichem
  Haß  und  Erbitterung  handelt.  dergleichen
Staatsbeamte  sind  aber  gerade  diejenigen,  deren
Vverfahrungsart  am  allernachteiligsten  für  die  Susammenhaltung
  des  Ganzen  wirkt.  Ichmuß  nock  hinzufügen,
  daß,  wenn  Sie  nicht  Ihr  respektwidriges
Benehmen  zu  ändern  willens  sind,  der  Staat  keine
große  Rechnung  auf  Ihre  ferneren  Dienste  machen
kann.

Stein  zog  sich  sofort  zurück.  Acht  Monate  danach  ließ  ihn  der

König  bitten,  sein  Kmt  wieder  zu  übernehmen.  Dom  Krankenlager
aus  diktierte  er  an  den  König  die  Kntwort:

Ich  befolge  die  Befehle  unbedingt  und  überlasse
Ew.  Majestät  die  Bestimmung  jedes  Derhältnisses.
es  beziehe  sich  auf  Geschäfteoder  Dersonen,  mit  denen
Ew.  Majestät  für  gut  halten,  daß  ich  arbeiten  soll.
In  diesem  Zugenblick  des  allgemeinen  Unglückes
wäre  es  sehr  unmoralisch,  seine  eigene  Person  in  An—
sehung  zu  bringen.

Stein  begann  nun  die  Neugestaltung  des  Staats,  deren  öweck,
angesichts  der  verzweifelten  Lage,  war,  den  Untertanen  das  Bewußtsein
  von  Staatsbürgern  einzuflößen  und  damit  ihre  Teilnahme
am  Staat  wieder  zu  beleben.  Er  schuf  die  Bauernfreiheit,  die  Städtefreiheit
  und  mit  Scharnhorst  die  Grundlagen  einer  volkstümlichen
Wehrverfassung.  Schon  nach  einem  Jahr  mußte  Stein,  nachdem
ein  verfänglicher  Brief  in  die  Hand  Napoleons  geraten  war,  den
Kbschied  nehmen.  Km  16.  Dezember  1808  wurde  „le  nommé  Stein“
von  Napoleon  geächtet  und  mußte  aus  Dreußen  fliehen.  Sein
politisches  Bekenntnis  legte  er  in  seinem  sogenannten  „politischen
Testament“  nieder.  Don  der  Regierung  des  Königs  Jérôme  wurden
seine  Güter  in  Westfalen  konfisziert.  In  Prag,  wo  er  zuletzt  weilte,
nicht  mehr  sicher,  ging  er  im  Mai  1812,  vom  Saren  Klexander  I.
eingeladen,  nach  St.  Petersburg.  Hier  war  er  das  Haupt  des  Widerstandes
  gegen  Uapoleon.  Nach  der  NKatastrophe  in  Rußland  belebte
er  in  Ostpreußen  die  Erhebung  der  Nation  und  entschied  in  Breslau
den  Anschluß  Preußens  an  Rußland.  Nach  der  Schlacht  bei  Leipzig
wurde  Stein,  am  21.  Oktober  1813,  zum  Vorsitzenden  der  Sentralkommission
  aller  der  Länder  ernannt,  die  von  den  Verbündeten
besetzt  würden.  Er  ging  mit  nach  Paris.  Im  September  1814
erschien  er  auf  dem  Kongreß  in  Wien  und  war  dort  unermüdlich
in  der  Krbeit  für  die  deutsche  Zukunft.  Von  da  ab  zog  er  sich  von
der  öffentlichen  Uätigkeit  zurück.  Er  starb  als  der  letzte  seines
Stammes  am  29.  Juni  1831  auf  seinem  Gute  Kappenberg  in
Westfalen,  im  Todesjahr  Gneisenaus  und  iebuhrs.

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