Ende  Dezember  1812.

Wozu  unterhandelt  man?  Wozu  diese  kleinlichen  Hormeln?
  Sagte  man  zu  Napoleon:  Du  hast  uns  entehrt,
du  hast  uns  betrogen  und  unter  die  Süße  getreten  und
Gewalt  und  Schändlichkeiten  aller  Art  in  unsern  Landen
ausgeübt,  dafür  wollen  wir  auf  Leben  und  Uod  gegen  dich
fechten  und  wo  möglich  dich  vernichten  —  sagte  man  dieses
geradezu  ohne  Umschweife,  so  behauptete  man  weit  mehr
den  Charakter  des  geraden  biederen  Mannes  als  nun,
da  man  nur  den  äußeren  Schein  durch  nichts  fruchtende
Unterhandlungen  retten  will.  (Nach  Lehmann,  Scharnhorst.)

Die  Konvention  von  Tauroggen

vom  30.  Dezember  1812.

Der  Marschall  Macdonald,  von  den  Russen  unter  Wittgenstein
verfolgt,  zog  auf  Memel  zu.  Der  russische  Generalquartiermeister
Diebitsch,  ein  geborener  Preuße,  stieß  bei  der  Derfolgung  an  der
Spitze  von  1300  Mann  auf  das  preußische  hilfskorps  unter  den
Generalen  von  Dorck  und  von  Kleist.  Diebitsch  legte  sich  zwischen
die  preußischen  Kolonnen  und  Macdonalds  Uruppen.  Dorck  hätte
um  die  Derbindung  mit  Macdonald  wieder  herzustellen,  sich  mit
den  Russen  schlagen  müssen.  Da  leitete  Diebitsch  Verhandlungen
mit  Norck  ein,  die  am  30.  Dezember  zum  ZKbschluß  kamen.  In  der
Mühle  von  Poscherun  schloß  Dorck  mit  dem  russischen  General  einen
Dertrag  ab,  kraft  dessen  das  preußische  Norps  neutral  erklärt  und
ihm  in  Hreußisch-Lithauen  ein  neutraler  Candstrich  angewiesen
wurde.  Sollte  die  Konvention  von  einem  der  beiden  Monarchen
nicht  genehmigt  werden,  so  erhielten  die  preußischen  Truppen  freien
Kbmarsch  auf  dem  kürzesten  Weg,  verpflichteten  sich  aber,  für  den
Fall  der  Verweigerung  des  VDertrages  durch  den  König  von  Preußen,
innerhalb  zweier  Monate  nicht  gegen  die  Russen  zu  kämpfen.
Sriedrich  Wilhelm  III.,  inmitten  einer  französischen  Garnison,
mit  Uapoleon  noch  im  Bündnis,  der  Kriegshilfe  des  Saren  noch
nicht  unzweideutig  gewiß,  sagte  sich  öffentlich  von  dem  aufrührerischen
  General  los.  Der  Staatskanzler  hardenberg  führte  mit
unübertrefflicher  Klugheit  die  preußische  Politik  so  lange  scheinbar
in  französischem  Sinne,  bis  zu  dem  Zugenblick,  wo  die  kriegserklärung
  nicht  notwendig  zum  Untergang  des  gefährdeten  Staates
führen  mußte.  Insgeheim  wurde  mit  csterreich  angeknüpft;
die  Derhandlungen  mit  Zlexander  l.  gaben  bestimmte  Zussicht  auf
ein  russischpreußisches  Bündnis.  Lange  schwankte  die  Entscheidung;
aber  die  Macht  des  Dolkswillens  erwies  sich  stärker  als  der  zandernde
König  und  als  der  übervorsichtige  Gang  der  Kabinettspolitik.

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